Doha/Gaza

Hamas: Komplette Entwaffnung kommt nicht infrage

Chef-Terrorist Moussa Abu Marzouk Foto: picture alliance / Kyodo

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Hamas: Komplette Entwaffnung kommt nicht infrage

Moussa Abu Marzouk, Mitglied des Hamas-Politbüros, sagt, die Organisation habe zu keinem Zeitpunkt einer Übergabe aller Waffen zugestimmt

 30.01.2026 09:13 Uhr

Ein hochrangiger Vertreter der palästinensischen Terrororganisation Hamas hat zentrale Aussagen der US-Regierung und Israels zur Zukunft des Gazastreifens zurückgewiesen. Moussa Abu Marzouk, Mitglied des Hamas-Politbüros, erklärte, die Organisation habe zu keinem Zeitpunkt einer vollständigen Entwaffnung zugestimmt. Entsprechende Behauptungen aus Washington und Jerusalem entbehrten jeder Grundlage.

In einem Interview mit dem katarischen Sender Al Jazeera sagte Abu Marzouk, es habe »nicht eine einzige Minute« Gespräche über eine Aufgabe der Waffen gegeben. Weder mit den USA noch mit internationalen Vermittlern sei dieses Thema konkret erörtert worden. »Niemand hat das direkt mit uns angesprochen«, erklärte er. Vor diesem Hintergrund stelle sich die Frage, wie eine Entwaffnung nun plötzlich Bestandteil von Verhandlungen sein könne.

Die Aussagen stehen im klaren Widerspruch zu den wiederholten Forderungen von Israels Ministerpräsident Netanjahu und US-Präsident Donald Trump. Beide hatten betont, eine Demilitarisierung des Gazastreifens sei Voraussetzung für den Wiederaufbau und für eine zweite Phase der Waffenruhe. Trump hatte mehrfach erklärt, Hamas habe zugesagt, ihre Waffen niederzulegen, und der Organisation mit weiteren Maßnahmen gedroht.

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Abu Marzouk ließ allerdings durchblicken, dass über begrenzte Schritte gesprochen werden könne. Man sei bereit, am Verhandlungstisch zu klären, »welche Waffen entfernt werden, wie und in welchem Rahmen«. Eine vollständige Entwaffnung sei damit jedoch nicht gemeint. Zugleich erklärte er, er frage sich, warum eine Entwaffnung nun auf diplomatischem Weg gelingen solle, nachdem sie während mehr als zwei Jahren Krieg nicht erreicht worden sei.

Parallel dazu machte der Hamas-Funktionär deutlich, dass seine Organisation weiterhin maßgeblichen Einfluss im Gazastreifen ausübe. Zwar sehe das internationale Konzept für die Zeit nach dem Krieg eine Übergabe der zivilen Verwaltung an ein neues, technokratisches Gremium vor, doch faktisch bleibe die Hamas in den nicht von Israel kontrollierten Gebieten die dominierende Macht. Abu Marzouk erklärte, niemand könne den Gazastreifen ohne Zustimmung der Hamas betreten, zugleich werde man die Arbeit des neuen Verwaltungskomitees unterstützen und »für Sicherheit« sorgen.

In Israel wird diese Darstellung mit Skepsis betrachtet. Vertreter des Sicherheitsapparats gehen davon aus, dass die Hamas zumindest formell Kompetenzen abgeben, kurzfristig aber weiterhin die tatsächliche Kontrolle über Teile des Gebiets behalten könnte. Netanjahu hatte zuletzt bekräftigt, eine Entwaffnung der Hamas müsse vor jedem Wiederaufbau erfolgen. »Das wird entweder auf die einfache oder auf die schwierige Art geschehen – aber es wird geschehen«, sagte der Regierungschef.

»Andere Schritte«

Auch aus Washington kommt weiter Druck. Ein US-Regierungsvertreter erklärte, Terroristen, die ihre Waffen abgeben, könne Amnestie gewährt werden. Zugleich warnte er, Präsident Trump werde »andere Schritte« ergreifen, sollte Hamas versuchen, Vereinbarungen zu unterlaufen.

Der Krieg hatte am 7. Oktober 2023 mit dem Terrorangriff von Hamas auf Israel begonnen. Dabei wurden rund 1200 Menschen getötet und 251 Personen als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Mit der Rückführung der letzten getöteten Geisel Ende Januar 2026 gilt die Geiselkrise als abgeschlossen, nicht aber die Umsetzung des Trump-Plans für Gaza. im

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