Es sind unfassbare Taten, die sich in einer privaten Krippe in der israelischen Siedlung Ariel im besetzten Westjordanland zugetragen haben sollen. Babys und Kleinkinder seien dort systematisch über Jahre schwer misshandelt worden, teilte die Polizei mit. Am Sonntag wurde Anklage gegen die Betreiberin der Kindertagesstätte »Luchik« und zwei Betreuerinnen erhoben.
Die Anklageschrift schildert auf schockierende Weise mehr als 400 Fälle von Misshandlung und Körperverletzung, von denen 17 Säuglinge und Kleinkinder betroffen sein sollen. Dutzende Eltern, Familienangehörige und Freunde nahmen an der Anhörung im Gericht teil, als die Krippen-Leiterin Natalia K. (37) sowie die Betreuerinnen Darina K. (37) und Anna P. (40) dem Haftrichter vorgeführt wurden.
Die erschütternden Schilderungen in der Anklageschrift ließen viele der Anwesenden immer wieder in Tränen ausbrechen. Ein Polizeivertreter bezeichnete den Fall vor Gericht als einen der schwerwiegendsten und schockierendsten Missbrauchsfälle der vergangenen Jahre. Er sprach von einer »Grausamkeit von außergewöhnlichem Ausmaß«.
Grausamkeit von außergewöhnlichem Ausmaß
Nach Angaben der Ermittler seien die Kleinkinder gegen Gegenstände und auf den Boden geschleudert, außerdem geschlagen und gefesselt worden. Ihnen seien Mund und Atemwege zugehalten worden. Auch seien Kleinkinder zwangsgefüttert worden. Es sei ein »systematisches Verhaltensmuster gewesen, das sich täglich, Stunde um Stunde, wiederholte«. In einigen Fällen ist sogar dokumentiert, dass sich die Betreuerinnen bei der Ausübung von Gewalt »abwechselten«.
Die Anklage umfasst lediglich die letzten 20 Tage des Betriebs der Kindertagesstätte, die durch Kameraaufnahmen dokumentiert seien, während die Ermittlungen noch andauern und auch weiter zurückliegende Zeiträume untersuchen. Die Beschuldigten bleiben vorerst in Haft, bis weitere gerichtliche Entscheidungen getroffen werden.
Staatsanwalt Jonathan Ayalon-Hirsch erklärte im öffentlich-rechtlichen Sender Kan: »Heute Morgen haben wir Anklage gegen die Betreuerin und zwei Mitarbeiterinnen einer Kindertagesstätte in Ariel erhoben. Die Anklagepunkte schildern ein langanhaltendes Muster von Missbrauch und Übergriffen gegen Kleinkinder und Säuglinge – einige davon erst wenige Monate alt. Die Anklageschrift beschreibt eine schreckliche Realität, die sich abspielte, während Eltern ihre wertvollsten Schätze in die Obhut der Einrichtung gaben – völlig ahnungslos darüber, was hinter verschlossenen Türen geschah.« Angesichts der Gefahr, die von den Frauen ausgehe, werde die Staatsanwaltschaft beantragen, dass sie bis zum Abschluss des Gerichtsverfahrens in Haft bleiben.
Oren Hazan: »Wer die heute erhobenen Anklagepunkte liest, erkennt ein Böses, das direkt aus der Hölle zu stammen scheint. Geschehnisse, die der menschliche Verstand kaum begreifen oder fassen kann.«
Der ehemalige Knesset-Abgeordnete Oren Hazan, der selbst Vater eines betroffenen Kindes ist, sagte nach der Anhörung unter Tränen: »Wer die heute erhobenen Anklagepunkte liest, erkennt ein Böses, das direkt aus der Hölle zu stammen scheint. Geschehnisse, die der menschliche Verstand kaum begreifen oder fassen kann.« Er fügte hinzu: »Wer die Videos gesehen hat, schreckt instinktiv zurück und sagt: ›Das kann doch nicht wahr sein.‹ Ein sehr langer Weg liegt vor uns. Man muss verstehen, dass das, was in der Anklageschrift dargelegt wird, nur die Spitze des Eisbergs in dieser Teufelshöhle ist.«
Dies sei der schwerste Fall von Misshandlung von Kleinkindern, den das Land je erlebt habe, fügte Hazan hinzu. »Die Kinder sind jetzt wieder zu Hause, doch wir möchten jedem einzelnen Elternteil eindringlich sagen: Denkt nicht: ›Uns kann das nicht passieren.‹ Denn es kann jeden treffen.« Er wolle jetzt für ein »wegweisendes Urteil« kämpfen, das eine zweistellige Haftstrafe vorsieht, »denn diese menschlichen Bestien sollen hinter Gittern verrotten«.
»Es ist einfach schrecklich«, sagte eine betroffene Mutter nach der Anhörung. »Ich kann nicht fassen, dass mein Kind zwei Jahre lang unter diesen Monstern verbracht hat, es ist kaum zu begreifen und zieht einem den Boden unter den Füßen weg. Ich glaube, dass diese schreckliche Prüfung, die wir gerade durchleben, einen tieferen Sinn hat: sicherzustellen, dass für die nächste Generation, einschließlich meiner eigenen Tochter, das Risiko, dass so etwas noch einmal geschieht, verringert wird. Wir müssen dieses nationale Übel bekämpfen.«
Anwalt ruft zur Aufsicht auf
Shai Shaked, der Rechtsanwalt, der die betroffenen Familien vertritt, betonte, dass sich die schockierenden Vorfälle kaum in Worte fassen ließen. Als die Eltern von den Einzelheiten erfahren hätten, seien sie schockiert, fassungslos und zutiefst erschüttert gewesen, berichtete er.
Man werde nicht ruhen, bis die Beschuldigten für die in der Anklageschrift geschilderten schwerwiegenden Taten die höchstmögliche Strafe erhalten. Der Anwalt wandte sich auch an die Strafverfolgungsbehörden und zuständigen Ministerien mit dem Aufruf, aktiv zu werden und eine angemessene Aufsicht über diese privaten Kinderbetreuungseinrichtungen zu gewährleisten. »Denn derzeit sind sie völlig unkontrolliert.«