Um die Rechnung zu übergeben, musste der Bürgermeister einem iranischen Vertreter durch die Straßen von Manhattan hinterherjagen. Zvika Brot, erster Mann der Stadt Bat Yam, südlich von Tel Aviv, hat eine Klage gegen den Iran und die Revolutionsgarden eingereicht. Er verlangt 250 Millionen Schekel Schadensersatz, umgerechnet etwa 70 Millionen Euro, von Teheran. »Die Mullahs schickten Raketen – wir senden ihnen die Rechnung«, sagt er dazu.
Hintergrund sind die schweren Schäden, die der Stadt während des Zwölftagekriegs gegen den Iran (Operation »Am Kalavi«) im Juni 2025 zugefügt worden waren. Brot war speziell dafür nach New York gereist, um einem offiziellen iranischen Vertreter bei den Vereinten Nationen die Klageschrift zuzustellen. Zwei Monate lang hatten er und die Behörden zuvor alles vorbereitet und mit Regierungs- sowie Sicherheitsvertretern in Israel und den USA abgesprochen.
Der iranische Vertreter versuchte wegzulaufen
Nachdem sie den iranischen Vertreter vor dem Botschaftsgebäude des Landes ausfindig gemacht hatten, näherten sich Brot und sein Team und gaben ihre Identität preis. Der Vertreter behauptete, Diplomat zu sein, und versuchte wegzulaufen. Doch die Mitglieder der Delegation folgten ihm durch die Straßenschluchten der amerikanischen Metropole, bis sie ihm die Klageschrift vollständig vorgelesen hatten. Der Iraner habe so die Gelegenheit gehabt, den Inhalt zur Kenntnis zu nehmen – ein notwendiger Schritt, damit das Verfahren fortgesetzt werden kann. Er weigerte sich allerdings, das Schreiben physisch anzunehmen.
Während des iranischen Angriffs wurden in der Stadt 160 Gebäude beschädigt – 22 davon mussten abgerissen werden. Neun Einwohner starben durch Raketenangriffe aus Teheran, 178 weitere wurden verletzt.
Die Klage, die mit Unterstützung der Organisation »Schurat Hadin« beim Bezirksgericht Jerusalem eingereicht wurde, bezieht sich auf die Kosten der Stadtverwaltung. Personenschäden oder Sachschäden an Privateigentum, für die der Staat aufkommt, sind nicht Gegenstand der Klage. Es geht allein um Schäden der Kommune.
Nitzana Darshan-Leitner: »Wir werden weiter im Namen der Terroropfer kämpfen, bis wir den wirtschaftlichen Zusammenbruch des Ayatollah-Regimes herbeigeführt haben.«
Die Vorsitzende von Schurat Hadin, Nitzana Darshan-Leitner, erklärte, es sei an der Zeit, dass »die Iraner für ihr Handeln bezahlen. Das mörderische Terrorregime, das den gesamten Nahen Osten in Angst und Schrecken versetzt, kann sich nicht hinter staatlicher Immunität verstecken, während es Raketen auf unschuldige Zivilisten abfeuert«.
Der Kampf gegen den Iran ende nicht auf dem Schlachtfeld, führte die Juristin aus. »Er erstreckt sich auf die Gerichte, Bankkonten, Vermögenswerte und sämtliche finanziellen Ressourcen des Regimes.« Man werde weiter im Namen der Terroropfer kämpfen, so Darshan-Leitner, »bis wir den wirtschaftlichen Zusammenbruch des Ayatollah-Regimes herbeigeführt haben«.
Der Iran hat ab dem Tag der Übergabe 60 Tage Zeit, auf die Klage zu reagieren. Sollte dies nicht geschehen, kann die Stadtverwaltung ein Versäumnisurteil beantragen. Bat Yam hofft, die Gelder zumindest teilweise aus Mitteln zurückzuerhalten, die dem Iran aufgrund eines Schiedsspruchs im Zusammenhang mit dessen Beteiligung an der Eilat-Aschkelon-Ölpipeline zustehen. Es handelt sich dabei um einen Betrag von mehr als einer Milliarde US-Dollar, dessen Auszahlung Israel verweigert.
Bürgermeister Brot erklärte, dass die Entscheidung, den Mullahs eine Rechnung zu schicken, bereits in der ersten Nacht nach dem Angriff auf die Stadt gefallen sei: »Diese Idee und der Entschluss, den Iran zu verklagen, reiften in mir in jener Nacht – nachdem wir Säuglinge und ältere Menschen aus den Trümmern gerettet hatten, nachdem wir neun unserer Einwohner verloren hatten und nachdem 1,5 Prozent der Bevölkerung meiner Stadt obdachlos geworden waren.«
Jeder Schekel für den Wiederaufbau
Als feststand, dass dieser Raketenangriff der schwerste war, den der Staat Israel je erlebt hat, »stand für uns fest, dass der Iran dafür bezahlen muss – nicht nur auf dem Schlachtfeld, sondern auch vor Gericht.«
Kein Geld der Welt könne die Toten zurückbringen. Doch jeder Schekel, den Bat Yam vom Iran erhält, werde der Stadt zugutekommen, versichert Brot. Es sei alles für den Wiederaufbau von Wohnraum und die Unterstützung der Einwohner vorgesehen.
»Das Geld ist für die Stadt, die sich geweigert hat, in die Knie zu gehen. Wir gehen erhobenen Hauptes voran und in die Offensive – diesmal auch auf juristischer Ebene.« Bat Yam habe noch eine Rechnung mit dem Iran offen, machte der Bürgermeister unmissverständlich klar. »Ihr Vertreter mag versucht haben, uns in den Straßen von New York auszuweichen, doch ihrer Verantwortung für das, was sie meiner Stadt angetan haben, werden sie nicht entkommen.«