»Am Ende brauchte er nur ein Paracetamol.« Das sagte der betreuende Arzt über seinen Patienten – obwohl dem kurz zuvor ein neues Organ eingepflanzt worden war. Das Clalit-Beilinson-Krankenhaus in Petach Tikwa hat kürzlich die erste roboterassistierte Lungentransplantation des Landes durchgeführt. Dabei wurden weder der Brustkorb vollständig geöffnet noch die Rippen gespreizt.
Dieses »bahnbrechende Verfahren«, das zuvor weltweit nur an sehr wenigen medizinischen Zentren durchgeführt wurde, stelle »einen bedeutenden Durchbruch in der Lungentransplantation dar und führt einen neuen chirurgischen Ansatz in Israel ein«, so das Krankenhaus.
Die Operation wurde mit dem »Da-Vinci«-Operationssystem durchgeführt. Durch mehrere kleine Schnitte im Brustkorb verbanden die Chirurgen mithilfe von Robotertechnologie die transplantierte Lunge mit den Blutgefäßen und Atemwegen des Patienten. Dadurch werde die traditionelle Technik überflüssig, bei der das Brustbein durchtrennt, der Brustkorb vollständig geöffnet und die Rippen gespreizt werden müssen, um die Lunge zu erreichen.
Lungentransplantationen dauern acht bis zehn Stunden
Lungentransplantationen zählen zu den komplexesten chirurgischen Eingriffen und dauern in der Regel acht bis zehn Stunden. Bei konventionellen Operationen kann die Öffnung des Brustkorbs starke postoperative Schmerzen, flache Atmung und Schwierigkeiten beim Abhusten von Lungensekret verursachen. Diese Komplikationen erhöhen das Infektionsrisiko und tragen zu einer langwierigen und herausfordernden Genesung bei, die mehrere Wochen dauern kann. Der neue minimalinvasive Ansatz verspricht deutlich bessere Operationsergebnisse und eine kürzere Genesungszeit.
Yury Peysakhovich, Direktor der Abteilung für Thoraxchirurgie, der die Operation leitete, sagte: »Die robotergestützte Lungentransplantation markiert einen Wendepunkt für die Lungentransplantation hierzulande. Nach Jahrzehnten des traditionellen Verfahrens, das mit erheblichen Schmerzen und zahlreichen Komplikationen verbunden war, ist es uns gelungen, in Israel eine echte Revolution herbeizuführen.«
Dank der robotergestützten Präzision, der extrem kleinen Schnitte und der Tatsache, dass der Brustkorb nicht durchtrennt werden muss, geht er davon aus, dass die robotergestützte Lungentransplantation ohne vollständige Öffnung des Brustkorbs innerhalb von fünf Jahren zum Standardverfahren werden könnte.
Yury Peysakhovich: »Nach Jahrzehnten des traditionellen Verfahrens ist es uns gelungen, in Israel eine echte Revolution herbeizuführen.«
Weltweit wurden bisher erst etwa 20 roboterassistierte Lungentransplantationen durchgeführt. Die erste fand vor drei Jahren in Spanien statt. Das Verfahren erfordert eine umfassende Vorbereitung, spezialisierte Schulungen und ein hohes Maß an Expertise, sowohl bei der komplexen Lungentransplantation als auch im Umgang mit robotergestützten Operationssystemen.
An dem Eingriff waren Dutzende medizinische Fachkräfte beteiligt, darunter Chirurgen, Anästhesisten, Spezialisten für Herz-Lungen-Maschinen, OP-Pflegekräfte, Pneumologen, herzchirurgische Intensivmediziner und Mitarbeiter des Gewebetypisierungslabors.
»Der Einsatz eines Robotersystems bei einem so komplexen Eingriff erfordert eine sorgfältige Vorplanung und Koordination durch das Anästhesieteam und das gesamte OP-Personal, da die Roboterarme den direkten Zugang zum Patienten einschränken«, erläuterte Shai Fein, Chef der Anästhesiologie. Das gesamte OP-Team sei an den Vorbereitungen beteiligt gewesen.
Starke postoperative Schmerzen waren größte Herausforderung
Bereits etwa einen Monat zuvor hatte das Krankenhaus eine Lungentransplantation mit einer anderen minimalinvasiven Technik durchgeführt, ebenfalls ohne vollständige Öffnung des Brustkorbs. Anstelle des in der konventionellen Chirurgie üblichen großen Schnitts setzten die Chirurgen lediglich zwei kleine Schnitte, einen oberhalb des Abdomens und den anderen im Brustbereich. Auch diese Technik sollte die postoperativen Schmerzen deutlich verringern. Der Erfolg hatte den Weg für die roboterassistierte Lungentransplantation geebnet.
Dan Gorfil, der Leiter der Intensivstation für Herz- und Thoraxchirurgie, machte deutlich, dass man die robotergestützte Lungentransplantation vorantreiben wollte, um die Schmerzen und das Leiden der Patienten nach dem Eingriff deutlich zu verringern. »Denn wenn die Patienten nach einer Transplantation auf die Intensivstation kommen, gehört die Bewältigung der starken postoperativen Schmerzen zu unseren größten Herausforderungen, und trotz der von uns entwickelten Schmerzbehandlungsmethoden bleibt die Genesung oft schwierig und komplex.«
Die Genesung des Patienten, bei dem die robotergestützte Transplantation durchgeführt wurde, habe alle Erwartungen übertroffen, so Gorfil. »Er brauchte, abgesehen von Paracetamol, kaum Schmerzmittel, war kürzer auf der Intensivstation und insgesamt im Krankenhaus. Wir sind sehr stolz, dass wir das geschafft haben.«