Ihr Hass kennt offenbar keine Grenzen. Rechte Aktivisten demonstrierten am Sonntagabend in der Nähe des Wohnhauses von Jaschar-Chef Gadi Eisenkot in Herzlija und schrien Grausames in die Megafone. »Du hast deinen eigenen Sohn getötet!«, tönten sie und nannten ihn einen »Verräter«.
Eisenkots Sohn Gal, ein Reservist in einer Kampfeinheit der israelischen Armee, war im Dezember 2023 während des Krieges gegen die Hamas im Kampf gegen die Terrororganisation im Gazastreifen gefallen. Nur kurz darauf starb ein Neffe von Eisenkot, ein Jahr darauf ein weiterer.
Die Demonstranten äußerten auch Drohungen gegen die Ehefrau des Politikers und riefen unter anderem: »Du wirst die nächste sein.« Nun wird geprüft, ob diese Äußerungen eine Untersuchung durch die Strafverfolgungsbehörden rechtfertigen.
Heftige Reaktionen aus Bevölkerung und Politik
Videoaufnahmen von der Hetze während des Protestes lösten heftige Reaktionen in Bevölkerung und Politik aus. Die Leitung von Jaschar kritisierte das Verhalten scharf und machte Premierminister Benjamin Netanjahu für die Stimmung in der Öffentlichkeit verantwortlich. »Der erbärmliche Angriff vor dem Haus des Parteivorsitzenden Gadi Eisenkot ist das direkte Ergebnis einer verkommenen politischen Führung, die jedes Maß verloren hat und alle roten Linien überschritten hat, nur um an der Macht zu bleiben«, erklärte die Partei.
»Dies ist der Geist, der von Netanjahus Büro ausgeht, und er dient als weiterer Beweis für die dringende Notwendigkeit, seine Regierung so bald wie möglich abzulösen.« In der Erklärung hieß es weiter: »Wir erwarten mittlerweile nicht einmal mehr eine Verurteilung – die Schande liegt allein bei Ihnen.«
Die aufgebrachten Leute hatten sich zusammengetan, um gegen eine Regierungskoalition unter Beteiligung von arabischen Parteien zu demonstrieren. Auf Schildern stand: »Niemals mit Arabern« und ähnliche Slogans. Ein Thema, das nach den Parlamentswahlen vom vergangenen Dienstag während der Koalitionsverhandlungen in Jerusalem sicherlich besprochen wird.
Yair Lapid: »Wer sind diese Menschen? Was ist jüdisch an ihnen, was israelisch? Wie konnte eine toxische Führung es schaffen, einen solchen Hass in ihnen zu schüren? Wir müssen Israel auf einen neuen Weg führen.«
Bereits wenige Tage zuvor, am Donnerstag, hatte eine weitere Demonstration in der Nähe von Eisenkots Wohnhaus stattgefunden, allerdings mit entgegengesetzter Ausrichtung: Etwa 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten dabei die Bildung einer Regierung gefordert, die auf einer jüdisch-arabischen Partnerschaft basiert.
Der Vorsitzende der Linkspartei Demokraten, Yair Golan, verurteilte den Vorfall vom Sonntagabend ebenfalls. Auch er griff Netanjahu an. »Gestern Abend tauchten Akteure aus Netanjahus ›Giftmaschine‹ vor dem Haus meines Weggefährten Gadi Eisenkot auf und riefen ihm zu, er habe seinen eigenen Sohn ermordet.« »...seinen Sohn«, schrieb er auf X. »Es gibt keine Grenze, die sie nicht überschreiten, und keinen Tiefpunkt, den sie nicht erreichen würden.«
»Bald werden wir eine neue Regierung bilden und dieser Herrschaft der Hetze ein Ende setzen«, fügte er hinzu. Zudem liegen jedoch keinerlei Hinweise darauf vor, dass das Büro von Netanjahu an der Organisation der Demonstration beteiligt gewesen ist.
Auch der Journalist Ben Caspit reagierte. In den sozialen Medien verwies er auf Eisenkots langjährigen Militärdienst – er war Generalstabschef – und den schweren Verlust, den dessen Familie erlitten hat: »Wie schwarz muss die Seele eines Menschen sein, der so etwas einem Mann entgegenruft, der 41 Jahre lang in Uniform gedient und anschließend einen Sohn sowie zwei Neffen zu Grabe getragen hat? Wie schwarz nur?«
Netanjahu hatte angewiesen, Schutz für Eisenkot sicherzustellen
Oppositionsführer Yair Lapid schrieb, er sende Gadi und seiner Familie Kraft und eine Umarmung. Und weiter: »Wer sind diese Menschen? Was ist jüdisch an ihnen? Was ist israelisch an ihnen? Wie konnte eine toxische Führung es schaffen, einen solchen Hass in ihnen zu schüren? Wir müssen Israel auf einen neuen Weg führen – und genau das werden wir tun.«
Der Vorfall ereignete sich etwa eine Woche, nachdem der Inlandsgeheimdienst Schin Bet beschlossen hatte, für Eisenkot Personenschutz durch ein privates Sicherheitsunternehmen zu organisieren. Dieser Entscheidung war ein Streit über die Notwendigkeit von Personenschutz für den ehemaligen Generalstabschef vorausgegangen. Es war Netanjahu, der angewiesen hatte, sicherzustellen, dass Eisenkot angemessenen Schutz erhält.
Die Äußerungen vor dem Wohnhaus der Familie Eisenkot haben eine Debatte über die Grenzen politischen Protests neu entfacht – insbesondere im Hinblick darauf, dass Familienangehörige zum Ziel persönlicher Angriffe gemacht werden und Trauer für politische Auseinandersetzungen instrumentalisiert wird.