Regierungsbildung in Israel

Eisenkot nennt vier Bedingungen für mögliche Koalitionspartner

Gadi Eisenkot spricht in der Wahlnacht vor Anhängern
Gadi Eisenkot, Vorsitzender der Partei Yashar, in der Wahlnacht in Tel Aviv Foto: picture alliance / SIPA

Gadi Eisenkot, Vorsitzender der israelischen Partei Yashar, hat vier Prinzipien benannt, die mögliche Partner einer von ihm geführten Regierung akzeptieren müssen. In einer Botschaft auf X schrieb er am Samstag, jeder Abgeordnete, der bereit sei, diese Grundsätze zu unterzeichnen, sei ein möglicher Partner auf dem Weg zu einer neuen Regierung. Die Tür stehe jedem gewählten Vertreter offen, der sie annehme.

Die vier Prinzipien

Eisenkot verlangt erstens die Anerkennung Israels als jüdischer, demokratischer, liberaler und egalitärer Staat, zweitens die Verpflichtung auf die Werte der Unabhängigkeitserklärung und drittens eine Dienstpflicht für alle israelischen Bürger, wahlweise beim Militär, im nationalen oder im zivilen Dienst. Viertens müsse die Hamas als Terrororganisation anerkannt und ihre militärische und staatliche Macht im Gazastreifen zerstört werden. Auf dieser Grundlage wolle er eine möglichst breite, zionistische und staatsmännische Regierung bilden.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Eisenkot sieht im Wahlergebnis ein klares Votum: Eine Mehrheit der Israelis habe mit mehr als einer halben Million Stimmen Vorsprung gegen die »Regierung des 7. Oktober« und gegen Wehrdienstvermeidung gestimmt. Nun wolle er die Mehrheit in der neuen Knesset rasch nutzen, wie die »Times of Israel« berichtet. Er kündigte unter anderem eine staatliche Untersuchungskommission zum 7. Oktober 2023, eine Dienstpflicht für alle und die Aufhebung der Gesetze zum Justizumbau an. In seiner Botschaft betonte er, in Israel spreche die Knesset der Regierung das Vertrauen aus, nicht umgekehrt.

Nach Auszählung aller Stimmen kommen die Parteien gegen Netanjahu laut »Times of Israel« auf 67 der 120 Sitze in der Knesset. Davon entfallen 48 auf zionistische und 19 auf zwei arabische Parteien, mit denen die meisten jüdischen Oppositionsführer bislang nicht zusammenarbeiten wollten. Netanjahus bisherige Koalition erreichte 53 Sitze, sein Likud 27, Eisenkots Yashar 21. Netanjahu und seine Verbündeten stellen das Ergebnis unter Verweis auf unbelegte Vorwürfe ausländischer Einmischung infrage.

Lesen Sie auch

Zur Lage mit Iran erklärte Eisenkot, bis zur Vereidigung einer neuen Regierung werde er militärische Schritte nur unterstützen, wenn es um direkte und unmittelbare Bedrohungen Israels gehe, die nicht warten könnten. Die »Times of Israel« verweist auf Berichte, wonach Netanjahu einen Krieg mit Iran beginnen könnte, um an der Macht zu bleiben.

Der Abgeordnete Ahmad Tibi von der arabischen Joint List erklärte laut »Times of Israel«, seine Partei sei bereit, die zionistischen Parteien gegen Netanjahu bei der Regierungsbildung zu unterstützen, wolle aber nicht selbst Teil der Regierung sein. Präsident Isaac Herzog beginnt am Mittwoch mit Konsultationen, in denen die Parteien ihm sagen, welchen Kandidaten sie für die Regierungsbildung unterstützen. ja

Jair Golan, Vorsitzender der Demokraten in Israel, im Porträt

Nahost

Opposition warnt vor neuem Krieg mit Iran unter Netanjahu

Angesichts wachsender Spannungen mit dem Iran stellt ein führender Oppositionspolitiker die politische Legitimation Netanjahus für eine neue militärische Auseinandersetzung infrage

 01.11.2026

Isaac Herzog spricht beim Weltwirtschaftsforum in Davos

Regierungsbildung

Israels Präsident kündigt Gespräche zur Regierungsbildung an

Keines der politischen Lager in Israel erreicht die erforderliche Mehrheit von 61 Sitzen. Nun liegt die Initiative bei Präsident Herzog. Wer erhält den ersten Auftrag zur Regierungsbildung?

 01.11.2026

Jerusalem

Wahlsieger ohne Mehrheit

Das endgültige Wahlergebnis liegt vor. Benjamin Netanjahus Likud hat mehr Sitze als alle anderen Parteien. Nützt ihm das etwas?

 30.10.2026

Jerusalem

Eisenkot will Wehrpflichtgesetz und Untersuchung zum 7. Oktober vorantreiben

Der Vorsitzende der zentristischen Partei Yashar erklärt, er arbeite bereits an entsprechenden Gesetzesvorlagen. Ob er wirklich eine Regierung bilden kann, bleibt aber unklar

 30.10.2026

Umfrage

Mehrheit der Oppositionswähler befürwortet Regierungskoalition mit arabischer Partei

Befragt wurden Anhänger von Yashar, B’Yachad, der Demokraten sowie Yisrael Beitenu. Was denken diese Wähler?

 30.10.2026

Natur

Gefährliche Ameise

Die invasive Afrikanische Großkopfameise breitet sich schnell aus und kann Ökosysteme sowie die Landwirtschaft schädigen – jetzt wurde sie in Haifa gefunden

von Sabine Brandes  29.10.2026

Jerusalem

Wahl in Israel: Behörden sehen keine Beweise für Betrug

Den Vorwurf der ausländischen Einflussnahme auf die Knesset-Wahl nimmt die Wahlkommission aber ernst

 29.10.2026

Jerusalem

Lieberman: »Nicht mit Bibi und nicht mit Tibi«

Der Chef von Israel Beiteinu schließt eine Zusammenarbeit mit Netanjahu und den arabischen Parteien aus – und fordert eine rein zionistische Koalition

von Sabine Brandes  29.10.2026

Jerusalem

Israels Wahlkommission fordert Untersuchung möglicher ausländischer Einflussnahme

»Es wurden ernsthafte Verdachtsmomente an mich herangetragen«, sagt der Vorsitzende der Zentralen Wahlkommission, Noam Sohlberg

 29.10.2026