Umfrage

Mehrheit der Oppositionswähler befürwortet Regierungskoalition mit arabischer Partei

Vor Gadi Eisenkots Haus fordern Demonstranten die Bildung einer Regierungskoalition mit arabischen Parteien. Foto: Copyright (c) Flash 90 2026

Eine Regierungsbildung unter Führung von Gadi Eisenkot und unter Beteiligung der arabischen Ra’am-Partei findet bei den Anhängern der israelischen Opposition eine bemerkenswert breite Zustimmung. 61 Prozent der Wähler der vier wichtigsten Parteien des sogenannten Veränderungsblocks sprechen sich für eine solche Koalition aus. Das geht aus einer Erhebung des Accord-Zentrums der Hebräischen Universität hervor, die am Wahlabend durchgeführt und nun veröffentlicht wurde. Israelische Medien berichteten.

Befragt wurden Anhänger von Eisenkots Partei Yashar, der von Naftali Bennett geführten Partei B’Yachad, der Demokraten unter Yair Golan sowie von Avigdor Liebermans Yisrael Beitenu. Die Untersuchung zeigt, dass eine Zusammenarbeit mit der von Mansour Abbas geführten Ra’am-Partei für diese Wählergruppe die mit Abstand attraktivste Option ist.

Andere Möglichkeiten fanden deutlich weniger Zuspruch. Jeder fünfte Befragte würde lieber erneut wählen lassen. Zwölf Prozent könnten sich eine Regierung vorstellen, in der sich Benjamin Netanjahu und ein anderer Politiker das Amt des Ministerpräsidenten im Rahmen einer Rotation teilen. Lediglich sieben Prozent sprachen sich für eine Koalition unter Einbeziehung der ultraorthodoxen Parteien aus.

Ablösung Netanjahus

Die Befragung fand am 27. Oktober zwischen 21.15 und 22.27 Uhr statt. Insgesamt nahmen 467 Menschen teil, die bereits für eine der vier Oppositionsparteien gestimmt hatten.

Lesen Sie auch

Die Zahlen verdeutlichen, wie groß der Rückhalt für eine Zusammenarbeit mit Ra’am unter den Wählern des Oppositionslagers ist. Zugleich steht das Ergebnis im Kontrast zu den Vorbehalten mehrerer führender Politiker des Veränderungsblocks. Eisenkot, Bennett und Lieberman haben sich bislang gegen die Aufnahme arabischer Parteien in eine Regierungskoalition ausgesprochen.

Yair Golan hingegen wirbt dafür, gemeinsam mit arabischen Parteien eine parlamentarische Mehrheit zustande zu bringen. Er sieht darin eine Möglichkeit, den politischen Stillstand zu überwinden und eine Ablösung Netanjahus zu ermöglichen.

Entscheidender Faktor

Die Ausgangslage nach der Wahl macht eine solche Kooperation zu einem entscheidenden Faktor. Weder das Lager des amtierenden Ministerpräsidenten noch die Opposition verfügt über die für eine Mehrheit in der Knesset erforderlichen 61 Sitze. Ohne Unterstützung aus den arabischen Parteien dürfte die Bildung einer stabilen Regierung daher schwierig werden.

Die vier Parteien hatten vor der Wahl vereinbart, ihre Wahlkampfaktivitäten miteinander abzustimmen. Offen blieb allerdings, wie eine gemeinsame Regierung aussehen könnte und wer sie führen sollte. Gerade bei der Frage einer Zusammenarbeit mit arabischen Parteien zeigten sich unterschiedliche politische Vorstellungen.

Am Abend kam es vor dem Haus von Gadi Eisenkot in Herzliya zu einer Demonstration für die Einbeziehung arabischer Parteien in eine von ihm geführte Regierungskoalition. im

Jerusalem

Eisenkot will Wehrpflichtgesetz und Untersuchung zum 7. Oktober vorantreiben

Der Vorsitzende der zentristischen Partei Yashar erklärt, er arbeite bereits an entsprechenden Gesetzesvorlagen. Ob er wirklich eine Regierung bilden kann, bleibt aber unklar

 30.10.2026

Natur

Gefährliche Ameise

Die invasive Afrikanische Großkopfameise breitet sich schnell aus und kann Ökosysteme sowie die Landwirtschaft schädigen – jetzt wurde sie in Haifa gefunden

 29.10.2026

Jerusalem

Wahl in Israel: Behörden sehen keine Beweise für Betrug

Den Vorwurf der ausländischen Einflussnahme auf die Knesset-Wahl nimmt die Wahlkommission aber ernst

 29.10.2026

Jerusalem

Lieberman: »Nicht mit Bibi und nicht mit Tibi«

Der Chef von Israel Beiteinu schließt eine Zusammenarbeit mit Netanjahu und den arabischen Parteien aus – und fordert eine rein zionistische Koalition

von Sabine Brandes  29.10.2026

Jerusalem

Israels Wahlkommission fordert Untersuchung möglicher ausländischer Einflussnahme

»Es wurden ernsthafte Verdachtsmomente an mich herangetragen«, sagt der Vorsitzende der Zentralen Wahlkommission, Noam Sohlberg

 29.10.2026

Jerusalem

Herzog will Neuwahlen vermeiden

Angesichts der unklaren Mehrheitsverhältnisse appelliert der israelische Präsident an die politischen Lager, sich bei den anstehenden Koalitionsverhandlungen kompromissbereit zu zeigen

 29.10.2026

Jerusalem

Auszählung der »Sonderstimmen« in Israel hat begonnen

Die Stimmen von Soldaten, medizinischem Personal, Patienten sowie israelischen Diplomaten im Ausland könnten die Sitzverteilung in der Knesset noch verändern

 29.10.2026

Jerusalem

Wahl-Patt in Israel: Netanjahu und Eisenkot suchen Partner

Kein Lager hat eine Mehrheit, die Regierungsbildung dürfte schwierig werden. Während erste Gespräche laufen, erhebt Netanjahus Partei schwere Wahlbetrugsvorwürfe

 29.10.2026

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  28.10.2026