Die israelische Zentrale Wahlkommission hat mit der Auszählung der sogenannten Doppelumschlag-Stimmen begonnen. Diese können die Sitzverteilung in der Knesset noch verändern. Gleichzeitig ist laut israelischen Medienberichten auch die Zählung der regulären Stimmzettel noch nicht vollständig abgeschlossen.
Nach Angaben der Wahlkommission vom frühen Morgen wurden bislang die Ergebnisse von 11.712 der insgesamt 12.018 regulären Wahllokale verarbeitet. Damit sind die Stimmen von 5.126.759 Wählern erfasst. Die übrigen Wahllokale befinden sich noch in der üblichen Überprüfungsphase.
Besonders im Fokus stehen nun die zusätzlichen Stimmzettel, die unter anderem von Soldaten der israelischen Streitkräfte, Häftlingen, medizinischem Personal und Patienten sowie israelischen Diplomaten im Ausland abgegeben wurden. Diese Wähler konnten ihre Stimme nicht auf dem üblichen Weg in ihrem regulären Wahllokal abgeben.
Zusätzliche Stimmen
Bis zu 650.000 solcher Stimmen fließen in die endgültige Berechnung ein. Das entspricht rechnerisch etwa 15 der insgesamt 120 Sitze im israelischen Parlament. Die Mandate werden allerdings nicht separat vergeben, sondern dem Gesamtergebnis zugerechnet, wodurch sich die Sitzverteilung verschieben kann.
Die Zahl der Sonderstimmen fällt in diesem Jahr besonders hoch aus. Ein wesentlicher Grund ist der Krieg mit seinen zahlreichen mobilisierten Soldaten und Reservisten. Bei der Wahl 2022 waren mehr als 460.000 Doppelumschlag-Stimmen abgegeben worden. Für die aktuelle Abstimmung hatten Schätzungen im Vorfeld mit 600.000 bis 650.000 gerechnet.
Bei der sogenannten Doppelumschlag-Wahl wird der Stimmzettel zunächst in einen anonymen Umschlag gelegt. Dieser kommt anschließend in eine zweite Hülle, auf der die persönlichen Angaben des Wählers vermerkt sind. Die Wahlbehörden kontrollieren zunächst, ob die betreffende Person bereits ihre Stimme abgegeben hat. Erst nach dieser Überprüfung wird der innere Umschlag geöffnet und der Stimmzettel bei der landesweiten Auszählung berücksichtigt.
Die zusätzlichen Stimmen können insbesondere bei knappen Kräfteverhältnissen entscheidend sein. Erfahrungsgemäß schneiden bei diesem Verfahren zionistische Parteien unterschiedlicher politischer Ausrichtung vergleichsweise gut ab, während ultraorthodoxe und arabische Parteien aufgrund der Zusammensetzung dieser Wählergruppe Nachteile haben können. im