Jerusalem

Wahlsieger ohne Mehrheit

Ministerpräsident und Likud-Chef Benjamin Netanjahu Foto: copyright (c) Flash90 2026

Nach Auszählung sämtlicher Stimmen steht das endgültige Ergebnis der israelischen Parlamentswahl fest. Das Lager von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erhält 53 der 120 Knessetmandate. Die Parteien des sogenannten Veränderungsblocks kommen gemeinsam auf 48 Sitze. Die arabischen Parteien erreichen mit 19 Mandaten ein historisches Rekordergebnis. Damit bleibt die Regierungsbildung kompliziert: Keines der beiden großen politischen Lager verfügt über eine eigene Mehrheit.

Die Wahlbeteiligung lag nach offiziellen Angaben bei 77,9 Prozent. Insgesamt wurden 5.716.665 Stimmen abgegeben. Damit erreichte Israel eine Wahlbeteiligung, wie sie seit Jahrzehnten nicht mehr verzeichnet worden war.

Die Likud-Partei von Netanjahu wurde mit 27 Mandaten stärkste Kraft. Gadi Eisenkots Yashar folgt mit 21 Sitzen. Naftali Bennetts B’Yachad erhält zwölf Mandate, die Gemeinsame Liste elf. Die Demokraten unter Yair Golan kommen auf acht Sitze, ebenso die arabische Ra’am-Partei von Mansour Abbas.

Bemerkenswertes Abschneiden

Yisrael Beitenu, Vereinigtes Tora-Judentum und Otzma Yehudit erreichen jeweils sieben Mandate. Shas und der Religiöse Zionismus kommen auf jeweils sechs Sitze.

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Besonders bemerkenswert ist das Abschneiden der beiden arabisch geführten Parteien. Die Gemeinsame Liste und Ra’am verfügen zusammen über 19 Abgeordnete. Bei der vorherigen Wahl waren es lediglich zehn gewesen. Damit hat sich ihre parlamentarische Stärke nahezu verdoppelt.

Rechnerisch könnten die arabischen Parteien dem Oppositionslager zu einer komfortablen Mehrheit verhelfen. Voraussetzung wäre allerdings, dass sich die übrigen Parteien des Veränderungsblocks auf eine Zusammenarbeit mit ihnen verständigen. Bislang haben sich die meisten zionistischen Oppositionsparteien dagegen ausgesprochen, Ra’am oder die Gemeinsame Liste in eine Regierungskoalition aufzunehmen oder sich auf deren Unterstützung zu verlassen. Eine Ausnahme bildet Yair Golan, der sich ausdrücklich für eine Kooperation mit Ra’am eingesetzt hat.

Deutliche Verluste

Das Netanjahu-Lager musste gegenüber der vergangenen Legislaturperiode deutliche Verluste hinnehmen. Die Parteien der bisherigen Regierungskoalition hatten im scheidenden Parlament noch über 68 Mandate verfügt. Nun sind es gemeinsam nur noch 53.

Mehrere kleinere Parteien scheiterten an der Sperrklausel von 3,25 Prozent. Die von Yoaz Hendel gegründete Partei Reservisten-Wirtschaft erreichte 2,63 Prozent, die Liste Volk Israel des früheren Generals Ofer Winter kam auf 1,7 Prozent. Die ultraorthodoxe Partei Das charedische Volk blieb mit 0,2 Prozent weit abgeschlagen.

Die Zentrale Wahlkommission veröffentlichte die abschließenden Zahlen in der Nacht zum Freitag. Ihr vollständiges offizielles Ergebnis soll am kommenden Mittwoch Staatspräsident Isaac Herzog übergeben werden. Zuvor will die Behörde noch mögliche Unstimmigkeiten und Beschwerden prüfen. Anschließend wird Herzog die Parteivorsitzenden empfangen. Sie sollen ihm mitteilen, wen sie mit der Bildung der nächsten Regierung beauftragen möchten. im

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