Regierungsbildung

Israels Präsident kündigt Gespräche zur Regierungsbildung an

Isaac Herzog spricht beim Weltwirtschaftsforum in Davos
Israels Präsident Isaac Herzog beim Weltwirtschaftsforum in Davos Foto: picture alliance/KEYSTONE

Israels Präsident Izchak Herzog beginnt am Mittwoch seine Konsultationen zur Regierungsbildung mit den in die Knesset gewählten Parteien. Wie die israelische Tageszeitung »Haaretz« weiter berichtete, soll das Treffen live übertragen werden.

Traditionell wählt der Präsident den Kandidaten aus, dem er die besten Chancen auf eine parlamentarische Mehrheit einräumt, anstatt automatisch den Vorsitzenden der größten Partei zu benennen.

Dies wäre der amtierende Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, dessen rechtskonservative Likud-Partei mit 27 von 120 Sitzen als stärkste Fraktion aus der Parlamentswahl am Dienstag hervorging. Der Oppositionskandidat Gadi Eisenkot kam mit seiner neu gegründeten Partei Jaschar auf 21 Sitze.

Da weder das regierende Bündnis noch der Oppositionsblock die erforderliche Mehrheit von 61 Sitzen erreichten, führt das Wahlergebnis zu einer parlamentarischen Pattsituation.

Die drei Möglichkeiten für eine Regierungsbildung

Der vom Präsidenten beauftragte Kandidat erhält dann 28 Tage Zeit, eine Koalition zu bilden – mit der Möglichkeit einer Verlängerung um 14 Tage. Scheitert dieser Versuch, überträgt das Staatsoberhaupt den Auftrag für 28 Tage an ein anderes Mitglied des Parlaments. Bleibt auch dieser Schritt erfolglos, können mindestens 61 Abgeordnete innerhalb von 21 Tagen eine Person vorschlagen, die anschließend 14 Tage Zeit für die Regierungsbildung hat.

Lesen Sie auch

Führen alle drei Etappen nicht zu einer mehrheitsfähigen Regierungskoalition, löst sich das Parlament automatisch auf. In diesem Fall schließen sich Neuwahlen innerhalb einer Frist von 90 Tagen an. Präsident Herzog hat erklärt, dass er Neuwahlen verhindern möchte.

Oppositionspolitiker stellt Bedingungen für Regierungsbeteiligung auf

In Tel Aviv demonstrierten Tausende Menschen für eine Regierungsbeteiligung arabisch geprägter Parteien. Das Bündnis Vereinte Liste und die islamisch-konservative Raam-Partei erreichten gemeinsam 19 Sitze und verdoppelten nahezu ihr Ergebnis der letzten Wahl von 2022.

Eisenkot knüpfte noch einmal eine mögliche Regierungsbeteiligung an vier Bedingungen. Zu den Kernforderungen gehören die Verpflichtung auf Israel als jüdischen, demokratischen und liberalen Staat mit rechtlicher Gleichstellung aller Staatsbürger sowie die Einstufung der Hamas als Terrororganisation mit dem Ziel, deren militärische Strukturen im Gazastreifen zu zerschlagen und sie von der politischen Macht auszuschließen. Es bleibt abzuwarten, ob die arabischen Parteien allen Forderungen zustimmen. dpa

Jerusalem

Wahlsieger ohne Mehrheit

Das endgültige Wahlergebnis liegt vor. Benjamin Netanjahus Likud hat mehr Sitze als alle anderen Parteien. Nützt ihm das etwas?

 30.10.2026

Jerusalem

Eisenkot will Wehrpflichtgesetz und Untersuchung zum 7. Oktober vorantreiben

Der Vorsitzende der zentristischen Partei Yashar erklärt, er arbeite bereits an entsprechenden Gesetzesvorlagen. Ob er wirklich eine Regierung bilden kann, bleibt aber unklar

 30.10.2026

Umfrage

Mehrheit der Oppositionswähler befürwortet Regierungskoalition mit arabischer Partei

Befragt wurden Anhänger von Yashar, B’Yachad, der Demokraten sowie Yisrael Beitenu. Was denken diese Wähler?

 30.10.2026

Natur

Gefährliche Ameise

Die invasive Afrikanische Großkopfameise breitet sich schnell aus und kann Ökosysteme sowie die Landwirtschaft schädigen – jetzt wurde sie in Haifa gefunden

 29.10.2026

Jerusalem

Wahl in Israel: Behörden sehen keine Beweise für Betrug

Den Vorwurf der ausländischen Einflussnahme auf die Knesset-Wahl nimmt die Wahlkommission aber ernst

 29.10.2026

Jerusalem

Lieberman: »Nicht mit Bibi und nicht mit Tibi«

Der Chef von Israel Beiteinu schließt eine Zusammenarbeit mit Netanjahu und den arabischen Parteien aus – und fordert eine rein zionistische Koalition

von Sabine Brandes  29.10.2026

Jerusalem

Israels Wahlkommission fordert Untersuchung möglicher ausländischer Einflussnahme

»Es wurden ernsthafte Verdachtsmomente an mich herangetragen«, sagt der Vorsitzende der Zentralen Wahlkommission, Noam Sohlberg

 29.10.2026

Jerusalem

Herzog will Neuwahlen vermeiden

Angesichts der unklaren Mehrheitsverhältnisse appelliert der israelische Präsident an die politischen Lager, sich bei den anstehenden Koalitionsverhandlungen kompromissbereit zu zeigen

 29.10.2026

Jerusalem

Auszählung der »Sonderstimmen« in Israel hat begonnen

Die Stimmen von Soldaten, medizinischem Personal, Patienten sowie israelischen Diplomaten im Ausland könnten die Sitzverteilung in der Knesset noch verändern

 29.10.2026