Dokumentarfilm

IDF übt scharfe Kritik an »Naza« und weist Vorwurf zum angeblich genehmigten Angriff auf 500 Zivilisten zurück

»Naza« von Yuval Abraham und Rachel Szor Foto: picture alliance / Anadolu

Die israelischen Streitkräfte (IDF) haben eine schwere Anschuldigung aus einem neuen Dokumentarfilm über den Gaza-Krieg zurückgewiesen. In dem Film »Naza« wird behauptet, bei einem israelischen Angriff auf Ziele im Gazastreifen sei einst mit bis zu 500 getöteten Zivilisten gerechnet worden. Die »Times of Israel« berichtete. Der 80-minütige Dokumentarfilm wurde bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig am Samstag mit einem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet.

Der Vorwurf stammt von einem Mann, der in dem Film als ehemaliger israelischer Geheimdienstmitarbeiter dargestellt wird. In einem nun veröffentlichten Ausschnitt wird er gefragt, wie hoch die Zahl der erwarteten zivilen Opfer bei einem Angriff maximal gewesen sei. Seine Antwort: »Ich weiß nicht, wie viele getötet wurden, weil sie das nie überprüfen. Aber einmal gab es eine Genehmigung für 500.«

Die IDF bezeichneten diese Darstellung dem Bericht nach als »vollkommen falsch«. »Die IDF haben niemals einen Angriff im Gazastreifen geplant, genehmigt oder durchgeführt, bei dem erwartet wurde, dass 500 Zivilisten oder auch nur annähernd so viele getötet werden«, teilte das Militär mit.

Auswahl von Angriffszielen

Zugleich kritisierte die Armee die Filmemacher Yuval Abraham und Rachel Szor. Sie hätten die Behauptung nicht verifizieren können, verfüge der Film doch über »keine wirklichen Belege« für die Aussage. Trotzdem sei sie veröffentlicht worden, so die IDF.

Darüber hinaus sei auch die Identität und die frühere Tätigkeit des Interviewten nicht unabhängig überprüfbar. »Weder sein Dienst noch seine Funktion können unabhängig überprüft und verifiziert werden«, erklärte die Armee.

»Naza« beschäftigt sich mit dem Einsatz künstlicher Intelligenz bei israelischen Militäroperationen und den daraus resultierenden zivilen Opfern. Der Titel ist ein hebräisches Akronym, das sinngemäß für Kollateralschäden steht. In dem Film werden unter anderem Vorwürfe erhoben, wonach KI-Systeme eine zentrale Rolle bei der Auswahl von Angriffszielen gespielt hätten.

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Auswahl und Genehmigung

Bereits am Freitag hatte die IDF die Vorwürfe des Films grundsätzlich zurückgewiesen. Entscheidungen über die Auswahl und Genehmigung von Angriffen seien ausschließlich von Menschen getroffen worden, hieß es. Künstliche Intelligenz habe diese Entscheidungen nicht getroffen.

Die Armee verwies zudem darauf, dass einige der im Film wiedergegebenen Aussagen strategische und militärische Vorgänge beträfen, die außerhalb des Zuständigkeits- und Wissensbereichs von Soldaten auf niedrigerer Ebene lägen. Zudem würden Situationen beschrieben, an denen Angehörige der Nachrichtendienste der IDF, die angeblich für den Film interviewt worden seien, nach Einschätzung der Armee gar nicht beteiligt gewesen sein könnten.

Forderung nach Entzug der Staatsbürgerschaft

Auch der frühere IDF-Generalstabschef und Verteidigungsminister Benny Gantz äußerte sich zu »Naza«: »Diejenigen, die hinter dem Film stehen, haben nie ein Schlachtfeld betreten – und ich wünsche auch nicht, dass sie jemals dazu gezwungen sein werden«, erklärte der heutige Oppositionspolitiker.

»Aber während wir den gerechtesten Krieg seit der Wiedergründung Israels führen, gegen eine mörderische Gruppe, die in der Lage und bereit ist, Frauen und Kinder zu ermorden, hält sich die IDF an die höchsten moralischen und rechtlichen Standards.« Wer dieses grundlegende Verständnis vermissen lasse, solle einfach weiterhin Fiktion produzieren, so Gantz.

Der israelische Kulturminister Miki Zohar erklärte derweil, er wolle den beiden Regisseuren Rachel Szor und Yuval Abraham die Staatsbürgerschaft entziehen lassen. »Der vernichtende Selbsthass der Regisseure, die bereit sind, ihrem Heimatland zu schaden, nur um Beifall von Antisemiten auf der ganzen Welt zu ernten, ist unvorstellbar und stellt einen Verrat am Staat dar«, schrieb Zohar am Abend auf der Plattform X. Er ist Mitglied des Likud. im

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