Tel Aviv

IDF-Chef prüft rechtliche Schritte gegen Film »Naza«

Generalstabschef Eyal Zamir Foto: copyright (c) Flash90 2025

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IDF-Chef prüft rechtliche Schritte gegen Film »Naza«

Generalstabschef Eyal Zamir bezeichnet bisher bekannt gewordene Teile der Doku als »Ritualmordlegenden, bewusste Verzerrungen der Realität und falsche Anschuldigungen gegen IDF-Soldaten«

 15.09.2026 13:37 Uhr

Israels Generalstabschef Eyal Zamir hat nach der Veröffentlichung von Ausschnitten des Dokumentarfilms »Naza« eine Untersuchung angeordnet. Dabei soll laut »The Times of Israel« sowohl geprüft werden, ob juristisch gegen den Film und dessen Macher vorgegangen werden kann, als auch, wie vertrauliches Material in die Produktion gelangen konnte.

Zamir beauftragte den Militärstaatsanwalt Itai Ofir damit, mögliche rechtliche Schritte zu prüfen. Hintergrund sind aus Sicht der israelischen Armee falsche und schwerwiegende Anschuldigungen gegen Soldaten und Kommandeure. Gleichzeitig soll untersucht werden, wer möglicherweise geheime Informationen weitergegeben hat, die nach Angaben der Armee für den Film verwendet wurden.

Der rund 80-minütige Film stammt von Yuval Abraham und Rachel Szor. Der hebräische Titel ist ein Akronym für »Kollateralschaden«. Die Produktion beschäftigt sich mit dem Einsatz künstlicher Intelligenz bei israelischen Angriffen im Gazastreifen und enthält Aussagen von 24 Personen, die als ehemalige oder aktive Angehörige des israelischen Nachrichtendienstes vorgestellt werden. Bei den Filmfestspielen von Venedig wurde »Naza« in dieser Woche mit einem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet.

Armee kennt vollständigen Film nicht

Die israelischen Streitkräfte haben bislang nur Ausschnitte und einen Trailer gesehen. Armeesprecher Effie Defrin forderte die Filmemacher deshalb am Montag auf, der IDF den vollständigen Film zugänglich zu machen. Erst dann könne die Armee die einzelnen Vorwürfe umfassend und auf Grundlage der gesamten Darstellung beantworten.

Defrin erklärte, einige der im Trailer erhobenen Anschuldigungen seien falsch oder würden in verfälschter Form dargestellt. Zugleich verwies er auf die Grundsätze, nach denen die israelischen Streitkräfte nach eigener Darstellung handeln.

»Die IDF ist eine wertebasierte Armee, die im Einklang mit dem internationalen Recht und verbindlichen professionellen Werten und Standards handelt«, sagte Defrin. Dies gelte auch unter den schwierigsten Bedingungen des seit Jahren andauernden Krieges.

Vorwurf zurückgewiesen

Zamir äußerte sich noch schärfer. Nach einer Besprechung mit ranghohen Militärvertretern bezeichnete er die bisher bekannt gewordenen Darstellungen als »Ritualmordlegenden, bewusste Verzerrungen der Realität und falsche Anschuldigungen gegen IDF-Soldaten und Kommandeure«.

Zu den umstrittensten Behauptungen des Films gehört die Darstellung eines geplanten israelischen Angriffs, bei dem während des Krieges gegen die Hamas der Tod von etwa 500 Zivilisten einkalkuliert worden sein soll. Die IDF weist diesen Vorwurf entschieden zurück.

»Die IDF hat niemals einen Angriff im Gazastreifen geplant, genehmigt oder durchgeführt, bei dem der Tod von 500 Zivilisten oder auch nur annähernd einer solchen Zahl erwartet wurde«, erklärte die Armee. Auch während des gesamten Krieges habe es keine glaubwürdige Information gegeben, wonach ein israelischer Angriff eine vergleichbare Zahl von Todesopfern verursacht habe.

Gefährdung israelischer Soldaten

Nach Darstellung der IDF haben die Filmemacher diese Behauptung weder überprüfen können noch belastbare Belege vorgelegt. Zudem bezweifelt die Armee, dass die im Film anonym auftretenden jüngeren Soldaten überhaupt Zugang zu sämtlichen Informationen gehabt haben könnten, über die sie in den veröffentlichten Ausschnitten sprechen.

Auch die zentrale Darstellung eines KI-gestützten Systems weist die Armee zurück. Entscheidungen über die Auswahl und Genehmigung von Angriffszielen seien von Menschen getroffen worden, nicht von künstlicher Intelligenz.

Zamir warf den Filmemachern vor, Darstellungen zu übernehmen, die Israel und seine Armee grundsätzlich delegitimieren sollten. Der Film versuche, die IDF als Organisation darzustellen, die bewusst gegen das Recht verstoße.

Selbstgefälliger Beifall

»Dies ist ein gefährlicher Versuch, uns die Legitimität zu nehmen, uns gegen den schlimmsten unserer Feinde zu verteidigen, und stellt dadurch eine reale Gefahr für IDF-Soldaten und Kommandeure dar«, erklärte der Generalstabschef.

Zamir kündigte zugleich eine umfassende Reaktion der Armee an. Eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe unter Leitung der Planungsdirektion soll mögliche Maßnahmen gegen aus Sicht der IDF falsche Behauptungen entwickeln. Dabei sollen auch Experten aus Israel und anderen Ländern einbezogen werden.

In einem späteren Schreiben an die Truppe stellte Zamir klar, dass er den Film selbst noch nicht gesehen habe. Ihm sei daher weder bekannt, wen die Filmemacher interviewt hätten, noch welche Hintergründe hinter den Aussagen stünden.

»Die Behauptungen und Ereignisse wurden der IDF nicht vorgelegt, und deshalb ist es schwierig, auf die Angelegenheit ernsthaft und professionell zu reagieren«, schrieb Zamir laut »The Times of Israel«. Sachliche Kritik werde die Armee weiterhin akzeptieren und zur Selbstprüfung nutzen. »Falsche, manipulative und unbegründete Verunglimpfung ist keine legitime Kritik, auch wenn sie selbstgefälligen Beifall erhält.« ja

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