Interview

»Diese Geschosse sind grausam«

Eyal Zisser, Nahostexperte an der Universität Tel Aviv Foto: privat

Interview

»Diese Geschosse sind grausam«

Nahostexperte Eyal Zisser über Irans Einsatz von Streubomben gegen Zivilisten und deren internationale Ächtung

von Sabine Brandes  17.03.2026 08:37 Uhr

Herr Zisser, die israelische Armee bestätigt, dass der Iran vorsätzlich in dicht bevölkerten zivilen Gebieten Israels Streumunition einsetzt. Sogar bei bis zu 50 Prozent aller seiner Raketen. Was sind diese Clusterbomben?
Es sind Raketen, die mehrere kleine Sprengkörper tragen. Der Sprengkopf teilt sich in großer Höhe, bis zu zehn Kilometer über der Erde, und setzt oft Dutzende von Submunitionen frei.

Hat der Iran diese Munition bereits früher gegen Israel eingesetzt?
Tatsächlich ist der Einsatz durch den Iran nicht neu. Auch im Krieg im Juni vergangenen Jahres feuerte der Iran Streubomben auf Israel. Diese Art von Raketen ist sehr gefährlich. Wenn sie einschlagen, haben sie zehn- oder zwanzigmal so viele Sprengköpfe wie eine herkömmliche ballistische Rakete. Damit können sie ein Vielfaches an Schaden anrichten.

Streubomben sind international geächtet. Seit 2010 sind Einsatz, Herstellung, Lage­rung und Weitergabe verboten. Laut Nadav Shoshani, dem Sprecher der israelischen Armee (IDF), verstößt ihr Einsatz gegen internationales Recht. Warum?
Weil hier Streumunition mit dem Ziel eingesetzt wird, der Zivilbevölkerung so viel Schaden wie möglich zuzufügen. Je nachdem, in welcher Höhe sich der Sprengkopf öffnet und die einzelnen Bomben freisetzt, verteilen sie sich über ein großes Gebiet, manchmal über mehrere Kilometer, und explodieren dann separat. Die Wahrscheinlichkeit, getroffen zu werden, ist also deutlich größer als bei einer einzelnen Rakete. Außerdem können Blindgänger, die nicht explodiert sind, noch lange nach dem Ende eines Konflikts Zivilisten töten oder verstümmeln. Sie sind zudem schwer zu lokalisieren und zu beseitigen. Das ist das Grausame an diesen Geschossen – und der Grund, warum sie geächtet sind.

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Weiß man, wie viele dieser Waffen der Iran besitzt?
Nein, das weiß wohl niemand.

Bevor der Krieg begann, gab es Berichte, dass die Munition auf allen Seiten begrenzt sei und möglicherweise nur einige Tage reichen werde. Mittlerweile dauert der Konflikt bereits mehr als anderthalb Wochen. Gibt es Informationen darüber, wie lange diese Intensität der Kämpfe aufrechterhalten werden kann?
Keine Seite veröffentlicht Informationen dazu. Klar ist aber, dass die Iraner ballistische Raketen haben, für die sie Abschussrampen benötigen. Diese werden in großer Zahl von der IDF bombardiert. Auch Produktionsstätten sind zerstört worden, so können sie keine neuen Geschosse herstellen. Irgendwann wird demzufolge nichts mehr übrig sein. Wann das so weit sein wird, lässt sich derzeit nicht vorhersagen. Es ist allerdings eindeutig, dass die Iraner weniger Raketen auf einmal abschießen als zu Beginn des Krieges.

Die Fragen an Eyal Zisser, Vizerektor und Nahostexperte an der Universität Tel Aviv, stellte Sabine Brandes.

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