Jerusalem

Isaac Herzog: Wir verändern die gesamte Konfiguration des Nahen Ostens

Israels Staatspräsident Isaac Herzog Foto: copyright (c) Flash90 2026

Am elften Tag des Krieges gegen das iranische Regime hat Israels Präsident Isaac Herzog erstmals seit Beginn der Kämpfe einem deutschen Medium ein Interview gegeben. Es handelt sich um die Zeitung »Bild«.

Für Herzog steht der aktuelle Konflikt in direktem Zusammenhang mit dem Angriff der Hamas auf Israel im Oktober 2023. »Es ist ein zusammenhängender Krieg«, sagte er. »Er begann am 7. Oktober, und meiner Meinung nach erreichen wir vielleicht das letzte Kapitel des Krieges, indem wir die gesamte Konfiguration des Nahen Ostens verändern.«

Der Präsident würdigte in diesem Zusammenhang auch die Rolle der Vereinigten Staaten. US-Präsident Donald Trump lobte er ausdrücklich »für seine Führung und seinen Mut und seine standhaften, punktgenauen, gezielten Bemühungen in dieser Hinsicht«. Sollte die Bedrohung durch Iran beseitigt werden, könne die gesamte Region wieder »atmen und sich weiterentwickeln«.

Unterdrückung der Iraner

Mit Blick auf die Unterdrückung der Bevölkerung im Iran sprach Herzog von einer besonders hohen Zahl von Opfern, die das Regime zu verantworten habe: »Ich denke, es sind etwa 50.000. Meine Daten zeigen 50.000.«

Daraus leitete er eine klare Forderung ab: »Es ist eine Lektion für die Welt, dass man Grausamkeit mit viel Anstrengung und Stärke begegnen muss, ohne mit der Wimper zu zucken. Jetzt ist nicht die Zeit, um mit der Wimper zu zucken.«

Kritisch äußerte sich Herzog auch über internationale Protestbewegungen. Dass es weltweit zahlreiche Demonstrationen gegen den Gaza-Krieg gegeben habe, während das Vorgehen des iranischen Regimes gegen die eigene Bevölkerung deutlich weniger Aufmerksamkeit erhalte, wertete er als Beleg für eine Doppelmoral. Es zeige »die Heuchelei all dieser Demonstranten«.

Hoffnung auf die iranische Bevölkerung

Trotz der harten Worte gegen die Führung in Teheran äußerte Herzog Zuversicht mit Blick auf die Menschen im Iran. »Ich glaube an den Geist der Menschen im Iran. Sie können definitiv aufstehen und versuchen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.«

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Gleichzeitig warnte er davor, das Regime zu unterschätzen. Es handle sich um eine »sehr grausames Regime«, das jedoch durch die aktuellen Entwicklungen zunehmend geschwächt werde.

Herzog betonte zudem, dass der Kampf gegen Iran nicht nur Israel betreffe. »Wir schützen Europa tatsächlich, indem wir dies tun.« Teheran betreibe weltweit Terrornetzwerke, argumentierte der Präsident. »Warum braucht der Iran Terrorzellen in Brasilien oder in Australien? In ganz Europa?«

Warnung vor iranischem Raketenarsenal

Als Beispiel für die Bedrohung verwies Herzog auf die militärischen Kapazitäten Irans. Teheran habe neben seinem Atomprogramm den Aufbau eines Arsenals von 20.000 Raketen angestrebt. »Sehen Sie sich an, was sie jetzt haben und wie viel Schaden das anrichtet. 20.000 wären eine Katastrophe gewesen.«

Die derzeit eingesetzten Raketen beschrieb er als technisch hoch entwickelt: »Wir sprechen von Raketen, die 300 Kilometer hoch fliegen, die Atmosphäre verlassen, in den Weltraum eintreten und dann auf uns herabstürzen.«

Auch erklärte Herzog gegenüber »Bild«, wäre man untätig geblieben, hätte sich die Lage möglicherweise unumkehrbar entwickelt. »Wenn wir gewartet hätten, wären wir fast an einen Punkt gekommen, an dem es vielleicht irreversibel gewesen wäre.« im

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