Tel Aviv

Barak bedauert Kontakte zu Epstein und räumt problematische Formulierungen ein

Ehud Barak Foto: Copyright (c) Flash 90 2026

Israels ehemaliger Ministerpräsident Ehud Barak hat in einem Fernsehinterview seine langjährige Verbindung zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein als Fehler bezeichnet. Er habe im Rückblick »gründlicher urteilen« müssen und bedaure bereits das erste Treffen mit dem Finanzier im Jahr 2003, sagte Barak in einem Gespräch mit dem israelischen Sender Kanal 12.

Der Ex-Regierungschef betonte, er habe nie an illegalen Aktivitäten teilgenommen und Epsteins Verbrechen bis 2019 nicht gekannt. Während der 15 Jahre ihres Kontakts habe er keine auffälligen oder problematischen Verhaltensweisen bemerkt. Auf Bilder, die ihn 2016 mit teilweise bedecktem Gesicht vor Epsteins New Yorker Apartment zeigen, reagierte Barak mit dem Hinweis, er habe sich lediglich gegen Kälte geschützt und nichts verbergen wollen.

Barak verteidigte zudem, dass er und seine Ehefrau zwischen 2015 und 2019 mehrfach in einer Wohnung übernachtet hatten, die Epstein gehörte. Dies sei praktisch gewesen, da er bei Besuchen in New York dort persönliche Dinge habe aufbewahren können. Es sei das »Recht jedes Bürgers«, in der Wohnung eines Bekannten zu wohnen, und daran sei nichts Unrechtmäßiges, betonte er.

Lesen Sie auch

Problematische Stereotypen

Kritisch äußerte sich Barak zu einer Tonaufnahme aus dem Jahr 2014, in der er über »viele junge, schöne Mädchen, groß und schlank« aus Russland sprach, die nach Israel kommen könnten. Diese Formulierung sei eine »unglückliche Wortwahl« gewesen und mit problematischen Stereotypen verbunden, räumte er ein. Zugleich verwies er darauf, dass Menschen in privaten Gesprächen oft anders sprechen würden als öffentlich.

Vorwürfe, seine damaligen Aussagen seien rassistisch, wies Barak zurück. Er habe lediglich über demografische Herausforderungen und mögliche Wege gesprochen, diese zu bewältigen, etwa durch Einwanderung und erleichterte Konversion. Die Darstellung seiner Worte in den Medien sei verzerrt, behauptete er und sprach von einer gezielten Kampagne, die ihn diskreditieren solle.

Barak kündigte an, dass in den kommenden Wochen weitere Materialien zu seinen Geschäfts- und Sozialkontakten mit Epstein publik werden könnten. Er zeigte sich jedoch überzeugt, dass nichts Belastendes ans Licht kommen werde. Epstein, der 2008 wegen der Anwerbung Minderjähriger zur Prostitution verurteilt worden war, nahm sich 2019 in Haft das Leben, während er sich neuen Anklagen wegen Menschenhandels stellen sollte. im

Essay

Erinnerungen an Schawuot in Be’eri

Unsere Autorin ist in dem Kibbuz aufgewachsen, der durch das Massaker traurige Bekanntheit erlangte. Eines der prägendsten Feste ihrer Kindheit war das Wochenfest – wird jene Freude je wieder zurückkehren?

von Eshkar Eldan Cohen  21.05.2026

Wahlen

Arabisch-israelisches Zünglein an der Waage?

Der Aktivist Yoseph Haddad will den Sprung in die Politik wagen und könnte im festgefahrenen Rennen um die Knesset entscheidend sein

von Sabine Brandes  21.05.2026

Aschkelon

Israel schiebt Hunderte Flottillen-Aktivisten ab

Während die ausländischen Flottillenaktivisten vom Flughafen Ramon aus ausgeflogen werden, steht die israelische Teilnehmerin Zohar Regev in Aschkelon vor Gericht

 21.05.2026

Jerusalem

»Nicht das Gesicht Israels«: Sturm der Entrüstung gegen Ben-Gvir

Der rechtsextreme Politiker steht in der Kritik, weil er ein Video veröffentlichte, in dem Aktivisten der Gaza-Flotille gedemütigt werden. Auch Regierungschef Benjamin Netanjahu distanzierte sich von seinem Minister

von Sabine Brandes  21.05.2026

Tacheles-Preis

»Ihr prägt den Journalismus. Ihr prägt unser Land«

WELT-Chefredakteur Helge Fuhst hielt die Laudatio auf die Jüdische Allgemeine. Eine Dokumentation

von Helge Fuhst  21.05.2026

Dokumentation

»Mehr Mut zu unbequemen Wahrheiten!«

Die Jüdische Allgemeine ist mit dem Tacheles-Preis ausgezeichnet worden. Hier dokumentieren wir die Dankesrede von JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel

von Philipp Peyman Engel  21.05.2026

Meinung

Das entspricht nicht der Essenz unseres Landes!

Man muss keine Sympathie für die Aktivisten der Gaza-Flotille haben, um die Art abzulehnen, wie Itamar Ben-Gvir mit ihnen umgegangen ist. Der Minister hat dem Ansehen Israels geschadet

von Sarah Cohen-Fantl  21.05.2026

Herzliya

Israelische Studie: Sexy Profilbilder können Dating-Erfolg mindern

Eine Untersuchung der Reichman University zeigt: Stark sexualisierte Fotos in Dating-Profilen erzeugen zwar Aufmerksamkeit, schmälern aber die Chancen auf eine ernsthafte Beziehung

 21.05.2026

Würdigung

»Wo andere laut schweigen, lässt sie sich nicht unterkriegen«

Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland würdigt in seiner Laudatio auf die Jüdische Allgemeine die Verdienste der Redaktion - und ihren Mut

von Abraham Lehrer  21.05.2026