Nach Antisemitismus-Vorwürfen

Umstrittener FC St. Pauli-Kapitän Jackson Irvine wechselt nach Japan

Jackson Irvine beim WM-Spiel Australien gegen Ägypten, 3. Juli 2026
Jackson Irvine beim WM-Spiel Australien gegen Ägypten, 3. Juli 2026 Foto: picture alliance / NurPhoto

Nun steht es fest: Jackson Irvine, der Kapitän des Hamburger Fußball-Zweitligisten FC St. Pauli verlässt Deutschland. Nachdem der Australier zuletzt an der Weltmeisterschaft in Nordamerika teilgenommen hatte und danach nicht mehr beim Training des Hamburger Kiezklubs erschienen war, bestätigte nun das Fachmagazin »Kicker«, dass der 33-Jährige zu Cerezo Osaka nach Japan wechselt.

Der Fußballprofi war Mitte 2025 wegen des Tragens eines »FC Palestine«-Trikots und der Teilnahme an einer »S.O.S. Gaza«-Demonstration in die Kritik geraten und hatte heftige Diskussionen im Fanszene und Führungsetage des damaligen Erstligisten St. Pauli ausgelöst.

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Schon kurz nach dem 7. Oktober 2023 hatte Irvine mit fragwürdigen Reposts von Sharepics für Diskussionen gesorgt, die Israel des Genozids beschuldigten. 2025 folgte der Tiefpunkt mit dem Posieren Irvines in einem Trikot des fiktiven »FC Palestina«, das ein sich über Israel erstreckendes Großpalästina abbildet und dessen Schöpfer die Gräueltaten der Hamas offen bejubelt hatten.

Kommentare unter Irvines Posts mit dem Trikot, die darauf aufmerksam machten, wurden gelöscht. Gleiches gilt für Kommentare, die an die Toten des Nova-Festivals erinnerten. Irvine wies Antisemitismus-Vorwürfe als »zutiefst beleidigend und verletzend« zurück. Die Möglichkeit, einen etwaigen falschen Eindruck zu korrigieren, nutzte er allerdings nicht - auch zum Unmut mancher Clubanhänger.

IHRA-Arbeitsdefinition Antisemitismus übernommen

Im Januar 2021 hatte der Verein wie zahlreiche andere Klubs die Arbeitsdefinition Antisemitismus der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) übernommen. Die Definition der IHRA stärke das Engagement des Clubs und werde für den zukünftigen Kampf gegen Antisemitismus ein wichtiges Instrument sein, verkündete der Verein damals auf seiner Homepage, und Präsident Oke Göttlich sagte: »Das Problem des Antisemitismus ist in Deutschland auch nach den furchtbaren Schrecken des Zweiten Weltkriegs nie verschwunden. In den letzten Jahren können wir aber eine Radikalisierung der rechten Szene und eine größere Zustimmung zu ihren menschenverachtenden Thesen beobachten.«

Auf einer mit Spannung erwarteten Mitgliederversammlung im Herbst 2025 tat Göttlich jedoch die Kritik an Irvine als »Social-Media-Reflexe« ab. Er habe bei seinem Kapitän »keinerlei Anzeichen auf menschenfeindliche Einstellungen« feststellen können. Ob es daran lag, dass bei Irvine der Antisemitismus im linken Gewand auftrat?

René Born hingegen, Aufsichtsratsmitglied des Fußball-Bundesligisten, hatte kritische Kommentare unter einem Instagram-Post von Irvines Ehefrau Jemilla Pir, die ebenfalls mit antiisraelischen Postings für Aufmerksamkeit sorgte, veröffentlicht. Später wurden diese Äußerungen gelöscht. Born hatte seinen Unmut über das Posieren des Spielers für das Modelabel seiner Frau kundgetan. »Niemand ist größer als der Club«, stand dort. Und: »Das ist unser Klub, nicht deiner. Du wirst in wenigen Monaten weg sein und für einen Euro mehr woanders spielen. Wir werden immer hier sein, während du nicht mehr als eine Fußnote bist.«

Stalinistisch-antizionistische Gruppen auf den Rängen

Auch innerhalb der als links geltenden Fanszene des Klubs kam es zu Auseinandersetzungen. Während »Fans, die gelbe Schleifen zur Erinnerung an das Schicksal der Geiseln trugen, wiederholt Bedrohungen erlebten, fassten Fanclubs wie die «Rote Brigade» und «ÖNSP», beide stalinistisch-antizionistischen Gruppen wie Young Struggle nahestehend, immer stärker Fuß auf den Rängen«, hieß es in einem Bericht der Wochenzeitung »Jungle World«.

Nun hat der FC St. Pauli ein Imageproblem weniger. Jackson Irvine wechselt nach Japan, wo er laut »Kicker« schon seit Tagen trainieren soll. alo

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