Gemeindetag

Zusammen füreinander

Gemeindetag 2023: voller Vorfreude bei der Anmeldung Foto: Gregor Zielke

Mehr als 42.300 koschere Mahlzeiten, über 167 Workshops und 4000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die Zahlen der vergangenen Gemeindetage sprechen für sich – und vielleicht wird sich jeder, der sie liest, noch an eine bestimmte Situation mit Freunden, Familie und neuen Bekannten erinnern, die besonders ausgelassen, froh oder emotional war. Denn zu Gemeindetagen kommen alle zusammen, die sich auch längere Zeit nicht gesehen haben. Und gerade deswegen ist die Vorfreude auf den nächsten Gemeindetag immer schon am Abreisetag da.

Nun müssen alle, die sich im Dezember 2023 mit einem lachenden und einem weinenden Auge in Berlin verabschiedet haben, sich nur noch gut 160 Tage in Geduld üben, denn am 17. Dezember wird der Gemeindetag offiziell eröffnet. Wer schon etwas mehr wissen möchte, der kann sich auf der Website www.gemeindetag-zentralratderjuden.de informieren. Vier Tage heißt es im Dezember also dann »Zusammen füreinander«.

Unter diesem Motto werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammenkommen und über Stimmungen in der jüdischen Gemeinschaft, Veränderungen in der Welt und über Safe Spaces diskutieren. Denn in Zeiten von zunehmendem Antisemitismus haben viele Gemeinden mit Ausgrenzung und Anfeindungen zu kämpfen. Jüdinnen und Juden wägen ab, ob sie Ketten mit Chai- oder Davidstern-Anhängern tragen, oder ob sie überhaupt thematisieren, dass sie jüdisch sind, aus Israel kommen, zu Israel stehen.

Das Motto spiegelt ein Bedürfnis der jüdischen Gemeinschaft wider.

Daher bietet der Gemeindetag, der seit 2012 vom Zentralrat der Juden veranstaltet wird, einen geschützten Raum, und das möchte auch das diesjährige Motto widerspiegeln: »In schwierigen Zeiten rückt man näher aneinander und steht zusammen füreinander ein. Wir wollen gestalten, uns einmischen, für unsere Rechte und Interessen kämpfen und hierüber mit den Entscheidungsträgern unseres Landes sprechen. Wir übernehmen Verantwortung für unsere Gemeinschaft und die Gesellschaft, in der wir leben – ›Zusammen füreinander‹«, wie es auf der Seite des Zentralrats der Juden heißt.

Das Programm wartet erneut mit »hochkarätigen Gästen und Referenten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Religionsgemeinschaften« auf. Außerdem soll es ein »attraktives Kulturangebot« geben. Dass sich das in Berlin nicht verstecken muss, wissen alle, die in den vergangenen Jahren auf einem Gemeindetag waren. Von Lesungen mit Autoren wie Dmitrij Kapitelman oder Autorinnen wie Adriana Altaras, bis hin zu Panels zu politischen und innergemeindlichen Themen oder einem Sunrise-Krav-Maga-Kurs. Für fast jeden ist an den vier Tagen etwas dabei.

Und wer gern die Nacht zum Tag macht: Der heimliche Höhepunkt ist immer die Party nach Schabbatausgang. Apropos Schabbat: Der Gemeindetag des Zentralrats der Juden richtet sich an alle, von säkular bis orthodox. Einen passenden Gottesdienst zu finden, sollte also kein Problem sein.

Der Gemeindetag richtet sich an alle, von säkular bis orthodox.

Am kommenden Montag um 11 Uhr beginnt der Ticketverkauf. Interessierte sollten schnell sein – in den vergangenen Jahren waren die Karten immer sehr begehrt. Denn: Der Gemeindetag ist ein Event, auf dem politische Entscheidungen getroffen werden, die für Jüdinnen und Juden relevant sind.

So unterzeichneten der Zentralrat der Juden in Deutschland, die Israelitische Religionsgesellschaft in Österreich und der Schweizerische Israelitische Gemeindebund am 17. Dezember 2023 einen Freundschaftsvertrag.

Dieser beinhaltete ein Bekenntnis zum »selbstbewussten und vielfältigen jüdischen Leben im deutschsprachigen Raum«. 2019 schlossen der Zentralrat und die Bundesrepublik Deutschland einen Militärseelsorgestaatsvertrag. 2020 votierte der Bundestag für das Gesetz zur jüdischen Militärseelsorge.

Der Gemeindetag setzt also Zeichen. Und in gut 160 Tagen geht es weiter – zusammen füreinander.

Anoha

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