Orthodoxie

»Koschere Haare sind teuer«

Chaya Chapoval

Orthodoxie

»Koschere Haare sind teuer«

Chaya Chapoval über steigende Scheitelpreise, die Arbeit hinter einer Perücke und Rabbiner-geprüfte Haarteile

von Mascha Malburg  17.08.2026 17:04 Uhr

Frau Chapoval, in Israel hat eine Frau vor einem Rabbinatsgericht geklagt, weil sie meint, dass sich orthodoxe Frauen keine Perücken mehr leisten können. Sind sogenannte Scheitel zu teuer geworden?
Die weltweiten Preissteigerungen betreffen auch Perücken. In Israel sind die Preise besonders gestiegen. Ich verkaufe von München aus Scheitel und hatte in letzter Zeit einige israelische Touristinnen als Kunden, die in Europa nach günstigen Alternativen suchen. Aber auch ich kann nicht die gleichen Preise wie früher anbieten: Ein guter Scheitel kostet bei mir heute zwischen 1500 und 3000 Euro.

Das ist viel Geld.
Das stimmt, aber es fließt auch eine Menge Arbeit in so eine Perücke: Ich kaufe nur koscheres Echthaar, das heißt, ein Rabbiner hat geprüft, dass die Haare aus halachisch akzeptablen Bedingungen stammen. Bei der Herkunft gibt es große Unterschiede: Haare aus Osteuropa sind zum Beispiel teuer. Viele meiner Kundinnen entscheiden sich dennoch dafür, weil sie ihrer eigenen Haarstruktur ähneln. Haare aus China sind dicker, dafür aber viel günstiger.

Wie entstehen aus den Haaren Perücken?
Viele werden in aufwendiger Handarbeit hergestellt, bei der jedes einzelne Haar von Hand eingeknüpft wird. Auch ich fertige solche hochwertigen Modelle an. Das braucht viel Zeit und erhöht den Preis. Günstiger wird es, wenn ich fertige Perücken kaufe und sie anschließend individuell färbe, schneide und anpasse. Die meisten Perücken auf dem deutschen Markt sind für Frauen, die ihre Haare verloren haben. Die Scheitel für jüdische Frauen müssen aber anders geschnitten sein: Da müssen ja noch die eigenen Haare darunter Platz haben.

Wo kauft man in Deutschland einen solchen koscheren Scheitel?
Es ist nicht leicht! Viele Frauen fahren zum Anprobieren extra nach Wien oder Straßburg. Einen Scheitel online auszusuchen, ist oft schwierig. Deshalb gebe ich meinen Kundinnen die Möglichkeit, den Scheitel zu Hause anzuprobieren und auch zurückzuschicken, sollte er nicht gefallen.

Sehen Sie hier auch das Problem, dass sich religiöse Frauen keine Scheitel mehr leisten können?
Manche Kundinnen kommen zu mir und sagen: »Ich habe leider nur 1000 Euro. Was können wir damit machen?« Dann versuche ich, die beste Möglichkeit für dieses Budget zu finden. Vor fünf Jahren konnte ich noch einen einfachen Scheitel für 500 Euro verkaufen, heute kommt man eigentlich nicht mehr unter 800 Euro. Gleichzeitig sollen die Perücken nicht einfach nur bedecken, sondern auch schön aussehen, das ist im Judentum explizit erlaubt. Ich habe Kundinnen, die bewusst gesagt haben: Es ist eine schöne Mizwa, ich will dafür auch das entsprechende Geld ausgeben. Ich finde es wichtig, dass jede Frau die Möglichkeit hat, einen Scheitel zu finden, der zu ihr und zu ihrem Budget passt.

Mit der Münchner »Scheitelmacherin« sprach Mascha Malburg.

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