Dresden

Workshops für Polizisten

Polizeischutz vor der Synagoge in Dresden Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Die Tinte ist gerade trocken. Vor zwei Wochen unterzeichneten der Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden und das Sächsische Staatsministerium einen Kooperationsvertrag zur Bekämpfung von Antisemitismus. Dieser sieht eine langfristige und kontinuierliche Zusammenarbeit vor, um antisemitischen Einstellungen und Straftaten in Sachsen wirksam zu begegnen und jüdisches Leben zu stärken.

»Wir haben gute Verbindungen zur Polizei in Dresden und in Sachsen sowie mit allen Ämtern des Ministeriums. Wir sind nicht allein«, sagt die Vorsitzende des Landesverbandes, Ekaterina Kulakova, im Gespräch mit der »Jüdischen Allgemeinen«. Sie hat den Vertrag zusammen mit ihrem Kollegen Konstantin Zahariev und Landespolizeipräsident Jörg Kubiessa unterschrieben. Gegenstand der Rahmenvereinbarung sind Lehrgänge, die zusammen mit dem Dresdener Verein Hatikva und dem Kulturbüro Sachsen durchgeführt werden sollen. Das Format sieht zunächst zehn ganztägige Workshops an der Hochschule der Sächsischen Polizei (FH) vor, die sich an Polizeikommissaranwärterinnen und -anwärter sowie Masterstudierende der Polizei Sachsen richten.

»Der Landesverband Sachsen hat schon Projekte mit Unterstützung des Programms ›Weltoffenes Sachsen‹ durchgeführt. Alle Beteiligten stellten fest, dass dies sehr sinnvoll für die Zukunft ist. Wir sind noch im Gespräch, und ich freue mich sehr, dass die Polizei diese Möglichkeit möchte und versteht, dass es eine langfristige und wichtige Arbeit ist, die regelmäßig stattfinden muss«, so Kulakova.

Der Landesverband bringt dabei auch bewusst eine Betroffenenperspektive ein, um das Vertrauen der sächsischen Jüdinnen und Juden in staatliche Institutionen zu stärken. Bereits seit einigen Jahren besuchen Gruppen der Polizisten und der Bundeswehr die Dresdener Gemeinde zu Gesprächen, »manchmal sind es zwei Stunden, manchmal vier Stunden. Aber das sind sozusagen einmalige Veranstaltungen. Jetzt wollen wir das alles in ein System bringen, und ich denke, das wird viel produktiver«, freut sich Landesverbands-Chefin Kulakova.

Die geplanten Seminare sollen die Handlungskompetenz der Polizei im Umgang mit Betroffenen von Antisemitismus verbessern.

Die nun geplanten Seminare sollen fundierte Kenntnisse zu Formen und Ideologien des Antisemitismus vermitteln und die Handlungskompetenz der Polizei im Umgang mit Betroffenen verbessern. »Der Schutz jüdischen Lebens ist eine wichtige Aufgabe der sächsischen Polizei. Deshalb haben wir mit der neu gefassten Kooperation erfolgversprechende Möglichkeiten für umfangreiche Aus- und Fortbildungsmaßnahmen zwischen Polizei und den jüdischen Gemeinden zur Stärkung der interkulturellen Kompetenzen geschaffen«, erklärte der Sächsische Landpolizeipräsident Jörg Kubiessa: »Mit diesem Schritt unterstreichen wir das gegenseitige Vertrauen und das gemeinsame Verantwortungsgefühl.«

Dies empfindet auch die Vorsitzende des Landesverbandes so. »Eine verständnisvolle und hochsensible Zusammenarbeit zwischen dem Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden und der sächsischen Polizei ist vor diesem Hintergrund sehr wichtig«, bekräftigte Ekaterina Kulakova anlässlich der Unterzeichnung: »Durch die Workshops bekommen die angehenden Polizisten nicht nur praktische Unterstützung, sondern auch einen Einblick in das jüdische Leben heute und in die Sorgen der jüdischen Gemeinschaft. Landespolizeipräsident Jörg Kubiessa gilt großer Dank.«

Die neue Kooperation knüpft an das erfolgreiche Projekt »Klug gegen Antisemitismus« an, das die Polizei Sachsen gemeinsam mit dem Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden zwischen 2022 und 2024 umgesetzt hat – und geht einige Schritte weiter. »Wir vermitteln Geschichte, Traditionen und behandeln religiöse Fragen, die Polizisten auch beachten sollen, wenn sie mit uns zusammenarbeiten. Das muss Teil der dauerhaften Zusammenarbeit sein, das ist wichtig für unsere Zukunft.«

»Wir wollen so schnell wie möglich anfangen«, sagt Ekaterina Kulakova. »Diese Aufmerksamkeit seitens der Polizei, der Bundeswehr, der politischen Parteien und der Regierungsbehörden ist für die jüdische Bevölkerung Sachsens von großer Bedeutung, weil wir trotz unserer relativ geringen Anzahl als Teil der Gesellschaft anerkannt sind. Wir stehen im Fokus des deutschen Interesses und können in schwierigen Lebenslagen auf Unterstützung und Schutz zählen.«

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