Unter dem Titel »Literatur & Haltung« zeigt die Monacensia im Münchner Hildebrandhaus ab 20. Mai eine Ausstellung zum umfangreichen Archiv von Rachel Salamander. Die Journalistin und Literaturwissenschaftlerin hatte das Archiv 2022 der Stadt München übergeben. Es handelt sich einer Mitteilung zufolge um eine einmalige Sammlung von Literatur rund um das Judentum sowie jüdischer Schriftstellerinnen und Schriftsteller.
Salamander gründete 1982 in der Münchner Fürstenstraße eine Buchhandlung, die als erste für Literatur zum Judentum in Deutschland nach 1945 gilt, wie es heißt. Sie habe damit Jahrzehnte nach der Vernichtung durch den Nationalsozialismus dem jüdischen intellektuellen Leben wieder eine nachhaltige Präsenz im öffentlichen Bewusstsein gegeben.
Literatur als Überlebensmittel
Seither kuratierte Salamander den Angaben zufolge mehr als 1.000 Veranstaltungen an verschiedenen Orten in Deutschland und Österreich. Sie habe Autorinnen und Autoren aus aller Welt eingeladen, um die Vielfältigkeit jüdischer literarischer Stimmen einer interessierten Öffentlichkeit zu präsentieren und in Gesprächen jüdischen Themen Raum zu geben.
Für viele Jüdinnen und Juden in den Konzentrationslagern oder in den Verstecken sei Literatur zu einem Überlebensmittel geworden, heißt es. In auswendig gelernten oder während der Zwangsarbeit in Gedanken geformten Versen hätten sie Trost und Struktur gefunden, um die endlose Zeit der Todesangst zu überstehen. So berichtet die Überlebende Ruth Klüger in ihren Erinnerungen: »Jedes Gedicht wird zu einem Zauberspruch.«
»Ich wollte dem Jüdischen in der nicht-jüdischen Öffentlichkeit einfach Präsenz geben und der jüdischen Erfahrung Relevanz.«
In den Lagern zu schreiben, war laut Ankündigung entweder lebensgefährlich oder aus Mangel an Papier gar nicht erst möglich. Schriftstellerinnen wie Gerty Spies und Grete Weil legten unmittelbar nach dem Krieg Zeugnis von den erlebten Verbrechen ab. Doch die Erinnerungen der Überlebenden stießen zunächst kaum auf öffentliches Interesse. Erst Jahrzehnte später wurden diese Berichte von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen wahrgenommen.
Salamander sagte über ihr Wirken einmal: »Ich wollte dem Jüdischen in der nicht-jüdischen Öffentlichkeit einfach Präsenz geben und der jüdischen Erfahrung Relevanz. Das heißt reden, reden, reden und Fremdheitsgefühle abbauen.«
Die bis 31. März 2028 dauernde Schau ist Teil des mehrjährigen Erschließungs- und Vermittlungsprojekts »Archiv Salamander«. Sie steht unter der Schirmherrschaft des Münchner Oberbürgermeisters.