Interview

»Wir haben den Wiederaufbau im Kopf«

Charlotte Geva Foto: Theresa Rundel

Interview

»Wir haben den Wiederaufbau im Kopf«

Fünf Minuten mit Charlotte Geva über eine Reise nach Czernowitz und Unterstützung für eine Kinderklinik

von Christine Schmitt  01.09.2026 17:03 Uhr

Frau Geva, Sie engagieren sich bei Olam-Aid, einer Organisation, die eng mit der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) zusammenarbeitet, um der Ukraine zu helfen. Aktuell gibt es einen Fundraising-Aufruf, und es steht eine Reise nach Czernowitz an. Welche Ziele verfolgen Sie?
Wir unterstützen seit Jahren gemeinsam mit der ZWST und »Aktion Deutschland Hilft« bedürftige Menschen und Gemeinden in der Ukraine. Als der Krieg in dem Land ausbrach, weiteten wir unsere Arbeit dort aus. Mittlerweile sind wir landesweit in der Ukraine aktiv und finanzieren auch Resilienzzentren. Diese betreiben wir mit lokalen Partnern. Ebenso sind wir im Bereich der mentalen Gesundheit und psychosozialen Unterstützung aktiv, in Czernowitz seit Beginn des Krieges. Die letzte Projektreise mit der ZWST fand 2021 statt – und nun haben wir uns überlegt, dass es schön wäre, noch einmal persönlich hinzufahren. Da wir den großen Bedarf vor Ort kennen, kam die Überlegung auf, dass wir nicht mit leeren Händen kommen, sondern dies mit einem Spendenaufruf verbinden. Mit dem Geld wollen wir gezielt die Kinderklinik Bukowina unterstützen, mit der wir seit Jahren zusammenarbeiten.

Kurz vor Rosch Haschana werden Sie vor Ort sein. Es gibt auch einen Stopp in Rumänien. Warum?
In Suceava, nahe der ukrainisch-rumänischen Grenze, betreiben wir ein Zentrum für geflüchtete Frauen und Kinder. Im Rahmen des Projektbesuchs prüfen wir Kapazitäten, Logistik und psychosoziale Unterstützung und werden Trainings durchführen.

Dann geht es nach Czernowitz?
Ja. Dort unterstützen wir auch ein Waisenhaus für behinderte Kinder. Aber jetzt geht es um eine Kinderklinik und konkret darum, welche Hardware wie beispielsweise eine Klimaanlage oder Diagnostikgeräte benötigt werden. Die Klinik hat eine Wunschliste geschickt. Wir treffen auch jüdische Gemeinden vor Ort und bringen – als Zeichen der Solidarität – Lebensmittelpakete für bedürftige ältere Gemeindemitglieder mit. Das ist Teil eines laufenden Projekts.

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Was steht auf der Wunschliste der Klinik?
Die Klinik leistet in der andauernden Notsituation Außergewöhnliches. Czernowitz hat mehr als 40.000 Binnenvertriebene aufgenommen, das belastet das Gesundheitssystem zusätzlich. Es gibt Therapien wie moderne Diagnostik für Autismus bei Kindern und professionelle Sprachtherapie, aber es fehlt an der Ausstattung der Behandlungsräume, Sinnes- und Bewegungsräume, Therapiematerialien, Klimaanlagen und weiteren infrastrukturellen Maßnahmen.

Sie haben einen Fundraising-Aufruf gestartet. Wie groß ist der Bedarf?
Auf der Plattform »Betterplace« streben wir 18.000 Euro an, insgesamt hoffen wir aber auf 40.000 Euro oder mehr, die dringend benötigt werden.

Denken Sie bereits an ein Leben nach dem Krieg?
Ja. Wir haben den Wiederaufbau im Kopf und möchten Lebensgrundlagen schnell wiederherstellen. Mit unseren Partnern und den jüdischen Gemeinschaften, mit denen wir seit Jahren zusammenarbeiten, verbindet uns eine tiefe Solidarität. Wir werden sie so lange unterstützen, wie unsere Hilfe gebraucht wird und es uns möglich ist.

Wie sieht der geplante Ablauf der Reise aus?
In Rumänien treffen wir Partner des Geflüchteten-Zentrums und machen uns ein eigenes Bild von der Situation. Am Folgetag besichtigen wir in Czernowitz die Klinik, klären Bedarfe, sprechen mit der Klinikleitung und führen einen Workshop für das Klinikpersonal durch. Im Anschluss besuchen wir die jüdischen Gemeinden und informieren uns über die Bedarfe innerhalb der jüdischen Community. Am Abend kehren wir nach Rumänien zurück und liefern Transparenz in Form von Berichten und Fotos. Parallel arbeiten wir am Fundraising weiter und informieren Spender über Fortschritte.

Wie beurteilen Sie das Sicherheitsrisiko in der Grenzregion?
Die Sicherheit hat natürlich Priorität. Wir arbeiten mit einem erfahrenen Security-Berater aus Czernowitz, planen eine Route für morgens, und abends geht es zurück. Die Region ist derzeit ruhig, aber eine enge Abstimmung mit Menschen vor Ort ist sehr wichtig.

Wie groß ist bisher die Spenden- und Hilfsbereitschaft?
Die Kampagne läuft erst langsam an. Aktualisierungen erfolgen über unsere Kanäle, Newsletter und direkte Spenden-Updates. Wir hoffen, dass in Vorbereitung auf die Feiertage noch mehr Spenden eingehen. Aber auch nach der Reise steht es uns frei, eine weitere Kampagne zu starten.

Mit der OlamAid-Aktivistin sprach Christine Schmitt.

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