Projekt

Wedding trifft Eilat

Maria und Alice sind richtig gute Freunde. Und obwohl die beiden Schülerinnen mehr als 4.000 Kilometer trennen – Maria wohnt in Berlin, Alice im südisraelischen Eilat –, sind sie sich die beiden Mädchen fast immer ganz nah. »Wir halten über Facebook Kontakt«, sagt die 15-jährige Schülerin des Weddinger Lessing-Gymnasiums. Erst vor zwei Wochen war Alice in Berlin und hat ihre Freundin besucht. Allerdings war das kein Urlaub, sondern die junge Israelin, die in Eilat auf die Rabin High School geht, war mit 13 Mitschülern und zwei Lehrern eine Woche zu Gast in der Hauptstadt.

Interreligiös Ein Gegenbesuch, der vom Zentralrat der Juden in Deutschland und dem Berliner Freundeskreis der David-Ben-Gurion-Stiftung unterstützt wurde. Schon im Frühjahr vergangenen Jahres reisten die Berliner in den Süden Israels, um die noch fremden Mitschüler kennenzulernen. Entstanden ist diese Schulpartnerschaft im November 2010.

Michael Wüstenberg, Direktor des Lessing-Gymnasiums, hatte sich für seine Schule explizit einen israelischen Partner gewünscht. »Wir haben eine sehr heterogene Schülerschaft. Auf unser Gymnasium gehen christliche, jüdische und muslimische Jugendliche.« Genau diese Gemeinschaft habe er in der Rabin High School gefunden. »Das hat quasi wie die Faust aufs Auge gepasst«, sagt Wüstenberg, der am Lessing-Gymnasium viel Erfahrung mit Schulpartnerschaften hat.

So pflegen die Berliner engen Kontakt zu Schulen in Lettland und Russland. Auch die Rabin High School, an der man laut Goethe-Institut das Deutsche Sprachdiplom erwerben kann, hatte seit Längerem eine deutsche Schule gesucht. »Petra Tänzer, die Deutschlehrerin der Rabin High School, war dabei sehr engagiert«, sagt Christian Zimmermann vom Berliner Freundeskreis der David-Ben-Gurion-Stiftung.

Stephan J. Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden, der den Jugendlichen begegnet ist, findet das Projekt »wichtig, weil aus Partnerschaften nicht nur Verständnis füreinander, sondern auch echte Freundschaften entstehen.« So ließen sich mögliche Vorurteile am besten bekämpfen, betont er.

E-Learning Die Direktoren beider Schulen haben sich in einem Vertrag auf eine enge Zusammenarbeit geeinigt. Und die soll weit über gegenseitige Besuche hinausgehen. Ziel der Partnerschaft ist es, gemeinsame schulische Projekte aus den naturwissenschaftlichen Bereichen umzusetzen, die Schulchöre und Theatergruppen zusammenarbeiten zu lassen und Lernmaterialien sowohl für Schüler als auch für Lehrer auf einer Plattform online zugänglich zu machen.

Und weil die Initiative nicht irgendwann im Sande verlaufen soll, hat sich Wüstenberg mit seinem Kollegium etwas Besonderes ausgedacht: Die Lehrer, die die Projekte betreuen wechseln von Zeit zu Zeit. So erhält nicht nur jeder Pädagoge die Chance, sich mit den Schülern und Kollegen aus Israel auszutauschen, sondern die Schulpartnerschaft kommt auch allen Fachbereichen zugute. Ab Januar wird Kerstin Riesselmann für ein naturwissenschaftliches Projekt verantwortlich sein.

Für die 32-jährige Mathe- und Chemielehrerin zählen dabei allerdings nicht nur Fachkenntnisse, die die Schüler dabei erwerben, sondern auch soziale Kompetenzen: »Mir ist es wichtig, dass die Schüler offen miteinander umgehen und tolerant anderen Religionen gegenüber sind.«

Migrationshintergrund Das sei deswegen so wichtig, weil es am Lessing-Gymnasium einen hohen Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund gibt, sagt Riesselmann. »Manche sind nicht ganz umfassend über das Judentum aufgeklärt«, auch das wolle man mit der Schulpartnerschaft ändern. Allerdings soll das in einer entspannten Atmosphäre geschehen.

Und so war dann auch der jüngste Besuch der Schüler aus Eilat angelegt. Rundgang durch das Gymnasium, Besuch des Jüdischen Museums, eine gemeinsame Chanukka-Feier und ein Spaziergang im Zoo waren nur einige Höhepunkte. Wobei der Zoo die Schüler aus Eilat nachhaltig beeindruckt habe. »Die Landschaft und die Tiere sind nun einmal in Eilat ganz anders, und das fanden die Jugendlichen ganz toll«, sagt Kerstin Riesselmann.

Auch die Berliner Schüler erinnern sich noch lebhaft an ihren Besuch am südlichsten Zipfel Israels. »Es war spannend, neu und sehr heiß«, sagt Maria. Sie hatte sich auch darauf gefreut, Hebräisch zu lernen und war vom Enthusiasmus der israelischen Jugendlichen ganz hin und weg. »Sie sind schon extrovertierter als wir, aber sehr nett.«

Das hat sie hautnah erfahren, denn die Schüler übernachteten bei den Familien. So konnten sich Maria und Alice auch nach der Schule noch über ganz normale Dinge, die Teenager überall auf der Welt interessieren, austauschen. Der persönliche Kontakt sei das Beste, um mögliche Vorurteile abzubauen, sagt Riesselmann. Und auch die Zweifel einiger Eltern, ihre Kinder in den Nahen Osten fahren zu lassen, konnten in Gesprächen schnell zerstreut werden. Christian Zimmermann vom Freundeskreis der David-Ben-Gurion-Stiftung denkt sogar schon einen Schritt weiter: »Ein Austausch mit einer jordanischen Schule wäre auch eine schöne Herausforderung.«

Alice ist zwar seit einer Woche wieder in Eilat, aber Maria denkt immer noch oft an ihren Besuch. »Wir haben Vieles gemeinsam – zum Beispiel sprechen wir beide Russisch«, sagt der Teenager. Gern würde sie wieder nach Israel fahren, aber sie möchte, dass auch ihren Mitschülern die Chance haben, das Land kennenzulernen.

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