Jewrovision

»Wir glauben an uns«

Jung, selbstbewusst und hoffnungsvoll: So präsentieren sich die Teilnehmerinnen im Video. Foto: IKG München und Oberbayern

Jewrovision

»Wir glauben an uns«

Die Jugendlichen von Neschama performten einen eindrucksvollen Act und räumten den begehrten Videopreis ab

von Luis Gruhler  11.06.2026 17:01 Uhr

Während man im Mai in Wien noch auf das Finale des Eurovision Song Contests zu warten hatte, lief einen Tag davor auf der Bühne des Stuttgarter Messegeländes bereits die große Show der Jewrovision 2026. Nicht weniger als 13 jüdische Jugendzentren aus ganz Deutschland traten dabei unter dem Motto »Voices of Hope« im freundschaftlichen Wettbewerb mit Musik und Tanz gegeneinander an. Mit dabei wie jedes Jahr: das Münchner Jugendzentrum Neschama.

Mit einem Vorstellungsvideo und zwei Bühnenperformances lieferten die Münchner Chanichot und Chanichim eine sechsminütige Show ab, die es in sich hatte – und entsprechend erfolgreich war. Das Musikvideo, das sich vor professionellen Produktionen der Musikindustrie nicht zu verstecken brauchte, räumte den begehrten Videopreis ab.

Vor mehr als 1300 begeisterten Gästen gaben die Jugendlichen im Alter zwischen zehn und 19 Jahren in Stuttgart ihr Bestes. Dabei teilten sie die Bühne auch mit viel Prominenz: Die israelische Sängerin Noa Kirel, 2023 bei der Eurovision noch auf Platz drei, trat als Special Act auf. Zu den Jurymitgliedern zählten neben dem ehemaligen Berliner Kultursenator Joe Chialo unter anderem auch die Schauspielerin und Sängerin Lina Larissa Strahl, die Comedienne Maria Clara Groppler und der Influencer Aaron Morali.

Coverversion des Rapsongs REDE

Grußworte sprachen neben Zentralratspräsident Josef Schuster auch der Stuttgarter Bürgermeister Frank Nopper sowie, per Videobotschaft zugeschaltet, Bundesbildungsministerin Karin Prien und der baden-württembergische Ministerpräsi­dent Cem Özdemir. Von so viel politischer Unterstützung angespornt, gingen die Jugendzentren in den Wettbewerb. Sieger der Gesamtwertung wurde schließlich JuJuBa, eine Gruppe, die sich aus zehn Jugendzentren in Baden zusammensetzt.

Beim siegreichen Videobeitrag der Münchner Neschama-Jugend handelt es sich um eine Coverversion des Rapsongs REDE der beiden auf der Social-Media-Plattform TikTok bekannt gewordenen Kinderstars »Zah1de« und »benno!«. Der selbstbewusste Text wurde dabei eigens für Esther und Murat umgeschrieben, und aus dem eingängigen Hook »Rede, rede, rede!« wurde die Aufforderung »Bete, bete, bete!« Für den »Fitcheck«, bei dem Jugendliche gegenseitig ihr Outfit bewerten, gibt es in der Neschama-Version neben »Glow up, Skin glänzt« zusätzlich auch »Kippa, Tallit«, und am Freitagabend wird »in der Syna gedient«.

Der materialistische Rap-Text wurde, ganz im Geiste des Mottos der Veranstaltung, schließlich in eine souveräne Botschaft der Hoffnung umgedichtet: »Das ist, was Jewish Youngsters tun, der Davidstern glänzt, bin gegen Hate immun!« Die Idee für das Video hatte Konzeptentwicklerin Nicole. Ihre Vision war klar: jung, selbstbewusst und hoffnungsvoll sollte das Lied klingen. Es sollte zeigen, so Jugendleiter Yeshaya Brysgal, dass Tradition und Gegenwart sich nicht ausschließen, »im Gegenteil: Gerade junge Menschen finden immer wieder neue Wege, ihre Verbindung zum Judentum auszudrücken und mit Leben zu füllen.« Mit den ausdrucksstarken Lyrics wollte Neschama ein Zeichen setzen: »Wir als jüdische Gemeinde in München kennen unsere Werte; wir glauben an uns, und wir sind in jeder Lage eine große Community.«

Innerhalb von 24 Stunden waren Audio, Kostüme, Vorbereitung und Videodreh vollendet

Dass Brysgal seinen Jugendlichen diesen Gedanken nicht erst nahebringen musste, ist bereits an der rasanten Entstehung des Videos abzulesen, eine »besondere Freude«, so Brysgal. Innerhalb von nur 24 Stunden waren Audio, Kostüme, Vorbereitung und Videodreh vollendet.

Neben dem preisgekrönten Video trat Neschama auch mit einem eigenen Act auf, der aus zwei Bühnenperformances bestand. Miriam und Manu im Tallit trugen im auf die Leinwand projizierten Synagogenraum das Segensgebet »Mi Schebejrach LeZahal« in der Version vor, die durch den international berühmten Kantor und Tenor Aryeh Hurwitz bekannt geworden ist.

»Das ist, was Jewish Youngsters tun. Der Davidstern glänzt, bin gegen Hate immun!«

Songtext Neschama

Dem hebräischen Segen für die israelischen Verteidigungsstreitkräfte wurden die deutschen Zeilen angefügt, die noch einmal den Hoffnungs-Slogan unterstrichen: »Unsere Kraft, die niemand bricht – jede Stimme wird zu Licht!«

Anschließend wurde die Bühne freigemacht für an die 25 Tänzerinnen und Tänzer des Jugendzentrums. In ihrer Version des 2016er-Europameisterschaft-Hits »This One’s For You« steuert der Refrain auf einen ganz eigenen Höhepunkt zu: »We are in this together, holding on to faith forever, we stand strong together, our hope lasts forever.«

Der aufwendige Formationstanz, der begleitend dazu vorgetragen wurde, erforderte viel Probenarbeit. Ein halbes Jahr lang wurde an der Choreografie gefeilt, das Casting fand bereits im Oktober 2025 statt. Die Tanzformationen verlangten von den Jugendlichen viel Koordination und Kondition, mit Bewegungen wie gemeinsamem Radschlagen auf der Bühne verschwammen die Grenzen von Tanz und Bodenakrobatik. Der besonders anspruchsvolle Wechsel zwischen Bewegungsabläufen im Gleichklang und den gestaffelt aufeinander folgenden Figuren gelang vollkommen.

Hat sich die viele Arbeit am Ende gelohnt? »Mit unserem Auftritt ist das Jugendzentrum Neschama mehr als zufrieden«, resümiert Yeshaya Brysgal. »Wir sind auch heuer wieder sehr stolz auf unsere Jugendlichen!«

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