Solidarität mit dem 65-jährigen Opfer des von einem 20-jährigen Syrer begangenen israelfeindlichen Anschlags im Würzburger Vorort Höchberg vom vergangenen Sonntag hat am Freitag eine von rund 200 Menschen besuchte Mahnwache auf dem Unteren Markt der unterfränkischen Metropole gezeigt.
Unweit vom Platz der ersten, bei einem Pogrom in der Mitte des 14. Jahrhunderts zerstörten Synagoge begrüßte Konstantin Mack, der Vorsitzende der Würzburger Deutsch-Israelischen Gesellschaft und Organisator der Kundgebung, eine Verwandte des Opfers und mehrere prominente Persönlichkeiten als Redner: die Bamberger Bundestagsabgeordnete Lisa Badum (Bündnis 90/Die Grünen), zugleich Präsidiumsmitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Dr. Josef Schuster, den Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, den Würzburger Oberbürgermeister Martin Heilig (Bündnis 90/Die Grünen) und den Münchner Kabarettisten Christian Springer. Nicht vertreten war der Höchberger Bürgermeister Alexander Knahn.
Dem Anlass entsprechend, standen die Verbundenheit mit dem Opfer und der Appell zum Widerstand gegen jegliche Form von Antisemitismus und Antizionismus im Vordergrund.
Zahlreiche Israel-Flaggen flatterten leicht im Wind, als Mack, auch Vorsitzender der Grünen-Fraktion im Würzburger Stadtrat, betonte, dass Antisemitismus in Deutschland tief verwurzelt und seit dem 7. Oktober 2023 als »Brückenideologie« in allen politischen Lagern salonfähig geworden sei. Betroffen machten Mack das »dröhnende Schweigen der Würzburger Zivilgesellschaft« und die »hunderte Kommentare (in den sozialen Netzwerken), die ihrerseits abgrundtief antisemitisch« gewesen seien.
Von Dankbarkeit geprägt war das Grußwort des zu diesem Zeitpunkt bereits genesenden Opfers: Genesungswünsche hätten nicht nur Dr. Schuster, Oberbürgermeister Martin Heilig und der Würzburger katholische Bischof Dr. Franz Jung, sondern auch die Mitglieder der Würzburger Deutsch-Israelischen Gesellschaft und zahlreiche Privatpersonen übermittelt. Der Dank des Opfers ging zudem an die zahlreichen, ihre Verbundenheit zeigenden Höchbergerinnen und Höchberger, die schnell am Tatort präsente Polizei und die Teilnehmer der Mahnwache am Unteren Markt. Sein eindringlicher Appell lautete: »Es ist Zeit, den Hass zu beenden, ihm entgegenzutreten und sich nicht klein und ohnmächtig zu machen, verlacht von den Hassern, sondern es ist an der Zeit weiter aufzustehen. Für das Leben. Am Israel Chai!«
Äußerst betroffen zeigte sich Dr. Schuster. Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, sagte, er sei tief erschüttert, weil er es nicht für möglich gehalten habe, solche Gewalt im Raum Würzburg zu erleben. »Heute gibt es in Deutschland anscheinend keinen Ort mehr, an dem diese antisemitische, diese israelfeindliche Gewalt ausgeschlossen ist. Keinen Ort, an dem Juden als Juden sichtbar und ungefährdet leben können. Keinen Ort, an dem jüdisches Leben eine Selbstverständlichkeit ist.«
Der antisemitische Hass richte sich gegen die offene Gesellschaft und die liberale Demokratie. Deswegen lautete die abschließende Forderung Dr. Schusters: »Der Angreifer muss die volle Härte des Rechtsstaats zu spüren bekommen. Sie ist in diesem Fall geboten. Und sie ist notwendig, um dem antisemitischen Hass, der sich in unserer Gesellschaft ausbreitet, die Stirn zu bieten.«
Noch laufen die Ermittlungen der Polizei, und im Würzburger Vorort erinnert nichts an das Verbrechen. Aber Höchberg kann überall sein.