Jewrovision

Zehn Städte, ein Team

Frau Dohmen, herzlichen Glückwunsch! Das Jugendnetzwerk JuJuBa (Juedische Jugend Baden) hat im Mai die Jewrovision mit dem Song »We Ride On« gewonnen. Musikalisch basierte die Performance unter anderem auf Melodien von »Gangsta’s Paradise« und »Get Low«. Haben Sie beim Auftritt der 55 Kinder und Jugendlichen geahnt, dass es zum Sieg reichen könnte?
Ich wusste, dass wir gewinnen werden! Aber Spaß beiseite: Schon in den vergangenen Jahren haben wir gezeigt, dass wir das Zeug dazu haben. Ich gönne den Kindern aus allen Jugendzentren so einen Erfolg, denn ich weiß, wie schwierig es ist und wie viel Arbeit in einem guten Act steckt. Aber unser Team war dieses Jahr wieder großartig.

JuJuBa setzte sich mit einer großen Western-Bühnenshow gegen zwölf weitere Jugendzentren durch. Was begeisterte die Jury an dem Auftritt?
Ich glaube tatsächlich – und das haben mir auch andere berichtet –, dass es dieser tolle Zusammenhalt war. Und natürlich die Ausstrahlung, die Idee und Gesamtkonzept. Ich beziehe das ebenfalls auf die vergangenen Jahre. Wir sind als Gruppe einfach eng zusammengewachsen und strahlen genau das nach außen aus. Unabhängig von der Jewro sind wir schon seit 22 Jahren zusammen aktiv. Das darf man nicht vergessen. Genau diese Arbeit der vergangenen Jahre zeigen wir auch auf der Bühne.

Wie haben die Kinder und Jugendlichen diesen Erfolg gefeiert?
Fast alle waren erst einmal überrascht. Wir Erwachsenen haben den Kindern immer gesagt: »Wir treten an, es ist schön, wenn wir gewinnen. Aber es ist auch schön, wenn wir nur dabei sind und unsere JuJuBa-Familie repräsentieren.« Ich glaube, unsere starke Performance kommt daher, dass wir wirklich wie eine Familie zusammenhalten. Unsere Choreografin Eden stammt ebenfalls aus der JuJuBa und begleitet uns schon seit vielen Jahren. Genau dieses enge Vertrauen und die gemeinsame Geschichte spiegeln sich auch auf der Bühne wider. Als die Kinder ihren Namen bei der Bekannt­gabe des Gewinners hörten, konnten sie kaum glauben, dass sie es tatsächlich geschafft hatten. In dieser Formation als JuJuBa gewannen wir zum ersten Mal.

Sie haben ein WhatsApp-Profilfoto mit einer Karte, auf der die zehn Städte genannt werden, die mit JuJuBa aufgetreten sind. Wie schafft man es, Kinder aus so vielen Orten zusammenzubringen? Die liegen ja teilweise Hunderte Kilometer auseinander.
Manche hatten eine Anreise von 400 Kilometern nach Mannheim, wo wir immer probten. Aus Konstanz kamen sie mit dem ICE angefahren. Jeden Sonntag. Auch aus kleineren Gemeinden wie Lörrach, Pforzheim, Freiburg, Emmendingen, Karlsruhe, Heidelberg, Baden-Baden und Rottweil kamen Kinder. Ich bin immer noch begeistert. Dieses Jahr waren tatsächlich alle zehn Gemeinden auf der Bühne vertreten. In Baden gibt es nicht die eine große Gemeinde. In unserer Region sind zehn jüdische Gemeinden aktiv, die alle ihre Besonderheiten haben. Jede bietet ganz unterschiedliche Programme für Kinder und Jugendliche an. Und JuJuBa bringt die Chanichim aus ganz Baden dann zusammen.

Wie gelingt so eine logistische Meisterleistung?
Ich muss sagen, man schafft so etwas nur, wenn ein super Team am Start ist. Die ganze Arbeit der vergangenen Jahre und auch dieser Sieg, das alles ist das Ergebnis einer tollen Zusammenarbeit. Ohne dieses Team und diese einzigartigen Kinder hätte das alles nicht funktioniert. Jeder von uns hat seine Aufgaben, und wir können uns immer aufeinander verlassen. Das ist enorm wichtig.

Wer genau steckt denn nun aber hinter diesem eingeschworenen Team und seinen Unterstützern?
Da ist zum einen Susanne Benizri Wedde, Erziehungsreferentin und Lehrerin für das Fach Jüdische Religion. Sie ist unsere Chefin, die für das ganze Team verantwortlich ist. Ohne unsere Choreografin Eden wären diese Performance, die Kostüme und die gesamte Idee aber nie zustande gekommen. Ich bewundere sie manchmal für ihre Kreativität. Dann ist da noch Mascha Gryznova. Sie ist Projektkoordinatorin bei JuJuBa und hat dieses Jahr enorm viel mitgeholfen. Sie ist schon länger bei JuJuBa und hat auch viel Herzblut in diese Jewrovision investiert. Und ja, ich glaube, ich habe am wenigsten gemacht. Ich bin eher so die organisatorische Person im Team. Sami Wedde, auch Projektkoordinator bei JuJuBa, hat sich um die Jugendlichen gekümmert, die nicht auf der Bühne standen. Wir sind mit knapp 100 Kindern und Jugendlichen angereist, von denen rund die Hälfte performte. Aber auch die anderen mussten versorgt werden.

Gibt es noch weitere Helfer?
Wir haben außerdem noch einen Projekt­koordinator im Team, Alon Dattner. Er arbeitet eher im Hintergrund und kümmert sich um den gesamten technischen Ablauf. Und etwas dürfen wir natürlich nicht vergessen: die wichtigsten Personen überhaupt, »unsere« Madrichim. Sie sind diejenigen, die tagtäglich mit unseren Kindern arbeiten, sie begleiten, unterstützen und fördern. Viele standen auch bei dieser Jewro mit ihnen auf der Bühne und haben zusammen mit ihnen performt. Ihr Engagement, ihre Zeit und ihr Enthusiasmus machen einen großen Teil dessen aus, was unsere Gemeinschaft auszeichnet. Dafür möchten wir ihnen von Herzen danken.

Ein solches Unterfangen will natürlich finanziert werden. Wer half dabei mit?
Die gesamten Kosten für Anreise, Kostüme und Bootcamps mit Übernachtungen übernahm die Israelitische Religionsgemeinschaft Baden. Die Jewrovision ist eine Möglichkeit zu zeigen: Wir sind da. Wir sind keine einzelne Gemeinde. Wir gehören dem Dachverband der Gemeinden der IRG Baden an, und ich muss sagen, ohne dessen Unterstützung wäre unser super Auftritt einfach nicht möglich gewesen. Vielen Dank im Namen des ganzen Teams!

Nach dem Auftritt ist vor dem Auftritt. Wie ging und geht es weiter – bleibt dieser Spirit?
Hoffentlich. Wir machen jedes Jahr eine After-Show-Party, unabhängig von der Platzierung, und laden auch andere Gemeinden ein. Das ist Susanne, die schon seit Jahrzehnten in der jüdischen Jugendarbeit arbeitet, zum Beispiel sehr, sehr wichtig. Und ihr geht es tatsächlich auch sehr um andere Kinder und Jugendliche aus ganz Deutschland. Wir versuchen den Zusammenhalt weiter zu stärken. Wie auch die Proben fand die After-Show-Party in Mannheim statt. Die Räumlichkeiten geben es einfach her. Unsere Choreografin Eden kündigte an, dass sie jetzt schon planen muss, wie der Auftritt bei der nächsten Jewro im März 2027 aussehen könnte. Wir freuen uns heute schon auf Nürnberg!

Mit der Jugendreferentin von JuJuBa sprach Christine Schmitt.

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