Gedenken

Ungebeugt trotz der Last

Hanan Lischinsky trauert um seinen ermordeten Bruder Yaron. Foto: IKG München und Oberbayern/Andreas Gregor

Es sind beklemmende Aufnahmen, die bei der Gedenkstunde zu Beginn von Jom Hasikaron in der Hauptsynagoge »Ohel Jakob« der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern gezeigt werden. Die Bilder vom Attentat am Capital Jewish Museum in Washington haben weniger als ein Jahr später noch immer alle Anwesenden vor Augen. Ermordet wurden an diesem Tag Sarah Milgrim und Yaron Lischinsky, beide waren im diplomatischen Dienst Israels tätig.

Im Rahmen des Gedenkens für die gefallenen israelischen Soldaten und Opfer des antisemitischen Hasses sprach Yarons Bruder Hanan Lischinsky in der Münchner Gemeinde und wandte sich mit einem persönlichen Bericht an die Gäste. Unter diesen befanden sich auch Jo-Achim Hamburger, Präsident der IKG Nürnberg, und offizielle Repräsentanten der israelischen Armee.

Hanan schilderte zunächst, wie Yaron mit seiner Familie in der Nähe von Nürnberg aufwuchs, warum Fußball die beiden Brüder verband und weshalb Yaron seit seinem Umzug nach Israel sich schließlich so leidenschaftlich für den diplomatischen Dienst begeisterte. Das Attentat ereignete sich nach einer Veranstaltung, die mit dieser Leidenschaft Yarons in einem Zusammenhang stand, und zwar der Frage, wie die Beziehungen Israels zu anderen Ländern zu stärken seien.
IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch bezeichnete das Gefühl an diesem Gedenktag als eine »Trauer, so erdrückend, dass sie jeder Beschreibung spottet«. An Jom Hasikaron werde der Helden in Uniform gedacht und ebenso der Zivilisten, die der »kalten Willkür des Mordens zum Opfer gefallen sind«. Knobloch erinnerte an den hohen Preis, den Israel für seine Existenz zu zahlen hat.

Ermordet wurden an diesem Tag Sarah Milgrim und Yaron Lischinsky

»Wir alle leben kraft derer, die den jüdischen Staat begründet, aufgebaut und vor allem verteidigt haben.« Seit dem 7. Oktober befinde sich das Land ununterbrochen in einem Krieg, den es nicht gewollt habe. Mit den Bürgern Israels, so Knobloch, »teilen wir den Schmerz und ihre Erschöpfung. Ihre Kraft bleibt uns Ansporn und Inspiration. Ungebeugt trotz der vielen Herausforderungen – mit müden Augen, aber immer mit festem Blick«.

Die Generalkonsulin des Staates Israel für Süddeutschland, Talya Lador-Fresher, unterstrich die Fähigkeit des Landes, Verlorenes und Zerstörtes wieder aufzubauen: »Heute leben zehn Prozent mehr Menschen in dem Gebiet um den Gazastreifen als noch am 6. Oktober.« Zugleich betonte sie aber auch den Preis, den der ständige Existenzkampf des Staates fordere.
Nachdem die israelische Flagge auf Halbmast gesetzt und die Gedenkkerze entzündet waren, folgte die Live-Übertragung des Sirenensignals von der zentralen Gedenkstunde an der Westmauer in Jerusalem. In München wie in Jerusalem wurde es zur gleichen Zeit still für die Schweigeminute. Luis Gruhler

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