Raw Joseph soll nach talmudischem Zeugnis ein solch enzyklopädisches Wissen der Tora besessen haben, dass man ihn nach dem Berg benannte, auf dem sie offenbart wurde: Raw Joseph war Sinai. Sein Erinnerungsvermögen wurde mit dem Weizen auf den Feldern verglichen, wirkte es doch als »Grundnahrungsmittel« für das mündlich tradierte Wissen, das tief in der jüdischen Kultur verankert ist. Der international ausgetragene Bibel-Wettbewerb »Chidon Hatanach« knüpft heute an diese alte Tradition an. Hier messen sich junge Bibel-Begeisterte aus den jüdischen Gemeinden der ganzen Welt in ihren Kenntnissen. Erstmals wurde der Wettbewerb nun in München auf lokaler Ebene ausgetragen.
»Der Chidon Hatanach ist weit mehr als ein Wissenswettbewerb. Er bietet jungen Menschen die Möglichkeit, sich mit ihrer jüdischen Identität, unserer jahrtausendealten Geschichte und unseren gemeinsamen Wurzeln auseinanderzusetzen. Umso schöner ist es, dass wir diesen Wettbewerb nun auch nach München holen konnten«, erklärt Lorin Nezer, Vorstandsmitglied der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG) und einer der Initiatoren, hierzu.
Maßgeblich organisiert wurde die Münchner Ausscheidung durch Miriam Vinograd von der Europäischen Janusz Korczak Akademie (EJKA) in Kooperation mit der IKG und der Europäischen Rabbinerkonferenz (CER). Im Verbund mit Nezer und dem Münchner Jugendrabbiner Elie Dues will Vinograd den Chidon Hatanach nun fest in München verankern. Ziel sei es, noch mehr Kinder und Jugendliche für die Teilnahme zu begeistern.
Bereits seit Jahren findet in München der deutschlandweite Endausscheid statt, mitunter auch ergänzt um die weiteren DACH-Staaten.
Ganz unbekannt ist der Wettbewerb in München indes nicht: Bereits seit Jahren findet hier der deutschlandweite Endausscheid statt, mitunter auch ergänzt um die weiteren DACH-Staaten. In diesem Jahr wurde an der Isar sogar der gesamteuropäische Wettbewerb ausgetragen, dessen Sieger sich für das große Finale in Jerusalem qualifizieren. Auch im kommenden Winter werden in den Räumlichkeiten der IKG wieder die europäischen Sieger gekürt.
Für die Teilnehmer des lokalen Vorausscheids in München war das vorerst Zukunftsmusik. Vor der Rückkehr gilt es erst einmal, beim deutschlandweiten Quiz kommenden November in Bad Sobernheim das eigene Können unter Beweis zu stellen. Dafür sind die erfolgreichen Kandidaten der Münchner Ausscheidung bereits qualifiziert. Doch nicht allein um das Gewinnen geht es beim Chidon Hatanach: Der Wettbewerb ist nicht zuletzt eine Möglichkeit für die Jugendlichen, ihr Wissen über jüdische Geschichte und Identität zu vertiefen und Freundschaften mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus aller Welt zu knüpfen.