München

Max Mannheimer zu Ehren

ie Namensfindung hat lange gedauert, doch jetzt sind sich alle einig, die richtige Wahl getroffen zu haben. Das Gymnasium von Grafing wird künftig den Namen von Max Mannheimer sel. A. tragen. Der Holocaust-Überlebende wäre am 6. Februar 100 Jahre alt geworden.

Für Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, die wie er den Holocaust überlebte und jahrzehntelang – bis zu seinem Tod vor dreieinhalb Jahren – mit Mannheimer in tiefer Freundschaft verbunden war, freut sich über diese Auszeichnung: »Die Benennung einer Schule zählt zu den höchsten Ehren, die einer Person zuteilwerden können. Und es gibt kaum jemanden, der diese Ehre mehr verdient hat als Max Mannheimer.«

Auch Kultusminister Michael Piazolo sah keinen Grund, der Namensvergabe zu widersprechen – ganz im Gegenteil. Er bringt die Urkunde, mit der das Max-Mannheimer-Gymnasium amtlich wird, zur Feierstunde an diesem Freitag mit, wenn der Abschluss der Generalsanierung des Schul-Altbaus gefeiert wird.

auschwitz Den Weg in die kleine Stadt vor den Toren Münchens hätte Max Mannheimer wahrscheinlich im Schlaf gefunden. Dutzende Male war er dort, um über sein Schicksal zu erzählen, von Auschwitz, seinem Überleben und dem Holocaust, dem nahezu seine gesamte Familie zum Opfer fiel. An einen Aspekt erinnert Charlotte Knobloch in diesem Zusammenhang besonders: »Es dauerte lange, bis er über die Hölle sprechen konnte, die er als junger Mann durchleiden musste. Erst in seinen späten Jahren wurde er zu einem der bekanntesten und aktivsten Zeitzeugen und zu einer der wichtigsten Stimmen gegen das Vergessen.«

Verständigung, Toleranz, Respekt, demokratische Grundwerte – dies waren die zentralen Parameter, die Max Mannheimer als Zeitzeuge des größten Verbrechens der Menschheitsgeschichte vor allem jungen Menschen näherbrachte. »Er tat dies ruhig und nie anklagend, trotz allem Leid, das ihm und seiner Familie von Deutschen angetan worden war. Er kam als Zeitzeuge, nicht als Ankläger oder Rächer«, betont Knobloch.

Dutzende Male besuchte er das Gymnasium und sprach mit Schülern über sein Schicksal.

Das Gymnasium in Grafing, das jetzt seinen Namen tragen wird, war eine von zahllosen Schulen Deutschlands, die Max Mannheimer regelmäßig besuchte. Er tat dies, weil er davon überzeugt war, genau dort die richtigen Adressaten für seine Botschaft zu finden: junge Menschen.

Diese Haltung erläutert IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch: »Er wusste, dass der Kampf gegen die Feinde der offenen Gesellschaft und für Toleranz und Respekt langfristig nicht allein in der politischen Arena zu gewinnen war. Bildung und Demokratieerziehung an Schulen waren nicht nur aus seiner Sicht der Schlüssel zur Bewahrung der Freiheiten, die wir nach 1945 wieder genießen konnten. Ihm war klar, dass es gerade auf die jüngere Generation und ihren Einsatz gegen alle antidemokratischen Rückfälle ankommt.«

bildungsauftrag Max Mannheimer als Namensgeber des Grafinger Gymnasiums zu wählen, ist deshalb auch für Landrat Robert Niedergesäß die richtige Entscheidung. Als »Schule ohne Rassismus« habe das Grafinger Gymnasium immer wieder Überzeugung und Courage gezeigt, etwa beim entschiedenen Widerstand, als rechts motivierte Drohungen die Schule erreichten. »Der Name Max Mannheimer«, ist der Landrat überzeugt, »wird diese Haltung noch bewusster machen.« Junge Menschen darin zu bestärken, ist seiner Überzeugung nach ein wichtiger Bildungsauftrag.

Max Mannheimer erhielt für sein Wirken zahlreiche Auszeichnungen und Würdigungen, unter anderem wurde vor einigen Jahren die Mittelschule von Garching nach ihm benannt, ebenso wie verschiedene Straßen und Plätze, beispielsweise der Platz vor dem NS-Dokumentationszentrum in München.

Charlotte Knobloch, die Mannheimers Gedanken- und Gefühlswelt wie kaum ein anderer Weggefährte kannte, formuliert beim Blick auf den wiedererstarkenden Judenhass und die politischen Entwicklungen am rechten Rand, worauf es ihm ganz besonders ankam. »Die größte Ehre für ihn bleibt es, dass die nachfolgenden Generationen sein Andenken bewahren und weiter für seine Ziele eintreten: für ein Deutschland, das seine Vergangenheit kennt und um seine Verpflichtung weiß, genau deshalb für Demokratie einzustehen und Rechtsextremismus zu bekämpfen.«

Bei seinen zahlreichen Besuchen in Grafing und im Gymnasium war es dem Holocaust-Überlebenden besonders wichtig, den Schülern zu vermitteln, dass die nachfolgenden Generationen zwar keine Schuld am Holocaust treffe, das Thema Verantwortung aber alle angeht. »Die Erinnerung an die Schrecken der Vergangenheit«, so Charlotte Knobloch an die Adresse der Schüler, »soll Richtschnur und Anleitung für die Gegenwart sein, damit Geschichte Geschichte bleibt und sich nicht wiederholt. Damit ›Nie wieder‹ nicht ›Jetzt wieder‹ wird. Dafür hat Max Mannheimer viele Jahrzehnte lang gekämpft.«

Max Mannheimer erhielt für sein Wirken zahlreiche Auszeichnungen, Ehrungen und Würdigungen, unter anderem: Ritter der Ehrenlegion der französischen Republik, Oberbayerischer Kulturpreis, Bayerischer Verdienstorden und Verfassungsmedaille in Silber und Gold, Ehrendoktorwürde der Ludwig-Maximilians-Universität München, Wilhelm-Hoegner-Preis der SPD-Landtagsfraktion, Ehrenbürgerschaft seines Heimatortes Neutitschein, Ehrenmitglied der IKG München, Ehrenbürgerschaft der Stadt Dachau, Europäischer Karlspreis der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Großes Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland sowie die Medaille für besondere Verdienste um Bayern.

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