Ruhpolding

Makkabi im Schnee

Der Startschuss ist gefallen. Die Tage werden heruntergezählt. Und obwohl wir gerade dabei sind, unseren Glauben an Sommersonne und -wärme zurückzugewinnen, scheint es, als könne man es plötzlich kaum mehr erwarten, als sehne man sich vor allem nach weißem Schnee, klirrender Kälte und glänzendem Eis.

»Noch nie war der Winter so Makkabi«, lautet das energiegeladene Motto der seit mehr als 85 Jahren erstmals wieder stattfindenden Makkabi WinterGames. Das Sportevent wird in Bayern steigen, dort, wo es Berge und im Winter ziemlich sicher Schnee gibt, genauer im Biathlon-Weltcup-erprobten oberbayerischen 7000 Einwohner zählenden Ruhpolding, das gut 100 Kilometer südöstlich von München entfernt in den Chiemgauer Alpen liegt. Termin der Makkabi WinterGames: 2. bis 9. Januar 2023.

Gäste Zur Verkündung dieses »historischen Ereignisses« lud Makkabi Deutschland in die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG) ein, um zu informieren und um sich gemeinsam zu freuen.

Anwesend waren neben der »Hausherrin«, IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch, Alon Meyer, Vorsitzender des Organisationskomitees der Makkabi Deutschland WinterGames und Präsident von Makkabi Deutschland, Alfi Goldenberg, deren Vizepräsident, Carmela Shamir, Generalkonsulin des Staates Israel für Süddeutschland, Manfred Lämmer, Sporthistoriker an der Deutschen Sporthochschule Köln, sowie Justus Pfeifer, Bürgermeister von Ruhpolding. Durch den Vormittag führte Ilanit Spinner, Journalistin beim Bayerischen Rundfunk.

Charlotte Knobloch kennt Ruhpolding gut – »dort habe ich Skifahren gelernt«, verrät sie.


Charlotte Knobloch zeigte sich sehr verbunden mit der Gegend um Ruhpolding – »da habe ich das Skifahren gelernt«, verrät sie – und noch mehr mit der Entscheidung, dort die Tradition der WinterGames fortzusetzen. Die ersten beiden Makkabi-Winterspiele fanden 1933 in Polen und 1936 in der damaligen Tschechoslowakei statt.

Knobloch sprach davon, dass diese Winterspiele »ganz ohne Frage zu den sportlichen Groß­events des kommenden Jahres« zählten und dass alles wunderbar werden würde. »Denn wenn Makkabi Deutschland etwas macht, dann klappt’s auch«, ist sie überzeugt und spielte damit auf den Rundumerfolg der European Maccabi Games 2015 an, die Makkabi Deutschland nach Berlin geholt hatte.

Kuratorium Charlotte Knobloch gehört, wie auch Shamir und Pfeifer sowie Ilse Aigner, Präsidentin des Bayerischen Landtags, dem Kuratorium der Makkabi Deutschland WinterGames an.

Die Schirmherrschaft des Winterevents hat Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, übernommen, der auf der Website der »Makkabi Winterspiele 2023« dem Winter-Sport-Spektakel in seinem Grußwort per Videoeinspielung voller Freude entgegensieht: Nach Chanukka mit seinen lecker-öligen Speisen und den vielen langen dunklen Tagen gebe es doch »kaum etwas Besseres als Bewegung an der frischen Luft – und das in toller Gemeinschaft«, sagt Schuster.

Der Verantwortliche für den Makkabi-Sport, Alfi Goldenberg, gab Auskunft über den Ablauf der kommenden Winterspiele und auch eine Vorstellung davon, in welcher Größenordnung sich die jüdische Sportwelt da bewegt. Man erwarte in etwa 350 Sportlerinnen und Sportler aus 17 Nationen – und die Erfahrung lehrt: »Das werden sicher noch mehr« – plus an die 100 Volunteers, »die uns unterstützen«. 16 Disziplinen in sieben Sportarten würden angeboten – von Ski Alpin über Biathlon oder Eiskunstlauf –, aber beispielsweise auch Snow-Volleyball oder Eisstockschießen. »Sportarten, die ein wenig niederschwelliger zur Teilnahme einladen.«

Die Beteiligten könnten alle in einem Haus – »wie ein Olympisches Dorf« – unterkommen. Wie immer bei Makkabi-Spielen gebe es ein Begleitprogramm, mit »verschiedenen Workshops zu den unterschiedlichsten Themen, auch zu Israel, auch Religiöses, aber auch ganz Allgemeines, und am 6. Januar feiern wir dann zusammen Schabbat und laden alle ein, mitzufeiern«.

Gemeinde Bürgermeister Justus Pfeifer bezeichnete es als »eine große Ehre«, die Winterspiele in Ruhpolding willkommen zu heißen, und sagte, dass er sich besonders auf den »Austausch zwischen den jüdischen Sportlern und Sportlerinnen und unserer Ortsgemeinschaft« freue.
Aus israelischer Sicht beschreibt Carmela Shamir die anstehenden WinterGames als eine Art Symbol für die guten Beziehungen zwischen Israel und Deutschland, »und natürlich hoffe ich, dass da auch viele Israelis kommen«.

Makkabi erwartet 350 Sportler aus 17 Nationen. Rund 100 Volunteers werden sie unterstützen.

Die sportpolitische wie historische Einordnung der Spiele übernahm Manfred Lämmer, kam dabei noch einmal auf die beiden ersten Makkabi-Winterspiele in Polen und der damaligen Tschechoslowakei zu sprechen und dass es schon etwas bedeute, dass es gerade Makkabi Deutschland sei, der die Idee der Winterspiele »neu erwecke« – »das stärkt dessen Stellung und Bedeutung innerhalb der Makkabi-Weltunion«.

Makkabi-Präsident Alon Meyer formulierte es als eine »Ehre, in Deutschland Geschichte schreiben zu dürfen«. Deutschland als Austragungsort könne zeigen, »dass das mit den gepackten Koffern nicht mehr existiert, wir haben ein neues jüdisch-deutsches Selbstverständnis. Von uns fühlen sich hier viele richtig wohl, und das möchten wir auch zeigen und auch stolz die Farben dieses Landes präsentieren.«
Das Logo der Makkabi WinterGames in Ruhpolding setzt sich aus drei Magen Davids zusammen, die in den Farben Schwarz, Rot und Gold wie Eiskristalle leuchten.

Anoha

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