Musik

Longboard und Gitarre

Überzeugte Juroren und TV-Zuschauer bei The Voice Kids 2015: Gewinner Noah-Levi Foto: dpa

Musik

Longboard und Gitarre

Trotz seines Sieges bei der Talentshow »The Voice Kids« ist der Berliner Noah-Levi ein ganz normaler Teenager

von Christine Schmitt  18.05.2015 21:01 Uhr

Was haben ein Longboard, eine Linkshänder-Gitarre und ein Klavier gemeinsam? Es sind alles Gegenstände, die Noah-Levi ständig braucht. Mit dem Longboard ist er unterwegs, die Gitarre klemmt er sich auf den Rücken, Klavierspielen ist sein Hobby. Sein Talent stellte er im April bei der Sat.1-Musikshow The Voice Kids 2015 zur Schau.

Dabei geht es ihm gar nicht ums Rampenlicht. »Ich muss nicht auf der Bühne und im Mittelpunkt stehen. Ich möchte einfach dem Publikum meine Lieder nahebringen«, sagt der 14-Jährige. Das ist ihm offenbar gelungen. Denn der Nachwuchsmusiker gewann prompt den Wettbewerb. Das war vor vier Wochen.

WIZO Dabei fing seine Karriere eigentlich schon bei der vorletzten Talentshow der WIZO an. Damals stand er frei und unbekümmert auf der Bühne und sang einfach drauflos. Die Zuhörer waren daraufhin so begeistert, dass sie seine Mutter ansprachen. Sie meinten, ein so offensichtliches Talent müsse auf die Bühne.

»›Melde ihn doch mal bei The Voice Kids an‹, rieten mir ein paar Leute«, erzählt Katharina, die ihren vollen Namen lieber nicht nennen möchte, um ihren Sohn vor zu viel Öffentlichkeit zu schützen. Anfangs habe sie gezögert, ihn dann aber doch zu dem TV-Event angemeldet. Noah-Levis Herz schlug damals allerdings mehr für die japanische Kampfkunst Jiu Jitsu.

Schließlich war es so weit. In dunklem T-Shirt, Jeans und Chucks stand der damals 13-Jährige im März vor den drei Juroren von The Voice Kids 2015 und zupfte die Saiten. Ganz entspannt. Von Aufregung keine Spur. »Ich hatte nichts zu verlieren«, sagt er heute rückblickend. Die Ruhe und Gelassenheit, die er bei seinen Auftritten ausstrahlt, habe er von seinem Vater geerbt, meint der Teenager.

berühmt Die drei Juroren waren jedenfalls so begeistert von ihm, dass Jurorin Lena, Eurovision-Gewinnerin von 2010, ihn bekniete, sich für ihr Team zu entscheiden. »Deine Stimme hat so eine spezielle Klangfarbe – das ist Gänsehaut pur«, sagte sie zu ihm. Und sie könnten voneinander lernen.

Das schien Noah-Levi zu überzeugen. Der Rest ist Voice-Kids-Geschichte: Er kam, sang und siegte. Die anderen Kandidaten hatten das Nachsehen. Nach vier Fernsehauftritten war der Junge aus Berlin deutschlandweit berühmt.

Bodenständig Ob er Gefahr laufe, abzuheben, fragen seitdem viele Leute. Doch Mutter Katharina schüttelt den Kopf: »Keine Spur.« Der 14-Jährige bleibe, wie er ist: Er besucht weiter die achte Klasse eines Gymnasiums, trifft sich mit seinen Freunden zum Longboarden im nahe gelegenen Park und macht mehr oder weniger seine Hausaufgaben – so wie die meisten Teenager in seinem Alter eben.

Für ihn seien Freunde und Familie am wichtigsten, betont Noah-Levi. Gerade jetzt, wo er erfolgreich ist und die Aufmerksamkeit auch durchaus genießt, spüre er immer wieder, was er an ihnen hat. Wird ein Gerücht über ihn in die Welt gesetzt, wissen sie es besser und stehen zu ihm.

Bauchgefühl Mit elf Jahren entdeckte Noah-Levi seine Leidenschaft für Musik. Damals schenkte seine Mutter ihm eine Gitarre: Er zupfte an den Saiten, und es war um ihn geschehen. Er nahm Unterricht und stellte fest, dass die Musik »von selbst aus dem Bauch heraus kommt«. Seit vier Jahren komponiert er. Und sonst?

»Ich stehe morgens auf, frühstücke, fahre mit meinem Longboard zur Schule, komme nach Hause, esse wieder, mache Hausaufgaben, spiele Gitarre oder Klavier und gehe dann ins Bett.« Ein ganz normaler Tag im Leben eines angehenden Stars. Viel Zeit für Hobbys bleibt da nicht. Zumal er sich häufig mit seinem ehemaligen Gitarrenlehrer trifft, ihm alles vorspielt und es anschließend aufnimmt.

»Wenn man Spaß dabei hat, kann gar nichts schiefgehen – und ich habe viel Spaß.« Manchmal singt er mit seiner Gitarre an irgendeiner Straßenecke in Berlin. Einmal seien sogar mehr als 100 Leute stehen geblieben.

Schule Dabei hatte er in der Schule bis vor Kurzem auf dem Zeugnis eine Vier in Musik. Jetzt glänze da eine Eins, erzählt Noah-Levi nicht ohne Stolz. »Im letzten Halbjahr hatten wir ein Bandprojekt. Da konnte ich zeigen, was ich kann.« Denn die Musik, die habe er »im Blut«.

Wegen der Schule zogen Mutter und Sohn vor fünf Jahren von Köln nach Berlin. »Ich finde das Schulsystem mit sechs Jahren Grundschule einfach besser«, sagt Katharina, die sich viele Jahre im WIZO-Vorstand Köln engagierte. Da sie nicht religiös sind, hat Noah-Levi keine Barmizwa gefeiert. Doch zu den Hohen Feiertagen fahren sie regelmäßig nach Köln und besuchen die dortige Synagoge. In Köln leben auch Noah-Levis Vater und seine drei erwachsenen Geschwister.

Wovon er träumt? »Mit Ed Sheeran zusammen Gitarre spielen und singen«, sagt Noah-Levi versonnen. Mit dessen Ballade
I See Fire hatte er schließlich auch bei The Voice Kids 2015 überzeugt.

Eines ärgert ihn indes immer wieder: Wenn ihm gesagt wird, dass er zu jung sei, um gute Musik zu machen. Die YouTube-Nutzer scheinen das anders zu sehen: 400.000 Aufrufe hatte sein Auftritt bis heute.

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