Archäologie

Forschungsgrabung zu Erfurts jüdischem Erbe beginnt im August

Grabungen im Schatten der Alten Synagoge sollen nun neue Erkenntnisse über das jüdische Erfurt des Mittelalters zutage befördern. Foto: Stadtverwaltung Erfurt/Anja Schultz

Auf einem Parkplatz hinter der Alten Synagoge in Erfurt beginnt am 3. August eine archäologische Erkundungsgrabung zum Unesco-Welterbe der Stadt. Auf einer knapp 100 Quadratmeter großen Fläche soll erforscht werden, welche Überreste der mittelalterlichen Bebauung im jüdischen Viertel noch im Boden erhalten sind, sagte Christian Tannhäuser vom Landesamt für archäologische Denkmalpflege am Mittwoch in Erfurt. Im Fokus stehen Mauerreste eines großen steinernen Gebäudes, die bereits in den 1950er Jahren dokumentiert wurden.

Die Beauftragte für das Unesco-Welterbe bei der Stadtverwaltung, Karin Sczech, sagte, geophysikalische Untersuchungen deuteten darauf hin, dass sich die Befunde weiterhin im Untergrund befinden. Besondere Aufmerksamkeit gelte dem möglichen Standort des sogenannten Tanzhauses der zweiten jüdischen Gemeinde Erfurts. Historische Forschungen sprechen dafür, dass sich das Gebäude an dieser Stelle befunden hat.

Suche nach vermutetem Tanzhaus

Das Tanzhaus sei kein ausschließlich religiöser Ort gewesen, sondern diente auch für Hochzeiten, Familienfeiern und Versammlungen. Nach bisherigen Erkenntnissen könnte es sich um einen umgebauten christlichen Steinbau gehandelt haben. Die Archäologen hoffen auf Hinweise zur Entstehungszeit und zu späteren Umbauten.

Bekannt ist bereits, dass sich das Areal im Zentrum der zweiten mittelalterlichen jüdischen Gemeinde des 14. und 15. Jahrhunderts befand. Dazu gehörten Wohnhäuser, ein Gemeindebrunnen sowie die zweite Synagoge. Historische Quellen belegen ihren Standort, der heute teilweise überbaut und damit unzugänglich für die Archäologen ist.

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