Sehr gelungenes Dokudrama von 2024 über den Journalisten und Fernsehmanager Robert Lembke (1913-1989), der vor allem als Moderator der sympathisch unspektakulären Quizsendung »Was bin ich?« mit seiner Kult-Frage »Welches Schweinderl hätten’s denn gern?«deutsche Fernsehgeschichte schrieb.
Dabei war der Job als Quizmaster nur eine so wichtige wie vergnügliche Nebenrolle. In der Hauptsache war Lembke, der nach dem Krieg zur Redaktion der von den Amerikanern gegründeten »Neuen Zeitung« gehörte, ab Ende der 1950er Jahre Mitglied der Chefredaktion und stellvertretender Programmdirektor beim Bayerischen Rundfunk. Dort verantwortete er auch Großprojekte wie die Koordination für das internationale Sendezentrum bei den Olympischen Spielen München 1972 und war auch an der Fußball-WM 1974 als TV-Manager beteiligt.
Der Film von Martin Weinhart geht aber auch auf die NS-Zeit ein, als der Sohn eines jüdischstämmigen Vaters seinen Beruf nicht ausüben konnte, von seinem Schwiegervater angeschwärzt wurde und sich zeitweise verstecken musste. Nach dem Zweiten Weltkrieg fällte Lembke allerdings die kategorische Entscheidung, selbst mit seiner Familie nicht über seine Erlebnisse zu sprechen.
Weinhart mischt Archivmaterial, Interviews und Spielszenen mit Johann von Bülow in der Rolle des Moderators, um den Kontrast zwischen der harmlosen »Was bin ich?«-Unterhaltung und dem autoritär-verschlossenen Charakter von Robert Lembke herauszuarbeiten. Das Archetypische seines Schicksals tritt dadurch ebenso hervor wie das traumatische Fortwirken des im Holocaust erfahrenen Leids auf nachfolgende Generationen.
»Robert Lembke - Wer bin ich?«, Dienstag, 2. Juni, 22.25 - 00.00 Uhr, 3sat.