Geburtstag

Holocaust-Überlebender Abba Naor wird 98

Abba Naor wird am Samstag 98 Jahre alt. Foto: picture alliance/dpa

Geburtstag

Holocaust-Überlebender Abba Naor wird 98

Der Zeitzeuge, dessen Mutter und Bruder in Auschwitz ermordet wurden, kämpfte in Israels Unabhängigkeitskrieg und war später Mossad-Agent

 20.03.2026 14:22 Uhr

Der Holocaust-Überlebende Abba Naor feiert am Samstag seinen 98. Geburtstag. Sein Lebensweg spiegelt die tiefen Brüche des 20. Jahrhunderts wider, aber auch das Bemühen um Versöhnung und Verständigung nach den Schrecken der Schoa.

Naor wurde 1928 im litauischen Kaunas als Abba Nauchowicz geboren, Sohn des Fotografen Hirsch Nauchowicz und seiner Frau Chana. Schon als Kind war er kulturell interessiert, sang im Chor, besuchte häufig das Theater und träumte davon, Schauspieler zu werden. Mit dem Einmarsch der Wehrmacht 1941 wurde sein Leben jedoch brutal verändert.

Die Familie floh zunächst nach Vilnius, kehrte jedoch bald nach Kaunas zurück. Im August 1941 musste Naor gemeinsam mit seiner Familie in das Ghetto Kaunas umziehen. Sein älterer Bruder Chaim wurde kurz darauf erschossen, während er versuchte, Lebensmittel in der Stadt zu organisieren. 1944 folgte die Deportation ins Konzentrationslager Stutthof, wo die Familie getrennt wurde.

Neubeginn in Israel

Seine Mutter und sein jüngerer Bruder wurden im Juli 1944 in Auschwitz ermordet, während sein Vater in das Außenlager Allach gebracht wurde. Naor selbst kam in verschiedene Außenlager des Konzentrationslagers Dachau und musste zuletzt im KZ-Außenlager Kaufering V in Utting am Ammersee schwere Zwangsarbeit leisten sowie einen Todesmarsch überstehen.

Anfang Mai 1945 wurde Naor in Waakirchen von der US-Armee befreit und traf im DP-Lager in München seinen Vater wieder. Die Familie emigrierte anschließend nach Israel. Dort nahm Naor 1948 am Unabhängigkeitskrieg teil und arbeitete später für die israelischen Geheimdienste, unter anderem für den Schin Bet und den Mossad.

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Bekannt wurde er auch durch seine Beteiligung an der Rettung der Beta Israel aus Äthiopien, eine Mission, die später unter dem Titel The Red Sea Diving Resort verfilmt wurde. Mitte der 1960er Jahre kehrte er nach München zurück, wo er in der Gastronomie tätig wurde, zunächst mit einem Imbiss, später mit einem Restaurant und einem Café. Seit 1950 war er mit Lea Naor verheiratet, mit der er zwei Kinder hat. Mehrere Enkel und Urenkel gehören ebenfalls zur Familie. Heute lebt Naor in Rehovot und in München.

Engagement für Erinnerung und Versöhnung

Abba Naor widmet sich seit den 90er Jahren intensiv der Erinnerung an den Holocaust. Er setzt sich für Mahnmale entlang der Todesmarschrouten ein, begleitet Gedenkfahrten für KZ-Überlebende aus Israel nach Deutschland und engagiert sich für den Schüleraustausch zwischen deutschen und israelischen Jugendlichen.

Als Zeitzeuge berichtet er in Schulen in Bayern über seine Erlebnisse und vermittelt dadurch einen persönlichen Zugang zur Geschichte, der weit über Bücher und Filme hinausgeht. Seit 2001 vertritt er ehemalige Landsberg-Häftlinge im Vorstand des internationalen Dachau-Komitees, seit 2017 ist er dessen Vizepräsident. Außerdem gehört er dem Stiftungsrat der Stiftung Bayerische Gedenkstätten an und übernahm 2018 die Schirmherrschaft des Wolf Durmashkin Composition Award in Landsberg am Lech.

2014 veröffentlichte er seine Autobiografie Ich sang für die SS. Mein Weg vom Ghetto zum israelischen Geheimdienst, in der er auch seine Zeit als Agent beschreibt. Naors Leben ist geprägt von Versöhnung, Völkerverständigung und der Förderung von Freundschaften über Ländergrenzen hinweg – Werte, die er durch sein Engagement und seine zahlreichen Initiativen aktiv vermittelt.

Würdigung der Stiftung Bayerische Gedenkstätten

Zum 98. Geburtstag würdigte die Stiftung Bayerische Gedenkstätten sein jahrzehntelanges Wirken. Direktor Karl Freller erklärte: »Wir sind Abba Naor zu tiefem Dank verpflichtet – für seine Klarheit, seine Menschlichkeit und für seine beharrliche Botschaft, dass Ausgrenzung, Hass und Antisemitismus niemals wieder Platz in unserer Gesellschaft haben dürfen.«

Die Stiftung betonte, sein Engagement für Erinnerung und Bildung sei ein unschätzbares Geschenk für kommende Generationen. im

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