Es soll ein Ort des Diskurses und der Begegnung sein: In Frankfurt öffnet in der kommenden Woche die Jüdische Akademie ihre Türen. Es ist die erste überregionale, nicht-universitäre jüdische Bildungseinrichtung in Deutschland seit der Schoa, wie der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, erklärte. Zum Festakt am Montag hat sich unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier angekündigt.
Was erhofft sich der Zentralrat von der Akademie?
»Ziel ist unter anderem, die jüdische Stimme zu gesamtgesellschaftlichen Themen besser hörbar zu machen«, erklärte Schuster. Zuletzt sei der Zentralrat dann gefragt worden, wenn es um antisemitische Vorfälle gegangen sei. Das sei natürlich richtig und wichtig. Aber: »Judentum ist mehr als Verfolgung.«
Jüdisches Leben in Deutschland sei vielfältig, diskursfreudig und gegenwärtig, heißt es auf der Homepage. Die Akademie mache diese Pluralität sichtbar. »Wir ergänzen die deutsche Bildungslandschaft um jüdische Perspektiven: auf Religion, Philosophie und Ethik, auf Geschichte und Erinnerung, auf Politik und Gesellschaft, auf Kunst, Film und Literatur.«
Laut Schuster wird die Akademie sowohl innerjüdisch als auch außerjüdisch wirken. Sie richte sich an ein breites Publikum. So habe auch der interreligiöse Dialog - sowohl christlich-jüdisch als auch muslimisch-jüdisch - eine große Bedeutung. Es gehe auch darum, Unterschiede auszuhalten und Gemeinsamkeiten zu stärken.
Akademie in Zeiten des wachsenden Antisemitismus
Wie wichtig ist die Akademie gerade in Zeiten einer erstarkenden AfD und des wachsenden Antisemitismus? »Auch wenn ich mir die heutige Zeit zu Beginn der Baumaßnahmen im Alptraum nicht vorgestellt habe, ist es wichtig, gerade jetzt auch die Normalität des Judentums in Deutschland zu zeigen«, sagte der 72-Jährige. »Zu zeigen, dass es nichts Außergewöhnliches oder Exzentrisches ist, sondern seit vielen Jahrhunderten zur deutschen Kultur gehört.«
Das Programm umfasse internationale Konferenzen, über Fachtagungen bis zur Podiumsdiskussion am Abend, heißt es auf der Homepage. Eine Kooperation gibt es auch mit der Frankfurter Goethe-Universität.
Auch Streitfragen sollen kontrovers diskutiert werden
Es gehe auch um polarisierende Themen wie den Nahost-Konflikt, sagte Schuster. Selbstverständlich sollten auch solche Debatten stattfinden und kontrovers diskutiert werden.
Zur Eröffnung der Akademie im Frankfurter Westend werden neben Steinmeier und Schuster auch Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) und Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) erwartet. Die Projektkosten in Höhe von rund 40 Millionen Euro werden vom Bund, dem Land Hessen, der Stadt Frankfurt und dem Zentralrat getragen.
Die Idee für die Akademie sei in den 2010er Jahren entstanden. Zunächst habe man sich in Berlin auf die Suche nach einem Standort gemacht, später sei man dann in Frankfurt fündig geworden. Die Mainmetropole sei ein sehr passender Standort, sagt Schuster. Zum einen gebe es hier eine sehr lebendige jüdische Gemeinde. Zum anderen sei sie zentral gelegen und gut angebunden. dpa