Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG), Charlotte Knobloch, und der aus dem Haus Wittelsbach stammende Herzog Franz von Bayern sind vom Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder auf eine besondere Weise geehrt worden. Beide sind Teil des neu eröffneten »Bayerischen Ehrenwegs« im Arkadengang zwischen der Bayerischen Staatskanzlei und dem Hofgarten.
Verewigt werden dort künftig herausragende Persönlichkeiten, die für ihre Leistungen im und für den Freistaat Bayern weithin anerkannt und geschätzt sind. Die Würdigung geschieht über in den Boden eingelassene Bronzesterne, die nicht zufällig an den Hollywood Boulevard in Los Angeles erinnern.
»Bayern bekommt einen Walk of Fame«, kündigte Söder die neue Attraktion folgerichtig in den Sozialen Medien an. Doch während in Hollywood weit über 2000 Sterne den Boulevard zieren, ist der Weg am Münchner Hofgartenbrunnenwerk, der zunächst Platz für bis zu 43 Sterne bietet, deutlich exklusiver. Der Ehrenweg solle auch bewusst nicht so prominent wahrgenommen werden wie sein Vorbild, sondern zugleich »demütig und sichtbar« sein, so Söder. Bei der Enthüllung vergangene Woche waren neben den beiden Geehrten und weiterer Prominenz auch der Leiter der Staatskanzlei, Staatsminister Florian Herrmann, Demokratieminister Manuel Knoll und der Antisemitismusbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Ludwig Spaenle, anwesend. Den typisch bayerischen Charakter des neuen Walk of Fame unterstrich nicht zuletzt auch die musikalische Begleitung: Bei der Enthüllung spielte eine Blaskapelle mit Ziehharmonika.
Bei der Enthüllung spielte eine Blaskapelle mit Ziehharmonika
Gefertigt wurden die Bronzesterne von der Kunstgießerei München unter Aslan und Hasan Göktepe in einer traditionsreichen Maxvorstädter Gusswerkstatt. Der Bayerische Ehrenweg ist natürlich nicht die erste Nachahmung des berühmten Walk of Fame in Deutschland: Neben dem »Boulevard der Stars« in Berlin bietet München selbst am Olympiasee bereits den »Munich Olympic Walk of Stars«.
Berühmt sind in Bayern vor allem auch die im 19. Jahrhundert entstandene Gedenkstätte Walhalla auf dem Bräuberg bei Donaustauf und die Ruhmeshalle an der Münchner Theresienwiese. Was zeichnet demgegenüber den Bayerischen Ehrenweg aus? »Mit dem Ehrenweg«, so der Ministerpräsident in den Sozialen Medien, »greifen wir eine Idee aus Kunst und Kultur auf, große Persönlichkeiten über Orden hinaus in der Öffentlichkeit dauerhaft zu würdigen.«
Die Auszeichnung der IKG-Präsidentin und des Herzogs zeige bereits, dass diese Ehrung sich nicht auf Persönlichkeiten aus der Unterhaltungsbranche beschränke. Die Verdienste der beiden Geehrten seien klar: »Beide haben die Demokratie geprägt, stehen für Menschlichkeit und Miteinander und sind herausragende Vorbilder weit über den Freistaat hinaus.«
Herzog Franz musste als Kind in KZ-Haft erleben, was ein faschistischer Staat anrichtet.
Gerade die langjährige Präsidentin der Münchner Kultusgemeinde stehe »nach den erlittenen Gräueln in der NS-Zeit wie kaum eine andere für Vergebung und den Wiederaufbau jüdischen Lebens«, hob Söder in seinem Statement hervor. »Sie ist Bayerns Stimme und Gewissen gegen Rassismus und Antisemitismus. Herzog Franz musste als Kind in KZ-Haft erleben, was ein autoritärer und faschistischer Staat anrichtet. Auch er hat aus seinem Erleben heraus die Kraft gefunden, für den demokratischen Rechtsstaat einzutreten. Mit dem Haus Wittelsbach steht er für die Verbindung von Tradition und Fortschritt und auch den Erhalt der Schlösser im Freistaat.«
IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch zeigte sich hocherfreut über die unerwartete, aber deshalb umso größere Ehre. »Als Bayerin und Münchnerin ist diese Würdigung für mich etwas ganz Besonderes«, erklärte sie. »Mitten in München, in direkter Nachbarschaft zur Staatskanzlei, und dann noch in so wunderbarer Gesellschaft: Ich fühle mich zutiefst geehrt, dort gemeinsam mit Herzog Franz von Bayern in einer Reihe genannt zu werden.«
Immer wieder hatte der Herzog die Beziehung zur jüdischen Gemeinde in München gepflegt und sich intensiv für die Erinnerung an die NS-Zeit eingesetzt. Erst Anfang des Monats war, auch dank seiner Unterstützung, nach jahrelanger Vorbereitung der sogenannte »Kräutergarten« neben der KZ-Gedenkstätte Dachau an die Stiftung Bayerische Gedenkstätten übertragen worden, die das Gelände als Erinnerungsort gestalten möchte.
Immer wieder hatte der Herzog die Beziehung zur jüdischen Gemeinde in München gepflegt
Die Idee des Ministerpräsidenten für den Ehrenweg unterstützt Knobloch nachdrücklich. Sie freue sich darauf, noch viele weitere Geehrte an ihrer Seite zu sehen, so die Präsidentin: »Die Idee, Menschen für ihren Einsatz für die Demokratie in Bayern auf diese Weise zu würdigen, halte ich gerade in diesen herausfordernden Zeiten für ein wichtiges und nötiges Signal«, so Knobloch. Zugleich bleibe doch ein wichtiger Unterschied zum amerikanischen Vorbild des Walk of Fame bestehen: »Den Glamour von Hollywood kann der Ehrenweg nicht versprühen – und das muss er auch nicht. Er erinnert daran, wie wichtig der Einsatz für die Demokratie bleibt, und dieser Einsatz ist manchmal auch dann nötig, wenn er nicht mit Anerkennung belohnt wird. Die Aufgabe bleibt deshalb dieselbe, für jeden Einzelnen.«