Hamburg

Espresso für die Seele

So stimmungsvoll wie im vergangenen Jahr beim JuKo in Hamburg soll es auch in diesem Februar wieder werden. Foto: Gregor Zielke

»Wie ein Espresso-Shot für die Seele, nur ohne Koffein-
Limit«: So beschreibt Aron Schuster den Jugendkongress, bei dem alljährlich jüdische junge Erwachsene aus ganz Deutschland zusammenkommen, um sich auszutauschen, zu vernetzen und zu engagieren. Der Direktor der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST), die den »JuKo« in Zusammenarbeit mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland organisiert, kennt das Format auch als einstiger Teilnehmer: »Der Jugendkongress gehörte zu meiner Studierendenzeit sicher­lich zu den Jahreshöhepunkten.«

Schuster erinnert sich an »eine einmalige Gelegenheit, neue Kontakte zu knüpfen, hochkarätige Referierende zu hören, aber auch, sich inhaltlich einzubringen«. Auch der diesjährige vom 26. Februar bis 1. März in Hamburg stattfindende JuKo wird all diese Möglichkeiten bieten.
Studierende und junge Erwachsene im Alter von 18 bis 35 Jahren, die Mitglied einer jüdischen Gemeinde in Deutschland sind, konnten sich bis vor wenigen Tagen für das Format, das unter anderem Exkursionen, Workshops und Diskussionen mit Journalisten, Politikern und Aktivisten umfasst, anmelden.

Das diesjährige JuKo-Motto lautet »Strong. Jewish. Here.«

Für Julia Markhovski und den Verband Jüdischer Studierender Hessen (VJSH) ist der Jugendkongress »weit mehr als nur ein Treffen«. Im VJSH engagiert sich die 23-Jährige als Regionalgruppensprecherin für Frankfurt am Main. Der JuKo sei »ein zentraler Ort des Empowerments«, sagt Markhovski. Das Format biete jungen Erwachsenen einen »Safe Space« und ermögliche Vernetzungen und Debatten zu gesellschaftspolitischen Themen. »Gerade in aktuellen Zeiten spüren wir den Bedarf nach diesem Austausch enorm«, so Markhovski.

»Panels und Workshops, in denen unsere jungen Gemeindemitglieder ihre Themen verhandeln, mit Politik und Gesellschaft ins Gespräch kommen, Positionen formulieren und Verantwortung übernehmen«: Für Marat Schlafstein zeigt das dichte JuKo-Programm, zu dem auch die Vollversammlung der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD) gehört, wie sehr sich das Format weiterentwickelt hat. Er sei seit über 20 Jahren auf jedem Jugendkongress dabei, sagt der Abteilungsleiter für Programme und Veranstaltungen im Zentralrat der Juden.

Für Schlafstein ist der JuKo »ein einzigartiger Ort, an dem junge Jüdinnen und Juden zusammenkommen, Freundschaften entstehen und Gemeinschaft gelebt wird, jenseits der Erfahrung, in der Mehrheitsgesellschaft oft allein zu sein«. Die seit dem 7. Oktober 2023 auch in Deutschland intensiv ansteigende Juden- und Israelfeindlichkeit hat die junge jüdische Generation offenkundig nicht zu einem Rückzug aus der Öffentlichkeit bewogen. Im Gegenteil: »Wir wollen und können nicht isoliert bleiben, denn wir sind ein fester Teil dieser pluralistischen Gesellschaft«, sagt Julia Markhovski. Von diesem zupackenden Selbstverständnis zeugt auch das diesjährige JuKo-Motto »Strong. Jewish. Here.«.

»Der JuKo ist eine Oase, ein Tempel, eine Akademie.«

Kiril Denisov

»Junge Jüdinnen und Juden haben in den letzten Jahren bemerkenswert resiliente Stärke bewiesen«, unterstreicht Kiril Denisov. »Im Hier und Jetzt sind wir bereit, Verantwortung dafür zu übernehmen, dass wir in Deutschland eine lebenswerte Zukunft haben«, sagt der JSUD-Vizepräsident. Ein »großes Interesse an politischer Partizipation« sieht auch Rebecca Vaneeva bei jungen Jüdinnen und Juden. Das diesjährige JuKo-Motto »soll vermitteln, dass jüdisches Leben ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft ist«, sagt die in Hamburg ansässige Vizepräsidentin des Verbandes Jüdischer Studierender Nord.

Jüdisch zu sein, das sei eben viel mehr als die ständige Bedrohung durch Antisemitismus, so Vaneeva. »Genau das tun wir dort: jüdisches Leben in all seinen Facetten zelebrieren«, sagt Julia Markhovski über den Jugendkongress. Für die unterschiedlichen Facetten des Judentums – politisch, kulturell, spirituell – biete der JuKo einen Raum, weiß Marat Schlafstein. »70 Stunden pulsierendes junges jüdisches Leben«: Auf diese Formel bringt Aron Schuster das mehrtägige Format.

Zum diesjährigen JuKo-Programm zählen unter anderem Auftritte der israelischen Autorin Orit Mark Ettinger und von Iris Chaim, Mutter einer von der Hamas ermordeten Geisel. Ebenso sind Gespräche mit Bundesbildungs- und Familienministerin Karin Prien sowie mit Katharina von Schnurbein, Antisemitismuskoordinatorin der EU-Kommission, und dem Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung, Felix Klein, geplant. Am Samstagabend steigt die traditionelle JuKo-Party, seinen Abschluss findet der Kongress mit einer Debatte zur Wehrpflicht und der JSUD-Vollversammlung.

Bei aller politischen Relevanz ist der Jugendkongress auch ein sozialer Raum

Nicht nur aus diesem Grund ist der Jugendkongress ein Fixpunkt im Jahreskalender der Jüdischen Studierendenunion. »Dort kommen viele unserer Mitglieder zusammen, um neue Menschen kennenzulernen und alte Freundinnen und Freunde wiederzusehen«, sagt Kiril Denisov. Für ihn persönlich ist der JuKo auch ein Kompass: »Durch den Austausch entdecke ich neue Wege und erfahre, welche Lebenspfade andere gerade gehen oder künftig einschlagen möchten.« Julia Markhovski gibt der Kongress »den nötigen Rückhalt«. Und auch Rebecca Vaneeva helfen die vielfältigen Impulse und Gespräche während des JuKo, ihre Resilienz zu stärken.

Bei aller politischen Relevanz ist der Jugendkongress auch ein sozialer Raum, der über das offizielle Programm hinausgeht. Marat Schlafstein erwähnt »die Gespräche bis spät in die Nacht sowie die legendären Partys und Zimmerpartys« – auch wenn sich sein persönlicher Blick darauf im Laufe der Jahre verändert habe. Den Stellenwert gemeinsam erlebter Freude hebt auch Kiril Denisov hervor: »Es ist jedes Mal besonders heilsam, so viel Simcha mit vielen anderen jungen Jüdinnen und Juden zu teilen.« Der Jugendkongress wirke auf ihn »zugleich wie eine Oase, ein Tempel und eine Akademie«.

Aus langjähriger Erfahrung kennt Marat Schlafstein einen weiteren Aspekt. Der JuKo sei nämlich ein Ort, »an dem man nicht nur sich selbst, sondern manchmal auch seinen Partner fürs Leben findet«.

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