Talmudisches

Granatapfel

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Talmudisches

Granatapfel

Was unsere Weisen über das Sinnbild der Fülle lehren

von Chajm Guski  15.08.2025 09:27 Uhr

Welche Frucht könnte das Judentum symbolisieren? Vielleicht der Etrog? Den könnte man auch einfach für eine Zitrone halten. Doch der Granatapfel (hebräisch: Rimon) wäre das perfekte Symbol.

Bereits in der Tora wird der Granatapfel als eine der »Schiwat Haminim«, der Sieben Arten, erwähnt, für die das Land Israel gepriesen wird. So heißt es (5. Buch Mose 8,8): »Ein Land des Weizens, der Gerste, der Trauben, der Feigen und des Granatapfels; ein Land der Oliven und des Dattelhonigs.«

Eine der sieben Früchte, welche die Fruchtbarkeit des Landes beweisen sollen

Über die zwölf Kundschafter, die das Land Israel erkundeten, heißt es: »Und sie kamen bis zum Tal Eschkol und schnitten dort eine Rebe mit einer Weintraube ab … und von den Granatäpfeln und von den Feigen« (4. Buch Mose 13,23). Diese Früchte sollten die Fruchtbarkeit des Landes beweisen.

Nachbildungen von Granatäpfeln sind aber auch ein Bestandteil der Kleidung der Kohanim, der Priester (2. Buch Mose 28, 33–34): »Und du sollst an seinem Saum Granatäpfel machen aus blauem und rotem Purpur und Karmesin ringsherum und zwischen sie goldene Schellen auch ringsherum.« Später, im Tempel von König Schlomo, begegnet uns der Granat­apfel erneut: »Und er machte die Säulen mit zwei Reihen rundherum an jedem Kapitell, um die Kapitelle zu bedecken, die auf der Spitze Granatäpfel waren« (1. Könige 7,18).

Warum der Rimon Teil der Priesterkleidung und später sogar des Tempels war, wird verständlicher, wenn man betrachtet, wofür er außer für Fruchtbarkeit noch steht. In Berachot (57a) heißt es: »Wer im Traum Granatäpfel sieht, wird, wenn sie klein sind, sein Geschäft blühen lassen wie die Samen des Granatapfels, und wenn sie groß sind, wird sein Geschäft wachsen wie ein Granatapfel. Wer in seinem Traum Granatapfelscheiben gesehen hat, sollte – wenn er ein Tora­gelehrter ist – auf die Tora hoffen, wie es heißt: ›Ich will dich von gewürztem Wein trinken lassen, von dem Saft meines Granatapfels‹ (Schir Haschirim 8,2). Und wenn der Träumende ein Unwissender ist, sollte er auf die Mizwot hoffen, wie es heißt: ›Deine Schläfen sind wie ein gespaltener Granatapfel‹ (Schir Haschirim 4,3). Was ist die Bedeutung des Wortes ›Deine Schläfen – rakatech‹? Selbst die Unwissendsten – rejkanim – unter euch, Israel, sind voll von Mizwot, wie ein Granatapfel (voll von Kernen ist).«

Auch Resch Lakisch formuliert es in diesem Sinne im Traktat Sanhedrin (37a). Und wenn unsere Weisen im Traktat Megilla (6a) die Bezeichnung der Stadt Tiberias diskutieren, wird dieses Wortspiel erneut aufgegriffen: »Und warum wurde Tiberias Rakkat genannt? Weil selbst die leeren – rejkanim – von Tiberias so voll von Mizwot sind, wie ein Granatapfel voller Kerne ist.«

Rabbi Meir vergleicht das Verhältnis zu seinem Lehrer mit einem Granatapfel

Darum scheint es im Wesentlichen zu gehen: um den Inhalt der Granat­äpfel. Wenn über Rabbi Meir berichtet wird, der ein Schüler von Rabbi Elischa ben Awuja, genannt Acher, war und später dem Judentum den Rücken kehrte, wird sein Verhältnis zu seinem Lehrer mit einem Granatapfel verglichen: »Rabbi Meir fand einen Granatapfel, aß sein Inneres und warf seine Schale weg« (Chagiga 15b). Er nahm also die Tora an, verwarf jedoch die häretischen Ansichten darüber hinaus. Das Innere des Granatapfels steht also für die guten Dinge, die man in jemandem erkennen soll.

Das jüdische Volk steckt »voller Mizwot«, also auch derjenige, der einem gegenübersteht. Dieser positi­ve Ansatz wird auch in der Kleidung der Kohanim und im Tempel architektonisch ausgedrückt. Nicht nur zu Rosch Haschana ist das ein Zeichen.

In der Mischna (Pessachim 7) wird berichtet, dass die getrockneten Äste des Granatapfelbaums dazu verwendet wurden, das Pessachopfer zu braten. Das hatte natürlich praktische Gründe, verbindet jedoch symbolisch beide »Enden« des Jahres miteinander – und mit ihnen die Symbolik des Rimon.

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