Im Gespräch mit der »Welt« hat sich der Kabarettist Dieter Nuhr kritisch zur politischen Debattenkultur in Deutschland geäußert und dabei auch den Umgang mit der AfD thematisiert. Besonders die sogenannte »Brandmauer«-Strategie gegen die Partei sieht er skeptisch.
Nuhr sagte, er halte es für einen Fehler, die AfD politisch konsequent auszuschließen. In einer funktionierenden Demokratie werde ein erheblicher Teil der Wählerschaft sonst faktisch ignoriert. Die Dämonisierung der Partei habe ihr eher genutzt als geschadet, so seine Einschätzung.
Zugleich betonte er, das bedeute keine Zustimmung zu Inhalten der AfD. Nach seiner Darstellung hat die Partei bislang keine tragfähigen Lösungen für zentrale politische Probleme vorgelegt. Gerade deshalb sei es kontraproduktiv, ihr dauerhaft die politische Bühne zu entziehen. Wenn sie stärker in Debatten eingebunden würde, so Nuhrs Argumentation, würde deutlicher werden, wie widersprüchlich ihre Positionen seien.
Kritisch äußerte er sich auch zur öffentlichen Wahrnehmung der Partei. Die AfD profitiere seiner Meinung nach davon, dass sie sich oft im Hintergrund halte und dadurch weniger Angriffsfläche biete.
Auf die Frage nach der politischen Zukunft und der Rolle der AfD in der Bundespolitik sagte Nuhr schließlich mit Blick auf deren mögliche Regierungsverantwortung: Sollte Alice Weidel Bundeskanzlerin werden, erklärte er knapp, dann »bin ich weg«.
Zuvor hatte Nuhr der Jüdischen Allgemeinen ein Interview gegeben, in dem er unter anderem über Judenhass in Deutschland, den 7. Oktober, Israel und Geschmacksgrenzen sprach. im