Nachrichten

Wachmann, Sekretärin, Fahne

Gedenkstätte Sachsenhausen Foto: imago images/Jürgen Ritter

Früherer KZ-Wachmann angeklagt
Die Staatsanwaltschaft Neuruppin hat einen früheren Wachmann des Konzentrationslagers Sachsenhausen wegen Beihilfe zum Mord angeklagt. Das teilte sie am vergangenen Montag auf Nachfrage mit. Zuvor hatte der »Norddeutsche Rundfunk« darüber berichtet. Der Angeklagte ist dem NDR zufolge 100 Jahre alt, aber nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft verhandlungsfähig. Der Sender berichtete unter Berufung auf das Landgericht Neuruppin, der Mann solle von 1942 bis 1945 im KZ Sachsenhausen nahe Berlin wissentlich und willentlich Hilfe zur grausamen Ermordung von Lagerinsassen geleistet haben. Dem Bericht zufolge geht es um Beihilfe zum Mord in 3518 Fällen. Ob es zu der Verhandlung kommt, war zunächst offen. Seit dem Urteil gegen den KZ-Aufseher John Demjanjuk 2011 besteht die Justiz nicht mehr auf dem oft unmöglichen Nachweis individueller Schuld. Auch die allgemeine Dienstausübung in einem Lager, in dem erkennbar systematische Massenmorde stattfanden, kann juristisch geahndet werden. Im KZ Sachsenhausen waren zwischen 1936 und 1945 nach Angaben der dortigen Gedenkstätte mehr als 200.000 Menschen inhaftiert. Zehntausende Häftlinge kamen dort durch Hunger, Krankheiten, Zwangsarbeit, medizinische Versuche und Misshandlungen um oder wurden Opfer systematischer Vernichtungsaktionen. Der Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, Christoph Heubner, sagte über die Anklage des ehemaligen KZ-Wachmanns: »Für die hochbetagten Überlebenden der deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager ist auch dieser Prozess ein wichtiges Beispiel dafür, dass die Gerechtigkeit kein Verfallsdatum kennt und die Verfolgung der SS-Täter auch im hohen Alter kein Ende finden darf.« dpa/ja

Anklage gegen KZ-Sekretärin
Auch gegen eine ehemalige Schreibkraft des deutschen Konzentrationslagers Stutthof bei Danzig wird Anklage wegen Beihilfe zum Mord und zum versuchten Mord erhoben. Die heute 95 Jahre alte Frau soll als Sekretärin des Lagerkommandanten mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag zum Funktionieren des KZs geleistet haben. Der Angeschuldigten aus dem Kreis Pinneberg werde Beihilfe zum Mord in 10.000 Fällen und in weiteren Fällen Beihilfe zum versuchten Mord im Zeitraum von 1943 bis 1945 vorgeworfen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Zuerst berichtete das »Hamburger Abendblatt« Die Anklage erfolgte nach Angaben des Sprechers in der vergangenen Woche am Landgericht Itzehoe. Zuständig sei die Jugendkammer, weil die Frau zum Zeitpunkt der Taten heranwachsend war. Die Ermittlungen liefen seit 2016. Es sei ein sehr komplexes und aufwendiges Verfahren, bei dem Zeugen in den USA und in Israel vernommen wurden. Auch ein Historiker wurde mit Nachforschungen beauftragt. dpa/ja

Israels Fahne herausgeschnitten
Unbekannte haben aus einer Fahne der Stadt Neubrandenburg die Flagge Israels und den Schriftzug der Partnerstadt Nazareth herausgeschnitten. Wie die Stadtverwaltung am Montag mitteilte, ereignete sich der Vorfall vor wenigen Tagen am südlichen Eingangsbereich der Stadt an der Bundesstraße 96. Anwohner hätten ihn gemeldet. Neubrandenburg ist seit 1998 die einzige offizielle Partnerstadt von Nazareth, was unter anderem auf die seit Jahren stattfindenden Jugendreisen des Neubrandenburger Dreikönigsvereins zurückgeht. Weitere Partnerstädte sind das polnische Koszalin, das russische Petrosawodsk und das italienische Collegno. Die Stadt habe Anzeige erstattet. dpa/ja

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