Berlin

Deutsch-Israelische Gesellschaft kritisiert geplante deutsche Millionenhilfen für UNRWA

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) hat die Bundesregierung scharf dafür kritisiert, das umstrittene Palästinenserhilfswerk UNRWA im kommenden Jahr erneut finanziell unterstützen zu wollen. Nach Medienberichten plant das Auswärtige Amt, weitere 18 Millionen Euro bereitzustellen.

Die DIG spricht von einem schweren Fehler – und verweist auf Israels Hinweise zu Verbindungen zwischen UNRWA-Personal und Terrororganisationen.

DIG-Präsident Volker Beck fand deutliche Worte: »Die DIG lehnt jede finanzielle Unterstützung des UNRWA entschieden ab.« Humanitäre Hilfe im Gazastreifen sei zwar notwendig, betonte er, doch der bisherige Weg sei falsch. »Sie darf nicht über einen Kanal erfolgen, der in die terroristischen Aktivitäten der Hamas verstrickt war und ist.«

Als Alternativen nannte Beck andere UN-Organisationen und internationale Hilfswerke, über die Hilfen problemlos abgewickelt werden könnten.

Beck erinnerte daran, dass sich die Bundesregierung selbst zu strengen Vorgaben entschieden habe. »Der Koalitionsvertrag verpflichtet die Bundesregierung, keine Organisationen zu fördern, die antisemitische Inhalte verbreiten oder Israels Existenzrecht delegitimieren.« Zusätzlich verweise §10 des Haushaltsgesetzes eindeutig darauf, dass keine Gelder an Empfänger fließen dürfen, »die terroristische Vereinigungen unterstützen.« Aus Sicht der DIG widerspreche eine erneute Finanzierung des UNRWA beiden Vorgaben.

Untergrabung der Perspektive auf einen Frieden

Israels Regierung hatte zuletzt mehrfach detailliert dargelegt, dass Hunderte UNRWA-Mitarbeiter im Gazastreifen Verbindungen zur Hamas oder zum Islamischen Dschihad haben. Besonders heikel sei der Bildungsbereich.

Beck sagte dazu: »Auch im Bildungssektor, dem sensibelsten Bereich, stehen Lehrkräfte und Funktionäre im Verdacht, Hamas-Mitglieder zu sein.« Wer eine solche Struktur finanziere, trage Mitverantwortung: »Das gefährdet nicht nur Israels Sicherheit, sondern untergräbt auch Perspektiven auf einen Frieden.«

Lesen Sie auch

»Die UNRWA ist Teil des Problems, nicht Teil der Lösung«, betonte Beck. Die in den vergangenen Jahren von der Bundesregierung geforderten Reformschritte seien nicht erkennbar. Von den im Koalitionsvertrag versprochenen »umfangreichen Reformen« als Voraussetzung für weitere Zahlungen sei »weit und breit nichts zu sehen«.

Kritik richtet sich auch gegen die deutsche Verwaltungspraxis: »Seit Jahren hält die Bundesregierung ihre Prüfberichte zum UNRWA vor der Öffentlichkeit geheim«, so Beck. Die DIG habe deshalb beim Verwaltungsgericht Köln Klage eingereicht, um Einsicht in die Prüfunterlagen des Bundesentwicklungsministeriums zu erzwingen. Wenn Ministerien trotz bekannter Risiken weiterhin hohe Summen freigäben, »müssen sie offenlegen, auf welcher Grundlage diese Entscheidungen getroffen werden«. Transparenz sei unverzichtbar.

Israel dokumentiert seit geraumer Zeit Verbindungen zwischen UNRWA-Personal und Terrorgruppen sowie die Nutzung von UNRWA-Einrichtungen durch die Hamas. In Jerusalem verweist man unter anderem auf ein umfangreiches Dossier mit dem Titel »The Connection Between UNRWA and Hamas«, das detailliert Strukturen und personelle Überschneidungen beschreibt. im

Meinung

Wie Israel zum Juden unter den Staaten gemacht wird

Antisemitismus zeichnet sich dadurch aus, dass er keine empirischen Grundlagen braucht, um zu existieren - weder in der UN noch anderswo

von Jacques Abramowicz  25.06.2026

Hamburg

Wie ein iranischer Jude auf Israel und den Iran blickt

Armin Levy ist Jude, Perser und Hamburger. Bei den aktuellen Gesprächen zwischen den USA und dem Iran glaubt er nicht an echten Frieden. Warum er jedes Abkommen mit dem Mullah-Regime ablehnt

von Christiane Tauer  25.06.2026

Berlin-Neukölln

Martin Hikel rügt Bildungsstadträtin

Janine Wolter hatte auf Instagram die Story eines israelfeindlichen Aktivisten gepostet

 25.06.2026

Essay

Das Kopftuch, der Zwang und die Freiheit

Die radikalen Kräfte in der muslimischen Community bestimmen zunehmend den Kurs. Wenn dies ohne Gegenwehr von den moderaten Kräften hingenommen wird, ist irgendwann der Kipppunkt erreicht

von Daniel Neumann  25.06.2026

Handel

Schiffsverkehr in Straße von Hormus normalisiert sich

Seit Monaten stecken Schiffe in der wichtigen Meerenge am Persischen Golf fest. Jetzt zeigen erste Auswertungen, dass sich der Verkehr normalisiert. Aber was war mit der Gefahr vor Seeminen?

 25.06.2026

Nahost

Oman: Keine Gebühren an der Straße von Hormus geplant

Aus Sicht der USA kann der Iran für die Passage der Straße von Hormus keine See-Maut verlangen – weder in den Verhandlungen über 60 Tage noch danach. Auch Maskat äußert sich in diese Richtung

 25.06.2026

Gutachten

Chancen für AfD-Verbotsantrag stehen gut

Eine Gruppe von Experten hat das Grundsatzprogramm der AfD, ihre Wahlprogramme und die Parlamentsanträge analysiert. Auch Äußerungen von Funktionären wurden für das Gutachten ausgewertet

 25.06.2026

New York

Hamas-Unterstützerin Aber Kawas gewinnt Vorwahlen in New York

Die palästinensisch-amerikanische Demokratin machte den Nahost-Konflikt und soziale Fragen zum Kernthema ihres Wahlkampfes

von Imanuel Marcus  25.06.2026

Brüssel

EU legt Mitgliedstaaten Konzept für Libanon-Einsatz vor

Die Mission soll die libanesische Polizei und Armee stärken. Stimmen Deutschland und die anderen Mitgliedstaaten zu?

 25.06.2026