Iran-Krieg

440 Kilo Uran: Zentraler Streitpunkt mit dem Iran

Foto: picture alliance / Zoonar

Der Krieg mit dem Iran kann aus Sicht des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanjahu erst beendet werden, wenn hoch angereichertes Uran aus dem Land entfernt worden ist. Netanjahu bekräftigte im Gespräch mit dem US-Sender CBS in der Sendung »60 Minutes«, das angereicherte Material müsse vollständig »aus dem Iran entfernt werden«. 

Teherans Atomprogramm gilt als größter Knackpunkt bei den Bemühungen um eine Beilegung des Konflikts. Laut Experten soll ausreichend Material in der Islamischen Republik sein, um mehrere Atombomben zu bauen – insbesondere rund 440 Kilogramm auf 60 Prozent angereichertes Uran wirft Fragen auf.

Was ist über den Verbleib des angereicherten Urans bekannt?
Nach Einschätzung von Rafael Grossi, dem Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), dürfte das meiste Material in unterirdischen Tunnelanlagen des Nuklearstandorts Isfahan lagern, ein weiterer Teil in der Atomanlage in Natans. Seit den israelischen und US-Angriffen auf Irans Atomprogramm hat die IAEA jedoch keinen Zugang mehr zu den betroffenen Einrichtungen und damit auch keine unabhängige Kontrolle über das dort vermutete Material.

Vor den ersten Angriffen auf das Atomprogramm im Juni 2025 hatte der US-Atomexperte David Albright geschätzt, dass der Iran das 60-prozentige Uran binnen weniger Wochen auf waffentaugliche 90 Prozent weiter anreichern könnte. Um daraus eine Atombombe zu bauen, würde es aber mindestens sechs Monate oder auch deutlich länger brauchen, heißt es von Experten.

Wie realistisch ist eine Bergung des Materials?
US-Präsident Donald Trump hat in der Vergangenheit angegeben, das Uran physisch bergen zu wollen. Es solle dann in die USA gebracht werden. Aus Teheran kam Widerspruch: Ein Transfer des Materials in die USA sei nie eine Option gewesen.

IAEA-Chef Grossi erklärte gegenüber PBS, eine Bergung sei grundsätzlich möglich, erfordere jedoch Sicherheitsvorkehrungen. Das gasförmige Uran befinde sich in zylinderförmigen Behältern. Die größte Gefahr geht nach Grossis Angaben von der Giftigkeit des Materials aus. Gegen radioaktive Strahlung könnten vergleichsweise einfache Schutzmaßnahmen wie Atemschutz helfen.

Wie wahrscheinlich ist ein Militäreinsatz zur gewaltsamen Bergung?
Der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz hält einen militärischen Zugriff auf die Lagerorte zwar theoretisch für möglich, praktisch jedoch für äußerst schwierig. Ein Einsatz würde bedeuten, die Atomanlagen Isfahan und Natans sowie deren Umgebung über mehrere Tage hinweg unter Kontrolle zu bringen – unter feindlichen Bedingungen und vermutlich anhaltenden Gegenangriffen. Zudem sei von verminten Gebieten auszugehen. Insgesamt handele es sich um einen »extrem komplexen Vorgang« mit ungewissem Ausgang, sagte er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. »Wenn es so einfach wäre, hätte man es wohl schon lange getan.«

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Ist es mit der Bergung getan?
Selbst eine Sicherung des Materials würde das Grundproblem nicht lösen. Mehrere Tonnen an weiteren Uranbeständen sowie das technische Know-how des Iran blieben erhalten. IAEA-Chef Grossi hat darauf hingewiesen, dass der Iran seine von Israel und den USA zerstörten Anlagen zur Urananreicherung wieder aufbauen könnte.

Teheran betont seit Jahren, die Islamische Republik wolle keine Atomwaffen bauen. Die IAEA hat aber auf Aussagen von offiziellen iranischen Vertretern hingewiesen, wonach die Islamische Republik theoretisch über alle Elemente zur Entwicklung solcher Waffen verfüge. 

Bleibt Irans Uran der Stolperstein für Trump?
Für Trump ist die Herausgabe des hochangereicherten Urans ein zentrales Ziel. Seine Sprecherin Karoline Leavitt bezeichnete sie jüngst als eine der roten Linien der US-Regierung in den Verhandlungen mit Teheran. Sollte es nicht gelingen, die Bestände außer Landes zu bringen, dürfte es für Trump schwierig werden, ein Ende des Konflikts als Erfolg darzustellen. Ein Kernpunkt seiner Linie bleibt unverändert: Der Iran darf keine Atomwaffe besitzen.

Wie ist die Haltung Teherans?
Der Iran ist zu weiteren technischen Diskussionen über eine Lösung bereit, sobald die USA das Recht des Landes auf ein eigenständiges Atomprogramm akzeptieren. Teheran würde dann die Zusammenarbeit mit der IAEA wieder aufnehmen. Der Iran könnte dann laut Außenminister Abbas Araghtschi das hochangereicherte Uran etwa unter Aufsicht der IAEA verdünnen. Das Problem: Da der Iran seine modernen Zentrifugen behalten will, könnte das Material theoretisch jederzeit wieder auf ein waffenfähiges Niveau angereichert werden.

Eine zweite, von Fachleuten als wirksamer beschriebene Methode, ist, das Material in einem Drittland zu lagern, zu verarbeiten oder in weniger sensibles Material umzuwandeln. Russland hat angeboten, das im Iran angereicherte Uran zu übernehmen. Teheran soll sich jedoch gegen diesen Transfer stellen.

Wozu raten Experten?
Citrinowicz warnt davor, dem iranischen Machtapparat die Kontrolle über das angereicherte Uran zu belassen. Das schlechteste Szenario wäre aus seiner Sicht ein Rückzug der USA aus der Region bei gleichzeitiger Abhängigkeit von Geheimdienstinformationen zur Überwachung des Programms. Dies könne dazu führen, dass der Iran innerhalb kurzer Zeit einen Atomtest durchführe. Selbst ein Abkommen, das die iranische Führung politisch stärke, sei daher vorzuziehen, wenn es die Uranbestände wirksam begrenze oder aus dem Land bringe. Auch Grossi hat eine dauerhafte diplomatische Lösung gefordert – denn ungelöste Detailfragen zum iranischen Uran könnten zu einem weiteren militärischen Konflikt führen, warnte er. dpa

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