Iran

Ist Modschtaba Chamenei noch am Leben?

Modschtaba Chamenei ist der »Oberste Führer« des Iran. Foto: picture alliance / Newscom

Iran

Ist Modschtaba Chamenei noch am Leben?

Äußerungen aus dem Umfeld der Regierung von Präsident Masoud Peseschkian lassen aufhorchen

 10.08.2026 17:36 Uhr

Seit Tagen mehren sich Berichte über den Gesundheitszustand des iranischen Revolutionsführers Modschtaba Chamenei. Nun wird sogar spekuliert, der 57-Jährige befinde sich in einem »äußerst kritischen Zustand« und könnte bald sterben. Eine unabhängige Bestätigung dafür gibt es bislang nicht.

Das iranische Exilmedium »IranWire« beruft sich auf Quellen aus dem Umfeld der Regierung von Präsident Masoud Peseschkian. Eine dieser Quellen erklärte demnach: »Wir wären nicht überrascht, wenn wir bald die Nachricht von seinem Märtyrertod hören würden.«

Die Gerüchte fallen in eine ungewöhnliche Phase für die Islamische Republik. Seit seiner Ernennung zum Obersten Führer Anfang März ist Chamenei kaum öffentlich in Erscheinung getreten. Selbst bei der Beisetzung seines Vaters, Ayatollah Ali Chamenei, soll er im vergangenen Monat nicht anwesend gewesen sein.

Rätselhafte Abwesenheit

Modschtaba Chamenei übernahm das höchste politische und religiöse Amt des Iran nach dem Tod seines Vaters bei US-israelischen Angriffen. Seither ranken sich Spekulationen um mögliche Verletzungen. Frühere Berichte sprachen zunächst von einem gebrochenen Fuß und leichteren Verletzungen. Andere Darstellungen gingen dagegen von erheblichen Verletzungen an Gesicht und Beinen aus.

Für neue Spekulationen sorgte in der vergangenen Woche Präsident Peseschkian. Er erklärte, die Kommunikation mit dem Obersten Führer sei derzeit »sehr schwierig«.

Nach einem Bericht von »Iran International« soll der Präsident seinen Amtskollegen anschließend an einem geheim gehaltenen Ort in Teheran getroffen haben. Chamenei habe sich dabei in einem Fahrzeug mit abgedunkelten Scheiben befunden, sodass Peseschkian ihn nicht sehen konnte. Später habe der Präsident sogar gefragt, ob die Stimme, die er gehört hatte, tatsächlich die des Obersten Führers gewesen sei.

Auch Berichte über einen möglichen Krankenhausaufenthalt haben die Spekulationen verstärkt. Ein iranischer Sender berichtete unter Berufung auf Quellen im Iran, Chamenei befinde sich in einem »äußerst kritischen Zustand«.

Lesen Sie auch

Weitreichende Folgen

»IranWire« zufolge soll der Oberste Führer zudem seit den Angriffen, bei denen sein Vater und weitere Familienangehörige getötet wurden, kein Mitglied seines Kabinetts persönlich getroffen haben. Ob diese Berichte zutreffen, lässt sich unabhängig nicht überprüfen.

Sollten sich die Gerüchte über einen lebensbedrohlichen Zustand tatsächlich bestätigen, könnte dies für die Islamische Republik weitreichende Folgen haben. Ein erneuter Wechsel an der Spitze des Staates innerhalb weniger Monate würde Iran mitten im Konflikt mit den USA womöglich in eine schwere politische Krise stürzen.

Experten sehen insbesondere die Möglichkeit eines Machtkampfes zwischen Hardlinern und pragmatischeren Kräften. Während die Hardliner den Krieg fortsetzen wollen, könnten andere Teile des politischen Establishments auf ein Ende der Kämpfe drängen. Ein solcher Konflikt könnte die Entscheidungsfähigkeit der iranischen Führung erheblich beeinträchtigen.

Wachsender Einfluss

Eine besondere Rolle könnten dabei die Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) spielen. Beobachter sehen bereits in Modschtaba Chameneis Aufstieg einen Beleg für den wachsenden Einfluss der mächtigen Eliteeinheit. Sein Machtantritt erfolgte unmittelbar nach dem Tod seines Vaters und während eines schweren militärischen Konflikts.

Ein möglicher Tod Modschtaba Chameneis könnte den Einfluss des Amtes des Obersten Führers schwächen, ohne zwangsläufig das gesamte politische System zu Fall zu bringen. Gleichzeitig wäre eine weitere Erschütterung der Führung innerhalb von weniger als einem halben Jahr ein erhebliches Risiko für die Stabilität des Landes.

Auch soziale Unruhen sind nicht auszuschließen. Die Unzufriedenheit in Teilen der iranischen Bevölkerung ist groß. In sozialen Netzwerken kursieren bereits Berichte über regimekritische Rufe gegen Modschtaba Chamenei. Sollte tatsächlich ein zweiter Oberster Führer innerhalb weniger Monate sterben, könnte dies neue Proteste auslösen. im

Berlin

Elif Eralp möchte Benjamin Netanjahu verhaften lassen

Die Linken-Spitzenkandidatin in Berlin bezichtigt Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu schwerer Verbrechen

 04.09.2026

Kommentar

Wladimir Putin setzt auf unsere Langsamkeit

Konsulatsschließungen fangen keine Drohnen ab, Sanktionen schützen keinen Flughafen. Deutschland muss gegenüber Russland eine härtere Gangart einschlagen, fordert der grüne Europapolitiker Sergey Lagodinsky

von Sergey Lagodinsky  04.09.2026

Jerusalem

»... dann werden wir Iran in die Steinzeit zurückversetzen«

Für den Fall eines erneuten Angriffs auf Israel droht Verteidigungsminister Israel Katz dem Mullah-Regime mit massiven Vergeltungsschlägen

 04.09.2026

Israel-Hasserin El Hissy

Jüdische Gemeinde Frankfurt übt scharfe Kritik am Börsenverein des Deutschen Buchhandels

Die Hintergründe

 04.09.2026

Stuttgart

Wie Fans Attentäter feiern - und welche Gefahren das birgt

Attentätern wird oft in sozialen Netzwerken gehuldigt. Eine Studie der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württember zeigt, wie leicht gerade Minderjährige an solche Inhalte kommen

von Marco Krefting  04.09.2026

Sachsen-Anhalt

BSW-Spitzenkandidatin bereit zu Kooperation mit AfD

Politik müsse sich an Inhalten orientieren, sagte Claudia Wittig im ARD-Morgenmagazin

 04.09.2026

Interview

Historikerin: AfD will Erinnerung an NS-Zeit und Holocaust ausradieren

Die Holocaust-Forscherin Andrea Löw über jüdisches Leben in der NS-Zeit, die bevorstehende Wahl in Sachsen-Anhalt und Parallelen zwischen NSDAP und AfD

 04.09.2026

Erfurt

Regierungskrise in Thüringen: BSW-Fraktion zerfällt

Der Streit im BSW spitzt sich zu: Weitere Abgeordnete verlassen die regierungstragende Fraktion im Landtag und die Partei

 04.09.2026 Aktualisiert

Brüssel

Europäische Rabbinerkonferenz legt Sieben-Punkte-Plan gegen Hass vor

Die Organisation fordert in einem neuen Papier ein konsequenteres Vorgehen von Staat und Gesellschaft gegen Antisemitismus

 04.09.2026