Seit Tagen mehren sich Berichte über den Gesundheitszustand des iranischen Revolutionsführers Modschtaba Chamenei. Nun wird sogar spekuliert, der 57-Jährige befinde sich in einem »äußerst kritischen Zustand« und könnte bald sterben. Eine unabhängige Bestätigung dafür gibt es bislang nicht.
Das iranische Exilmedium »IranWire« beruft sich auf Quellen aus dem Umfeld der Regierung von Präsident Masoud Peseschkian. Eine dieser Quellen erklärte demnach: »Wir wären nicht überrascht, wenn wir bald die Nachricht von seinem Märtyrertod hören würden.«
Die Gerüchte fallen in eine ungewöhnliche Phase für die Islamische Republik. Seit seiner Ernennung zum Obersten Führer Anfang März ist Chamenei kaum öffentlich in Erscheinung getreten. Selbst bei der Beisetzung seines Vaters, Ayatollah Ali Chamenei, soll er im vergangenen Monat nicht anwesend gewesen sein.
Rätselhafte Abwesenheit
Modschtaba Chamenei übernahm das höchste politische und religiöse Amt des Iran nach dem Tod seines Vaters bei US-israelischen Angriffen. Seither ranken sich Spekulationen um mögliche Verletzungen. Frühere Berichte sprachen zunächst von einem gebrochenen Fuß und leichteren Verletzungen. Andere Darstellungen gingen dagegen von erheblichen Verletzungen an Gesicht und Beinen aus.
Für neue Spekulationen sorgte in der vergangenen Woche Präsident Peseschkian. Er erklärte, die Kommunikation mit dem Obersten Führer sei derzeit »sehr schwierig«.
Nach einem Bericht von »Iran International« soll der Präsident seinen Amtskollegen anschließend an einem geheim gehaltenen Ort in Teheran getroffen haben. Chamenei habe sich dabei in einem Fahrzeug mit abgedunkelten Scheiben befunden, sodass Peseschkian ihn nicht sehen konnte. Später habe der Präsident sogar gefragt, ob die Stimme, die er gehört hatte, tatsächlich die des Obersten Führers gewesen sei.
Auch Berichte über einen möglichen Krankenhausaufenthalt haben die Spekulationen verstärkt. Ein iranischer Sender berichtete unter Berufung auf Quellen im Iran, Chamenei befinde sich in einem »äußerst kritischen Zustand«.
Weitreichende Folgen
»IranWire« zufolge soll der Oberste Führer zudem seit den Angriffen, bei denen sein Vater und weitere Familienangehörige getötet wurden, kein Mitglied seines Kabinetts persönlich getroffen haben. Ob diese Berichte zutreffen, lässt sich unabhängig nicht überprüfen.
Sollten sich die Gerüchte über einen lebensbedrohlichen Zustand tatsächlich bestätigen, könnte dies für die Islamische Republik weitreichende Folgen haben. Ein erneuter Wechsel an der Spitze des Staates innerhalb weniger Monate würde Iran mitten im Konflikt mit den USA womöglich in eine schwere politische Krise stürzen.
Experten sehen insbesondere die Möglichkeit eines Machtkampfes zwischen Hardlinern und pragmatischeren Kräften. Während die Hardliner den Krieg fortsetzen wollen, könnten andere Teile des politischen Establishments auf ein Ende der Kämpfe drängen. Ein solcher Konflikt könnte die Entscheidungsfähigkeit der iranischen Führung erheblich beeinträchtigen.
Wachsender Einfluss
Eine besondere Rolle könnten dabei die Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) spielen. Beobachter sehen bereits in Modschtaba Chameneis Aufstieg einen Beleg für den wachsenden Einfluss der mächtigen Eliteeinheit. Sein Machtantritt erfolgte unmittelbar nach dem Tod seines Vaters und während eines schweren militärischen Konflikts.
Ein möglicher Tod Modschtaba Chameneis könnte den Einfluss des Amtes des Obersten Führers schwächen, ohne zwangsläufig das gesamte politische System zu Fall zu bringen. Gleichzeitig wäre eine weitere Erschütterung der Führung innerhalb von weniger als einem halben Jahr ein erhebliches Risiko für die Stabilität des Landes.
Auch soziale Unruhen sind nicht auszuschließen. Die Unzufriedenheit in Teilen der iranischen Bevölkerung ist groß. In sozialen Netzwerken kursieren bereits Berichte über regimekritische Rufe gegen Modschtaba Chamenei. Sollte tatsächlich ein zweiter Oberster Führer innerhalb weniger Monate sterben, könnte dies neue Proteste auslösen. im