Nahost

USA, Israel und Kurden: Kommt eine Bodenoffensive im Iran?

Iranische Panzer im Januar in Makran Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

»Freiheit für das Volk« - das versprach US-Präsident Donald Trump wenige Stunden nach Beginn des Angriffs auf den Iran. Doch allein mit Luftangriffen dürfte es schwierig bis unmöglich sein, das Machtsystem der Führung in Teheran zu stürzen. Rund eine Woche nach Kriegsbeginn gibt es nun - teils widersprüchliche - Hinweise, dass es auch eine Bodenoffensive geben könnte. Diese soll womöglich von kurdischen Kämpfern aus dem benachbarten Irak angeführt werden, unterstützt von den Kriegsparteien USA und Israel. Die wichtigsten Fragen:

Wer könnte Kämpfer schicken für eine Bodenoffensive im Iran?
Der Fokus richtet sich seit einigen Tagen auf die Kurden - eine ethnische Gruppe mit schätzungsweise 30 Millionen Mitgliedern, die vor allem im Irak, im Iran sowie in Syrien und der Türkei leben. Viele iranische Kurden leben wegen der systematischen Verfolgung in ihrer Heimat im benachbarten Irak, wo die Gruppe in einer autonomen Region um Erbil mehr Rechte genießt. Einige sehen jetzt die Chance, Irans Regierung zu stürzen und in einer möglichen neuen Regierung auch dort mehr Schutz und Freiheiten zu erlangen.

US-Präsident Donald Trump telefonierte in vergangenen Tagen bereits mit mehreren Kurdenführern. Einigen Berichten zufolge soll der US-Geheimdienst CIA schon vor Monaten damit begonnen haben, kurdische Gruppen in der Region mit Waffen auszustatten. Offiziell weist das Weiße Haus diese Berichte als falsch zurück.

Würden die Kurden für solche Pläne bereitstehen?
Für die iranischen Kurden im Irak birgt ein bewaffneter Marsch über die Grenze enorme Risiken. »Sie werden hingerichtet, falls (der Plan) scheitert«, sagt der kurdische Analyst Mutlu Civiroglu der »Jerusalem Post«. Um wie viele iranische Kurden es dabei überhaupt gehen könnte, blieb zunächst unklar.

Zudem distanzieren sich die irakischen Kurden von den Plänen. Sie haben sich ihre autonome Region nach härtester Unterdrückung - während der Diktatur des einstigen Machthabers Saddam Hussein wurden im Irak Zehntausende Kurden systematisch getötet - mühsam aufgebaut. Es würden Konflikte drohen zwischen Befürwortern einer Invasion und irakischen Kurdenführern, die neutral bleiben und ihre Errungenschaften nicht gefährden wollen. Und selbst ohne die Frage einer Bodenoffensive gibt es innerhalb der kurdischen Gruppen bereits Spaltungen, Rivalitäten und Machtkämpfe.

Wie ist das Verhältnis der Kurden mit den USA?
Das Verhältnis mit Washington war und ist außerdem von vielen Spannungen geprägt. Nach der Zusammenarbeit mit den USA vor und beim Sturz Saddam Husseins im Irak und beim Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Irak und in Syrien fühlten sich viele Kurden verraten, weil Washington ihnen nach Ende der Missionen die Unterstützung entzog.

»Lasst die Kurden in Ruhe. Wir sind keine Waffen zur Miete«, teilte etwa Schanas Ibrahim Ahmed mit, Kurdin und Ehefrau von Iraks Präsident Abdel Latif Raschid. Manche Kurden sehen aber auch viele Vorteile darin, von den USA Waffen und politisches Kapital zu erhalten.

Wie könnte eine kurdische Offensive im Iran ablaufen?
An der rund 1.500 Kilometer langen Grenze zum Iran sind schon jetzt Tausende kurdische Kämpfer stationiert. Diese könnten mit Hilfe von US- und israelischen Luftangriffen in den Iran vordringen. Trump habe den Kurdenführern »umfangreichen Schutz der USA aus der Luft« zugesagt, berichtete die »Washington Post« unter Berufung auf eingeweihte Personen. Israels Luftwaffe bombardierte bereits Militär-, Grenz- und Polizeiposten im westlichen Iran, was bei einem Vormarsch den Weg ebnen könnte.

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Das Problem sei aber, dass die kurdisch-iranischen Gruppen »militärisch nicht stark genug sind und zum Kanonenfutter werden könnten«, sagt ein US-Regierungsvertreter gegenüber der Website »Axios«. Selbst bei parallelen Luftangriffen Israels und der USA und mit deren Geheimdienstinformationen ist völlig offen, wie schnell und wie weit kurdisch Kämpfer im Gebirge des westlichen Irans vordringen könnten. So ein Kampf könnte sich Wochen oder eher Monate hinziehen - Ausgang ungewiss. Zudem verfügt der Iran über Hunderttausende Sicherheitskräfte, die bislang loyal zur Führung in Teheran stehen.

Wie könnte der Iran auf solch eine Invasion im Westen reagieren?
Irans Streitkräfte bereiten sich seit Jahrzehnten auf genau ein solches Szenario vor. Die militärische Doktrin des Landes wurde maßgeblich durch den Iran-Irak-Krieg (1980-1988) geprägt, einen verlustreichen Abnutzungskrieg, der bis heute das strategische Denken in Teheran bestimmt. Statt auf klassische Gefechte an der Front setzt Iran auch auf eine asymmetrische Verteidigung: Guerillataktiken, dezentrale Kommandostrukturen und die Mobilisierung paramilitärischer Kräfte sollen einen Angreifer in einen langwierigen und verlustreichen Krieg zwingen.

Der Iran ist mehr als viermal so groß wie Deutschland. In dem Land mit rund 90 Millionen Einwohnern leben zahlreiche ethnische Minderheiten, darunter Kurden, Belutschen und turksprachige Aseris. Viele von ihnen wohnen in den Grenzprovinzen. Spannungen und separatistische Bewegungen sind für die Führung in Teheran daher kein neues Phänomen. Seit der islamischen Revolution von 1979 regiert der Staat zentralisiert und stützt sich auf einen massiven Sicherheitsapparat, der besonders in den Randregionen hart gegen Protest und bewaffneten Widerstand vorgeht.

Welche Folgen einer Bodenoffensive wären denkbar?
Viele Iraner sorgen sich angesichts der Nachrichten über eine mögliche Bodenoffensive vor einer Zersplitterung des Landes und einem Bürgerkrieg, schreibt der amerikanisch-iranische Historiker Arash Azizi in einem Artikel für die US-Zeitschrift »The Atlantic«.

Eine Bodenoffensive mit Hilfe ethnischer Milizen könnte außerdem eine Gegenreaktion auslösen. Viele Iraner, darunter auch Gegner der autoritären Führung, könnten die territoriale Einheit des Landes über politische Differenzen stellen und sich gegen Separatisten zusammenschließen. Zugleich warnen Beobachter vor möglichen ethnischen Konflikten innerhalb der Grenzregionen selbst, etwa zwischen Kurden und anderen Gruppen.

»Eine bewaffnete ethnische Aufstandsbewegung im Iran zu fördern, wäre die Mutter aller strategischen, moralischen und politischen Fehler«, sagte der Analyst Behnam Ben Taleblu in dem Artikel. »Das würde mit nahezu absoluter Sicherheit in einem gescheiterten Staat enden.«

Zugleich könnte der Iran den Irak angreifen, um einen kurdischen Vormarsch abzuwehren. Damit würde im Nachbarland eine neue Eskalation drohen, wenn Iran-treue Milizen versuchen würden, eine kurdische Offensive gegen Teheran zu stoppen. Zudem könnte auch die Türkei, die schon lange Gruppen mit Verbindungen zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK bekämpft, ähnlich wie in Syrien eine eigene Offensive starten oder versuchen, im Iran eine Pufferzone einzurichten.

Könnten die USA oder Israel Bodentruppen in den Iran schicken?
Nach offizieller Darstellung der US-Regierung sieht es derzeit nicht danach aus. Bodentruppen seien »derzeit nicht Teil des Plans«, sagte Regierungssprecherin Karoline Leavitt. Trump und Verteidigungsminister Pete Hegseth schließen den Einsatz von Bodentruppen aber auch nicht aus, obwohl die amerikanische Öffentlichkeit auf das Thema besonders sensibel reagiert nach den langen und verlustreichen Kriegen im Irak und in Afghanistan.

Als äußerst unwahrscheinlich gilt, dass Israels Armee in großem Umfang Bodentruppen in das Gebiet des rund 2.000 Kilometer entfernten Erzfeinds Iran schicken würde. Ein solcher Einsatz wäre für das kleine Land Israel mit zu vielen Risiken verbunden. Denkbar wären höchstens punktuelle Einsätze von Elitetruppen für spezielle Aufgaben. So waren nach Armeeangaben während des zwölftägigen Krieges mit dem Iran im vergangenen Juni etwa auch israelische Kommandotruppen am Boden im Einsatz.

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