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Raum für Dialog

Der frühere israelische Präsident Reuven Rivlin am Dienstag in der Botschafterresidenz

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Junge Führungskräfte sollen Israel entdecken – unabhängig von Religion und Herkunft. Der frühere israelische Staatspräsident Reuven Rivlin wirbt in Berlin für das Projekt »The Way Shalom«

 23.01.2026 09:38 Uhr Aktualisiert

Entdecken, Verbinden, Inspirieren. Diese drei Worte stehen für das Projekt »The Way Shalom«. Die neue Initiative will junge Führungskräfte aller Glaubensrichtungen und Nationen zu einer achttägigen Reise nach Israel einladen. Die Kosten für Flug, Unterkunft und Programm sollen vollständig übernommen werden. Durch die Begegnungen mit der israelischen Kultur, Geschichte, Gesellschaft und den Werten des Landes sollen die Teilnehmer zu »Botschaftern des Dialogs, authentischer Verbindungen und fundierter Perspektiven« werden.

Am Dienstagabend wurde das Projekt in der Residenz des israelischen Botschafters in Berlin vorgestellt. Mit dabei waren Vertreter aus Politik, Kultur und Wirtschaft, unter anderem Bundesbildungsministerin Karin Prien. Ehrengast war der ehemalige Staatspräsident Israels, Reuven Rivlin. Der 86-Jährige ist von Anfang an als Mentor des Projekts mit dabei.

Rivlin betonte an diesem Abend die besonderen Beziehungen beider Länder: »Ich glaube fest an die Stärke der Freundschaft zwischen Deutschland und Israel und an unsere gemeinsame Verantwortung vor der Geschichte.« Man sei nun aufgerufen, sich den Herausforderungen der Gegenwart zu stellen und gemeinsam Verantwortung für die Gestaltung der Zukunft zu übernehmen.

Werte verteidigen

Angesichts der aktuellen Lage und einer beunruhigenden Zunahme des Antisemitismus bestehe die Verantwortung demokratischer Staaten sowie Vertreter der Zivilgesellschaft und Wirtschaft nicht nur darin, Interessen zu schützen, sondern auch Werte zu verteidigen, so Rivlin.

Aus diesem Verständnis heraus sei das Projekt »The Way Shalom« entstanden, das darauf abziele, Menschen zusammenzubringen. »Bringen Sie junge Menschen und junge Führungskräfte in direkten, ehrlichen Kontakt mit der israelischen Gesellschaft und schaffen Sie Raum für Dialog, Lernen und langfristige Verbindungen«, appellierte Rivlin.

Botschafter Ron Prosor nannte das Projekt eine »brillante Idee«: Bilaterale Beziehungen seien letztendlich die Summe der persönlichen Beziehungen zwischen Menschen »und nicht die Art und Weise, wie sie durch die Medien gefiltert werden«.

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Massenproteste und Hasskampagnen

Das Projekt »The Way Shalom« wurde von Lior Shmueli gegründet. Er erzählte, dass der brutale Terroranschlag gegen Israel am 7. Oktober 2023 auch als Angriff auf die Werte von Demokratie und Freiheit für ihn ein Wendepunkt gewesen sei. »Was mich jedoch am meisten beunruhigte, war das, was danach kam: Innerhalb weniger Wochen verwandelte sich die Unterstützung für Israel in Massenproteste und Hasskampagnen, oft angeführt von Menschen, die noch nie in Israel waren und das Land nur aus Schlagzeilen und sozialen Medien kannten.«

Diese Erkenntnis habe ihn dazu veranlasst, das Projekt ins Leben zu rufen. »Die Idee ist einfach, aber sehr wirkungsvoll: Menschen, die Israel kennengelernt haben, werden es nicht hassen.« Die Teilnehmer würden nicht als passive Leser von Schlagzeilen nach Hause zurückkehren, sondern als informierte Führungskräfte – nicht als distanzierte Beobachter, sondern als Partner.

Auch Daniela Oliel, die das Projekt in Deutschland repräsentiert, ist davon überzeugt, dass die Studierenden und jungen Führungskräfte verändert aus Israel zurückkehren werden. »Sie werden Innovation erleben, die aus der Not geboren ist. Sie begegnen einer Demokratie unter Druck, sie begegnen Vielfalt, die nicht nur theoretisch, sondern wirklich gelebt wird, sowie Resilienz in der täglichen Praxis. Und ich denke, das ist eine Besonderheit Israels mit all seinen Komplexitäten.«

Das Projekt soll von Unterstützern getragen werden. Gesucht werden nun Einzelpersonen, Institutionen und Unternehmen, die das Vorhaben finanzieren. »Lasst uns gemeinsam eine Zukunft gestalten, die auf Freundschaft, gemeinsamen Werten und einer tiefen Anerkennung der historischen Verbindung zwischen dem jüdischen Volk und seinem Land basiert«, heißt es auf der Webseite der Organisation. ddk

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