Genf/Berlin

Streit zwischen Rosa Luxemburg Stiftung und UN Watch

Die Zentrale der Rosa Luxemburg Stiftung in Berlin Foto: picture alliance / imageBROKER

Zwischen der Rosa Luxemburg Stiftung und der Genfer Nichtregierungsorganisation UN Watch ist ein Streit über die UNRWA entbrannt.

Die der Partei Die Linke nahestehende Stiftung veröffentlichte einen Bericht mit dem Titel »Die Kampagne gegen das UNRWA und das palästinensische Rückkehrrecht in Deutschland«. Darin wird die in den vergangenen Jahren geübte Kritik an dem Palästinenserhilfswerk der Vereinten Nationen als »Narrativ« bezeichnet, das »einem übergeordneten strategischen Ziel diente: die politische Reichweite des palästinensischen Rückkehrrechts zu begrenzen, indem die institutionelle Rolle des UNRWA bereits vor einer möglichen Verhandlungslösung unterminiert wird.« Diese »Strategie« habe »erhebliche humanitäre Schäden verursacht«, so die linke Stiftung.

Im vierten Kapitel des Berichts listet die Rosa Luxemburg Stiftung Organisationen auf, die sie als »Diskursproduzent*innen« für die Kritik an der UNRWA verantwortlich macht. Dazu gehört auch UN Watch. Diese NGO habe »den internationalen und deutschen Diskurs über das UNRWA (...) maßgeblich beeinflusst«. Weiter heißt es: »Seit mehr als einem Jahrzehnt porträtiert die Organisation das UNRWA als strukturell kompromittierte Institution, die systematisch von der Hamas unterwandert sei, und erhebt zugleich Vorwürfe politisierter Bildung sowie des Missbrauchs humanitärer Hilfe.«

Lesen Sie auch

»Vielfach aufgegriffen«

Nach dem 7. Oktober 2023 habe UN Watch seine Aktivitäten »intensiviert« und »rasch« Vorwürfe verbreitet, »wonach UNRWA-Mitarbeiter*innen sowohl an der Gewalt als auch an anschließenden öffentlichen
Jubelbekundungen beteiligt gewesen seien.« Diese Vorwürfe seien »in deutschen Medien sowie in der parlamentarischen Debatte vielfach aufgegriffen« worden, obgleich spätere UN-Untersuchungen festgestellt hätten, dass die Zahl tatsächlich bestätigter Fälle »sehr viel kleiner« gewesen sei. Unklar bleibt in dem Bericht, auf welche Zahlen sich das »kleiner« bezieht.

In einer Erklärung griff UN Watch die Vorwürfe der Rosa Luxemburg Stiftung auf. In ihrem Bericht habe diese zahlreiche Unwahrheiten über UN Watch verbreitet, jedoch auch den außerordentlichen Einfluss der NGO hervorgehoben. Letzter sei »außerordentlich wichtig«, so UN Watch, denn Deutschland sei der größte Geldgeber der UNRWA mit Zuwendungen von 118 Millionen Dollar (103 Millionen Euro) im Jahr 2025.

Mehr als 60-mal werde UN Watch in dem Bericht der Rosa Luxemburg Stiftung erwähnt, so die Genfer Organisation. Die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« habe den Bericht aufgegriffen, in dem ein anonymer Bundestagsmitarbeiter mit den Worten zitiert worden sei, UN Watch-Chef Hillel Neuer habe im September 2025 im Bundestag »eine Stunde lang die wildesten Verleumdungen gegen die UNRWA« formuliert. Videoaufnahmen von Neuers Rede belegten aber, dass es keine Verleumdung gegeben habe, wohl aber Beweise dafür, dass die UNRWA von Terroristen unterwandert sei.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

UN Watch-Direktor Hillel Neuer spricht im September 2025 vor Mitgliedern des Bundestages über die UNRWA.
Am Terrorangriff beteiligt

Nach Angaben des israelischen Außenministeriums waren mindestens 18 UNRWA-Bedienstete direkt an den Hamas-Massakern im Süden Israels beteiligt. Zwölf Prozent aller UNRWA-Mitarbeiter im Gazastreifen, beziehungsweise mindestens 1462 von ihnen, sind demnach Mitglieder der Hamas, des Palästinensischen Islamischen Dschihad (PIJ) oder ähnlicher Terrororganisationen.

Während der zahlreichen Hamas-Angriffe der vergangenen 19 Jahre wurden UNRWA-Gebäude als Waffenlager, Abschussrampen und Terroristen-Verstecke missbraucht, wie Aufnahmen belegen. Als weiteres Problem werden seit Jahren antisemitische Inhalte der in den Hunderten UNRWA-Schulen verwendeten Lehrbücher angegeben. Zahlreiche UNRWA-Lehrer feierten den palästinensischen Terror in sozialen Medien, wie UN Watch ebenfalls belegte. Die UNRWA wurde 2024 mit einem Tätigkeitsverbot belegt, das für das israelische Staatsgebiet gilt.

Berlin

Staatsanwaltschaft ermittelt nach antisemitischem Linke-Konzert

Innensenator Iris Spranger (SPD) erklärt im Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses, ein Verfahren sei eingeleitet worden

 08.09.2026

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

Initiativen warnen vor rechter Gewalt nach AfD-Wahlsieg

Nach dem AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt mahnen Initiativen mehr Unterstützung gegen rechte Gewalt an. Was lokale Akteure und die Kirche jetzt fordern

 08.09.2026

Frankfurt am Main

Michel Friedman: Union hat seit Jahren völlig falsche AfD-Politik betrieben

»Die CDU hat gerade erlebt: Das Bodenlose ist möglich«, sagt der Publizist. Was hätte die Partei ihm zufolge tun sollen?

 08.09.2026

Ramallah/Washington D.C./New York

Palästinensische Autonomiebehörde beantragt Einreisevisa für Abbas und Delegation

Die Palästinenser testen offenbar das von der amerikanischen Regierung angekündigte Einreiseverbot für Präsident Mahmud Abbas vor der UNO-Generalversammlung

 08.09.2026

Berlin

Wüst bringt Prüfung eines AfD-Verbots ins Spiel

Wie will der nordrhein-westfälische Ministerpräsident vorgehen?

 08.09.2026

Reaktion

Europäische Rabbiner: Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt ist Weckruf

Das Abschneiden der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt mit über 40 Prozent sorgt auch im Ausland für Besorgnis. Was orthodoxe europäische Rabbiner dazu sagen

von Leticia Witte  08.09.2026

Meinung

Die Wähler sind selbst schuld

Die AfD macht die etablierten Parteien verächtlich und höhlt so die Demokratie aus. Doch die eigentliche Verantwortung für die Misere trägt der Souverän

von Michael Thaidigsmann  08.09.2026

Umfrage

Relative Mehrheit gegen AfD-Regierung mit anderen Parteien

Die AfD gewinnt die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt deutlich, kann aber nicht allein regieren. Viele Deutsche lehnen laut einer Umfrage eine Regierungsbildung mit Hilfe anderer Parteien ab

 08.09.2026

Rechtsextremismus

Jan Philipp Thomeczek: Weitere Radikalisierung der AfD nach Wahlerfolg fraglich

Die AfD hat in Sachsen-Anhalt ihren bisher größten Erfolg eingefahren. Übernimmt die gesamte AfD nun den dortigen Kurs? Ein Politikforscher liefert eine Einschätzung

 08.09.2026