Lüttich

Sprengstoffanschlag auf Synagoge in Belgien

Belgische Politiker und auch US-Botschafter Bill White eilten am Montag zum Tatort Foto: picture alliance / BELGA

In Belgien ist am frühen Montagmorgen ein Sprengstoffattentat auf eine Synagoge verübt worden. Der Anschlag ereignete sich in der Stadt Lüttich. Bürgermeister Willy Demeyer sprach von einem »extrem gewalttätigen antisemitischen Akt«. Die Hintergründe sind aber noch unklar.

Medienberichten zufolge wurde an der Tür der Synagoge in der Rue Léon Frédéricq ein Sprengkörper befestigt und gegen 4 Uhr zur Explosion gebracht. Durch die Druckwellen gingen das Hauptfenster des Gotteshauses sowie einige Fensterscheiben von Gebäuden auf der gegenüberliegenden Straßenseite zu Bruch. Auch an der Synagoge selbst entstand ein Sachschaden. Personen wurden aber nicht verletzt.

Lesen Sie auch

Der Koordinierungsausschusses der jüdischen Organisationen Belgiens (CCOJB) sprach ebenfalls von einem »äußerst beunruhigenden, schweren und besorgniserregenden antisemitischen Akt«. Man habe in den vergangenen Jahren häufig verbale Verurteilungen judenfeindlicher Taten vernommen, so der Dachverband. »Was wir aber heute brauchen, sind konkrete Taten«, so der CCOJB, der darauf verwies, dass Belgien immer noch keine nationale Strategie gegen den Antisemitismus habe.

»Das ist das erste Mal, dass so etwas passiert«, sagte Joshua Nejman, Rabbiner der Synagoge von Lüttich, gegenüber dem belgischen Fernsehsender RTBF. »Das hat mir wirklich das Herz gebrochen. Ich bin seit 25 Jahren Rabbiner der Gemeinde. Das ist das erste Mal. So etwas haben wir noch nie erlebt.« Ermittler der Terrorismusabteilung der föderalen Kriminalpolizei von Lüttich haben die Ermittlungen aufgenommen.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Belgiens Premierminister Bart De Wever schrieb auf X: »Antisemitismus ist ein Angriff auf unsere Werte und unsere Gesellschaft und muss unmissverständlich bekämpft werden. Wir stehen solidarisch hinter der jüdischen Gemeinde in Lüttich und im ganzen Land.« Auch der amerikanische Botschafter in Belgien, Bill White, fuhr am Montag zum Tatort und drückte der jüdischen Gemeinde sein Mitgefühl aus.

Paul Magnette, Chef der Sozialistischen Partei in Wallonien (PS), die die Stadt Lüttich seit vielen Jahren regiert, erklärte, dass »Gewalt niemals eine Lösung« sei und bekundete seine Solidarität mit den Einwohnern von Lüttich sowie mit den örtlichen Behörden. »Einheit und Solidarität müssen unsere unermüdlichen Leitsterne bleiben«, mahnte er. Erst letzte Woche hatte Magnette in scharfem Ton das Vorgehen Israels und der USA gegen den Iran kritisiert und Donald Trump vorgeworfen, es kämpfe an der Seite eines »Kriegsverbrechers« (Benjamin Netanjahu). Bereits vor drei Jahren hatte der Stadtrat von Lüttich mit linker Mehrheit beschlossen, Israel zu boykottieren.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Die Ende des 19. Jahrhundert erbaute Synagoge dient auch als Museum für die kleine jüdische Gemeinde Lüttichs. Jüdische Einrichtungen in Belgien waren in den letzten Jahrzehnten regelmäßig Ziel von Anschlägen. 1981 wurden bei einem Angriff auf ein Gotteshaus in Antwerpen drei Menschen getötet. Ein später stand die Große Synagoge in Brüssel im Visier palästinensischer Terroristen, und 2014 wurde auf das Jüdische Museum Brüssel ein dschidadistischer Terroranschlag verübt. Vier Menschen kamen dabei ums Leben. mth/dpa

Interview

»Es fehlte am fußballerischen Können, nicht am Glück«

Sportreporter-Legende Marcel Reif über das WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft, Jürgen Klopp und die Zukunft von Julian Nagelsmann als Bundestrainer

von Michael Thaidigsmann  02.07.2026 Aktualisiert

Augsburg

Neue »Initiative Antisemitismuskritik & Theater« gegründet

Rund 60 Theaterschaffende haben in Augsburg ein neues Netzwerk gegen Judenfeindlichkeit ins Leben gerufen. Ihnen geht es etwa darum, antisemitismuskritische künstlerische Werke zu entwickeln. Und sie wollen expandieren

von Christopher Beschnitt  02.07.2026

Protest

Zehntausende Gegner des AfD-Bundesparteitags in Erfurt erwartet

Erfurt hofft auf ein gewaltfreies Wochenende: Zum AfD-Bundesparteitag in der Stadt werden zehntausende Demonstranten erwartet. Kirchen, Parteien und Bündnisse rufen zu friedlichem Protest auf. Die Polizei bereitet sich auf mögliche Störungen vor

von Matthias Thüsing  02.07.2026

Nahost

Iran besteht auf militärische Kontrolle der Straße von Hormus

Die iranische Armee verlangt, dass Schiffe nur die vom Iran festgelegte Route durch die Meerenge nutzt

 02.07.2026

Diplomatie

USA und Iran sollen Fortschritte bei indirekten Gesprächen gemacht haben

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran erschweren eine Lösung der komplexen Konfliktlage im Nahen Osten. Nach indirekt geführten Gesprächen in Doha melden die Vermittler Fortschritte

 02.07.2026

Meinung

Was Deutschland von Albanien lernen kann

Wer immer noch überrascht tut und nicht konsequenter gegen die Mullahs vorgeht, handelt nicht nur fahrlässig, sondern lädt ihre Killer geradezu ein

von Ralf Balke  02.07.2026

Analyse

Vorteil Putin?

Früh hieß es, Russland sei einer der Profiteure des Iran-Kriegs und die Ukraine ein Verlierer. Doch das greift zu kurz

von Alexander Friedman  02.07.2026

Hintergrund

Wenn Juden- und Israelfeindlichkeit Extremisten aller Couleur vereint

Der Verfassungsschutzbericht 2025 verdeutlicht einmal mehr: Antisemitismus und Antizionismus sind der Bindekitt zwischen ansonsten inkompatiblen extremistischen Strömungen

von Michael Thaidigsmann  01.07.2026

Meinung

Warum Hessens Vorstoß mit der Meinungsfreiheit vereinbar ist

Die Landesregierung will die Leugnung des Existenzrechts Israels unter Strafe stellen. Mit einer veränderten Begründung und anderen leichten Modifikationen wäre der umstrittene Entwurf grundgesetzkonform

von Fiete Kalscheuer  01.07.2026