Interview

»Mein Traum: eine Synagoge ohne Security«

Rabbiner Pinchas Goldschmidt Foto: Gregor Zielke

Interview

»Mein Traum: eine Synagoge ohne Security«

Rabbiner Pinchas Goldschmidt über die Tagung der Europäischen Rabbinerkonferenz, Proteste im Iran und Israel

 04.02.2026 17:34 Uhr

Herr Rabbiner Goldschmidt, die Rabbinerkonferenz hat in Jerusalem getagt. Was waren die wichtigsten Themen?
Wir haben darüber diskutiert, wie wir als Rabbiner besser mit Gemeindemitgliedern ins Gespräch kommen und deren jüdische Identität stärken können. Wir haben über die Beziehungen zwischen Israel und der Diaspora gesprochen und darüber, wie Rabbiner ihre tägliche Arbeit besser wahrnehmen können.

Die Tagung hätte im November in Baku stattfinden sollen. Aus Sicherheitsgründen wurde sie abgesagt. Können Rabbiner in Europa nicht mehr tagen?
Doch. Wir wollten in muslimischen Ländern tagen und waren von den dortigen Autoritäten auch herzlich eingeladen, sowohl in Aserbaidschan als auch in Bosnien. Aber es gibt Kräfte im Nahen Osten – allen voran den Iran –, die alles tun, um das Leben für Juden und Israelis unerträglich zu machen. Auch deswegen sollte Europa die Proteste im Iran unterstützen. Solange das Regime dort existiert, ist es eine Bedrohung nicht nur für das jüdische Volk, sondern für ganz Europa.

Sind Juden nicht auch in einigen west­europäischen Ländern nicht mehr wirklich willkommen?
Das sehe ich nicht. Wir fühlen uns in Westeuropa immer willkommen. Die Regierungen dort haben die jüdischen Gemeinden in den vergangenen zwei Jahren auf bemerkenswerte Weise geschützt und Terrorattacken verhindert. Aber viele Menschen machen eben keinen Unterschied zwischen Juden, Israelis und der israelischen Regierung. Das ist für sie ein und dasselbe.

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Befürchten Sie, dass Israel in Europa zum Paria wird und Juden immer mehr unter Druck geraten?
Das Problem, das viele in Europa mit Israel haben, hat mehr mit der wachsenden Kluft zwischen den USA und Europa zu tun als mit der Einwanderung aus dem Nahen Osten nach Europa. Die USA waren früher der Sheriff der Welt. Sie hatten zwei »Kinder«, die EU und Israel. Diese Kinder verstanden sich die meiste Zeit mehr oder weniger gut. Doch heute befindet sich die EU im Konflikt mit den USA, bei der Kontrolle der sozialen Medien zum Beispiel oder beim Umgang mit der extremen Rechten, während Israel hier eng an der Seite Amerikas steht.

Die israelische Regierung hofiert gerade wieder rechte Parteien, weil diese sich pro-israelisch geben. Ist das der richtige Weg?
Ich halte das für sehr problematisch, auch wenn ich die Entwicklung ein Stück weit verstehen kann. Israel hat momentan nicht mehr so viele Freunde. Man muss auch sehen, dass es dort keine starke moderate Linke mehr gibt. Gemäßigt linke Parteien in Europa haben in Israel keine Partner.

Was wünschen Sie sich als Präsident der Rabbinerkonferenz?
Mein Traum wäre, eine Synagoge ohne Sicherheitspersonal vor der Tür zu sehen, eine, in die man einfach hineingehen kann.

Mit dem Rabbiner sprach Michael Thaidigsmann.

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