Während die »Global Sumud Flotilla« im Spätsommer weiterhin ihre Frühlingsaktionen bewirbt, ist mindestens ein Einzelboot nach Gaza unterwegs. Die Besatzung des dänischen Kleinschiffs »Fru Sand«, das für die Odyssee zeitweilig in »Handala II« umbenannt wurde, legte vor Tagen in Marstal ab und wollte am Donnerstag im Kieler Sporthafen anlegen – mutmaßlich um die Proviantvorräte aufzustocken.
Das Manöver verlief jedoch nicht wie erwartet. Das Schiff kollidierte laut einem Bericht der »Kieler Nachrichten« mit der Hafenmauer und verursachte einen erheblichen Sachschaden. Dieser beträgt der Sporthafen Kiel GmbH zufolge »mindestens 30.000 Euro«, wie aus dem Bericht hervorgeht.
Nach der Kollision verhindert zudem der Zustand des Schiffes eine Weiterfahrt in Richtung Gaza. Das Ziel, nämlich ein Bruch der israelischen Seeblockade, die eingerichtet wurde, um den Waffenschmuggel und damit den palästinensischen Terror einzudämmen, ist jetzt sowohl geografisch als auch sprichwörtlich in weite Ferne gerückt. Knapp 3000 Kilometer Luftlinie sind es von Kiel bis zur Küste von Gaza.
Frage der Schadensregulierung
Die »Kieler Nachrichten« zitieren den Kapitän Jan Wollnick, der erst nach dem Malheur an der Hafenmauer das Kommando übernahm. Demnach will die Besatzung der »Handala II« im September oder Oktober in Gaza eintreffen. »Wir machen es für die Kinder in Gaza«, sagte der Norweger dem Bericht nach. Laut UNICEF ist deren Mangelernährung mit dem Wert deutscher Kinder vergleichbar, also kaum vorhanden. Wie viele Tonnen an Hilfsgütern die »Handala II« geladen hat, bzw. ob sich überhaupt welche an Bord befinden, ist nicht bekannt.
Im Moment ist dies ohnehin unerheblich, denn die Kaimauer ist beschädigt sowie abgesperrt und die Frage der Schadensregulierung ist nicht geklärt. Zudem hat die Kieler Feuerwehr vorsorglich eine Ölsperre um das Schiff herum installiert. Hinzu kommt: »Wir haben einen Maschinenschaden«. Auch dies erklärte der Kapitän. Wann dieser repariert wird, ist ebenfalls nicht bekannt.
Zur Liste der Probleme gehört auch die Tatsache, dass eine Sammlung, die für das Projekt gestartet wurde, nur zehn Prozent des anvisierten Betrages eingebracht hat und Stand jetzt vor gut einer Woche zum Erliegen kam. Seither sind Zuwendungen ausgeblieben. Eine weitere Schwierigkeit: Die Kieler Polizei ermittelt aufgrund des angerichteten Schadens an der Kaimauer.
»Gefahr für den Hafen«
Kapitän Wollnick will trotz allem so schnell wie möglich wieder ablegen. Dieses Ziel teilt er mit den Betreibern des Sporthafens: »Das Schiff ist für einen Sporthafen komplett ungeeignet und sollte daher so schnell wie möglich weg«, erklärte dessen Chef Mühlenhardt laut »Kieler Nachrichten«. »Sollte mehr Wind kommen, wäre es eine Gefahr für den Hafen.« Dann kann es noch teurer werden. Wann es aber soweit ist und auch nur der nächste Halt Bremerhaven erreicht werden kann, steht in den Sternen.
Die Aktivisten auf dem Schiff haben sich unterdessen mit ihren Geistesbrüdern und -schwestern von »Students for Palestine« zusammengetan. Sie wollen an der beschädigten Kaimauer eine Kundgebung abhalten.