Eine israelische Familie erhebt schwere Vorwürfe gegen den Betreiber eines Imbissstands im Salzburger Land. Der Gastronom soll den vier Urlaubern in Bad Hofgastein die Bewirtung verweigert haben, nachdem er erfahren hatte, dass sie aus Israel stammen. Die österreichischen Behörden haben nach einer Beschwerde der Familie ein Verwaltungsstrafverfahren angekündigt.
Der israelische Familienvater H. schilderte gegenüber der »Kronen Zeitung«, der Betreiber habe ihnen ausdrücklich gesagt, dass er sie wegen ihrer jüdischen Identität nicht bedienen werde. In einem weiteren Bericht hieß es, der Mann habe erklärt, die Familie bekomme auch »wegen Gaza« nichts. Bereits zubereitete Hamburger habe er vom Grill genommen und weggeworfen, nachdem er erfahren habe, dass die Gäste aus Israel stammen.
Für die Familie sei der Vorfall besonders belastend gewesen. »Es war wirklich schockierend für uns«, sagte H. gegenüber dem Blatt. Die Familie habe die Situation zunächst vor allem wegen der anwesenden Kinder nicht eskalieren lassen und den Ort verlassen.
»Unfreundlich und rassistisch«
Der Betreiber des Imbissstands weist die Anschuldigungen entschieden zurück. Gegenüber der »Kronen Zeitung« wollte er sich zu den Vorwürfen kaum äußern und erklärte lediglich: »Alles Blödsinn!«
Zusätzliche Aufmerksamkeit erregten mehrere negative Bewertungen des Lokals im Internet. Darunter finden sich auch Berichte anderer Gäste, die von angeblicher Ablehnung wegen ihrer Herkunft oder ihrer jüdischen beziehungsweise israelischen Identität sprechen. Diese Bewertungen sind allerdings anonym und wurden nicht unabhängig überprüft.
Ein Nutzer schrieb, man habe ihm nichts verkaufen wollen, nachdem bekannt geworden sei, dass er aus Israel komme. Ein anderer berichtete von einem äußerst unfreundlichen und rassistischen Umgang, nachdem Mitarbeiter ihn Hebräisch sprechen gehört hätten. »Ich habe noch nie so einen Hass erlebt«, schrieb der Gast.
In einer weiteren Bewertung wird dem Betreiber vorgeworfen, vor etwa drei Jahren eine jüdische Familie mit Kindern bedroht zu haben. Die Verfasser des Beitrags erklärten, damals die Polizei eingeschaltet zu haben. Auch diese Angaben lassen sich anhand der vorliegenden Berichte nicht unabhängig bestätigen.
Die aktuelle Auseinandersetzung hat inzwischen auch die Behörden erreicht. H. erstattete bei der zuständigen Bezirkshauptmannschaft Anzeige. Daraufhin wurde die Einleitung eines Verwaltungsstrafverfahrens angekündigt.
Elie Rosen, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde für Salzburg, die Steiermark und Kärnten, forderte eine rasche Aufklärung des Falls. Angesichts weiterer antisemitischer Vorfälle in Österreich und Deutschland sei zudem eine besondere Verantwortung in der politischen Debatte über Israel notwendig. Pauschale Verurteilungen Israels dürften »nicht zum Einfallstor für Judenhass werden«, erklärte Rosen.
Praktische Maßnahmen
Auch die israelische Botschaft in Wien reagierte: »Wir sind zutiefst besorgt über Berichte, wonach einer israelischen Familie in Salzburg aufgrund ihrer Identität Essen verweigert wurde.« Diskriminierung von Israelis und Juden sei nicht akzeptabel. Sollten Aufklärung, Warnungen und Stellungnahmen nicht ausreichen, müssten praktische Maßnahmen ergriffen werden.
Botschafter David Roet schrieb zudem auf X, solche Vorfälle dürften nicht isoliert betrachtet werden. Er verwies auf ein Umfeld, in dem Antisemitismus zunehmend normalisiert werde, während falsche Anschuldigungen gegen Israel seiner Darstellung zufolge häufig unwidersprochen blieben. Die Folgen träfen Familien und Kinder.
Die israelische Familie hat ihren Urlaub in Österreich trotz des Vorfalls fortgesetzt. H. erklärte, die mehrwöchige Reise durch Tirol und Salzburg genieße die Familie weiterhin. Den Vorfall in Bad Hofgastein wollte sie dennoch nicht auf sich beruhen lassen. im