Würzburg

Schuster sieht Gleichgültigkeit bei Judenhass - Zivilcourage gefragt

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden Foto: picture alliance/dpa

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sieht eine gefährliche Gleichgültigkeit vieler Menschen in Deutschland gegenüber einer zunehmenden Judenfeindlichkeit. »Gott sei Dank gibt es Solidarität. Aber ich habe das Gefühl, dass viel zu viele Menschen gleichgültig sind«, sagte er beim Katholikentag in Würzburg.

Viele reagierten zum Beispiel auf antisemitische Sprüche und Angriffe nach dem Motto: »Ist ja eigentlich nicht mein Thema. Ich tue nichts dagegen, aber ich tue auch nichts dafür.« Dabei sei es nicht besonders schwierig, etwas gegen diese Gleichgültigkeit zu tun, so Schuster: »Es gibt einen Begriff, der hier hilft. Das ist der Begriff der Zivilcourage.«

Konkret empfahl er, bei antisemitischen, demokratiefeindlichen oder rassistischen Sprüchen im Bekanntenkreis oder am Arbeitsplatz den Mund aufzumachen und nachzufragen: »Bist Du Dir bewusst, was Du gerade gesagt hast? Mit solchen einfachen Hinweisen kann man sehr viel erreichen und die Menschen zum Nachdenken bringen.«

Lesen Sie auch

Schuster ergänzte, er habe den Eindruck, dass gläubige Menschen - egal welcher Religion - »sich grundsätzlich viel weniger von Fanatismus und fanatischen Meinungen in Beschlag nehmen lassen«.

Mit dem Angriff der Terrororganisation Hamas auf Israel vom 7. Oktober 2023 habe sich die Bedrohungslage für Menschen, die als Juden erkennbar sind, noch einmal deutlich verschärft, so Schuster: »Als Schmuckstück einen Davidstern zu tragen, wird in der Öffentlichkeit vermieden. Ebenso als Jude erkennbar mit einer Kippa durch die Stadt zu gehen. Und den Studierenden in den Rabbiner-Ausbildungsstätten in Berlin wird geraten, über die Kippa eine Basecap zu tragen.« kna

Augsburg

Neue »Initiative Antisemitismuskritik & Theater« gegründet

Rund 60 Theaterschaffende haben in Augsburg ein neues Netzwerk gegen Judenfeindlichkeit ins Leben gerufen. Ihnen geht es etwa darum, antisemitismuskritische künstlerische Werke zu entwickeln. Und sie wollen expandieren

von Christopher Beschnitt  02.07.2026

Protest

Zehntausende Gegner des AfD-Bundesparteitags in Erfurt erwartet

Erfurt hofft auf ein gewaltfreies Wochenende: Zum AfD-Bundesparteitag in der Stadt werden zehntausende Demonstranten erwartet. Kirchen, Parteien und Bündnisse rufen zu friedlichem Protest auf. Die Polizei bereitet sich auf mögliche Störungen vor

von Matthias Thüsing  02.07.2026

Nahost

Iran besteht auf militärische Kontrolle der Straße von Hormus

Die iranische Armee verlangt, dass Schiffe nur die vom Iran festgelegte Route durch die Meerenge nutzt

 02.07.2026

Diplomatie

USA und Iran sollen Fortschritte bei indirekten Gesprächen gemacht haben

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran erschweren eine Lösung der komplexen Konfliktlage im Nahen Osten. Nach indirekt geführten Gesprächen in Doha melden die Vermittler Fortschritte

 02.07.2026

Meinung

Was Deutschland von Albanien lernen kann

Wer immer noch überrascht tut und nicht konsequenter gegen die Mullahs vorgeht, handelt nicht nur fahrlässig, sondern lädt ihre Killer geradezu ein

von Ralf Balke  02.07.2026

Analyse

Vorteil Putin?

Früh hieß es, Russland sei einer der Profiteure des Iran-Kriegs und die Ukraine ein Verlierer. Doch das greift zu kurz

von Alexander Friedman  02.07.2026

Hintergrund

Wenn Juden- und Israelfeindlichkeit Extremisten aller Couleur vereint

Der Verfassungsschutzbericht 2025 verdeutlicht einmal mehr: Antisemitismus und Antizionismus sind der Bindekitt zwischen ansonsten inkompatiblen extremistischen Strömungen

von Michael Thaidigsmann  01.07.2026

Meinung

Warum Hessens Vorstoß mit der Meinungsfreiheit vereinbar ist

Die Landesregierung will die Leugnung des Existenzrechts Israels unter Strafe stellen. Mit einer veränderten Begründung und anderen leichten Modifikationen wäre der umstrittene Entwurf grundgesetzkonform

von Fiete Kalscheuer  01.07.2026

Extremismus-Bericht

Auschwitz Komitee macht AfD für gestiegenen Rechtsextremismus verantwortlich

Die Zahl der Extremisten in Deutschland ist nach Einschätzung des Bundesamtes für Verfassungsschutz weiter gestiegen. Dafür macht das Komitee vor allem die AfD verantwortlich

 01.07.2026